Freude und Liebe

Das synonym sein von Liebe und Freude liegt darin, dass das, wozu man sich hingezogen fühlt, meistens auch das ist, woran man sich freut.

Freude drückt mehr einen Zustand aus, Liebe mehr eine Beziehung.

Insofern Liebe Freude, Lust, Genuss ist, ist sie Übereinstimmung, das Gefühl von vereint sein, eins sein.

Man kann sich fragen, wie Liebe und Freude zu Zärtlichkeit stehen?

Liegt das Glück in der Herabwürdigung, oder in der Würdigung?

Der Herabwürdigende geht nicht von den Zusammenhängen des Seins aus, sondern von einem willkürlichen, absoluten Ich. Herabwürdigung hat nur eine beschränkte Übereinstimmung von Idee und Gegenstand – aber hat das irgendeine Relevanz für das Erreichen eines glücklichen Zustandes? Immerhin liegt das Glück – die Seelenruhe – schliesslich nicht im Wollen, was schon daraus ersehen werden kann, dass dieses auf die Zukunft gerichtet ist – Aufnehmen, Wahrnehmen, Einsehen, auf-sich-wirken-Lassen, aber Gegenwart ist.

Zum „Gläubigen“ müssen wir sagen, dass sein Sinn (seine Religion, sein Gott) selbstverständlich nicht ein Aufnehmen, Wahrnehmen, Einsehen, auf-sich-wirken-Lassen ist – denn sonst würde es sich nicht um glauben handeln! sein Sinn hängt also vollends an der Zukunft, und der damit verbundenen Hoffnung; insofern ist der Gläubige ein Wollender.

Dass Herabwürdigung – im Wert, in der Bedeutung herabsetzen, betrügen, schädigen – nicht eine Sache von Aufnehmen, Einsehen, Empfangen ist, sondern von zielgerichtetem Denken und Handeln, das heisst, einem Wollen, leuchtet ein. In Gegensatz dazu steht ein Ich, das danach strebt, das Sein des andern zu erfassen, um das eigene Sein zu bereichern, und den Genuss des eigenen Lebens zu vergrössern. Insofern ist das, was das eigene Leben bereichert, auch das, was das der andern bereichert.

Glaubensreligionen und Pantheismus

In den Glaubensreligionen steht ein der Materie entkleidetes, abstraktes, absolutes Ich – eine Seele – im Zentrum; im Pantheismus ein Ich, das substantiell und inhaltlich mit der Materie (der Natur) verbunden ist. Die Gedanken kreisen nicht um die ewige Erhaltung eines entsinnlichten Bewusstseins, sondern die Erfüllung besteht im Aufgehen des Ichs in der sinnlichen Welt. In den Glaubensreligionen kann die Verbindung mit dem Besten, Schönsten, Wertvollsten (der Gottperson) durch Herabwürdigung und Geringschätzung der Natur bestehen, beim Pantheismus hingegen nicht.  

Zwar kann das Ich durch Herabwürdigung und Geringschätzung auch Ziele finden, im Allgemeinen ist es die Befriedigung, über Dinge und Menschen zu bestimmen, mit dem Höhepunkt des Erfolgserlebnisses, aber es kehrt dann zurück in eine Leere.

Ich denke nicht, dass die Erde befriedet werden kann mit einer Glaubensreligion, denn diese ist eine Herrschaftslehre, nicht aber eine Weisheitslehre. Eine gute Religion sollte eine Weisheitslehre sein, und nicht der Weisheit entgegengesetzt. Die Geschichte der jüdisch-christlichen Religion ist die der Entfernung des Menschen von der Natur.

Ziel des Pantheisten ist die Übereinstimmung des eigenen Seins mit dem Sein überhaupt.

Spinoza und Goethe – und vermutlich auch Schiller und Descartes – sind berühmte Vertreter des Pantheismus.

Inwiefern unterscheiden sich sexuelle Lust und Genuss von allen andern Lüsten und Genüssen?

Genuss (Lust) heisst Übereinstimmung. Beim Essen, Trinken, Geniessen von Musik, Kunst, Tanz, Landschaft, Sport ist die Übereinstimmung klar ersichtlich. Aber worin besteht sie bei der sexuellen Lust? mit dem eigenen Geschlechtsorgan, einer Fantasie, oder dem Sexualpartner? Geht die Lust vom Körper, oder vom Geist (Psyche) aus?

Sexualität ist Lust, die auf einen Höhepunkt zustrebt, der aber nur von Sekundendauer ist, und dann schnell abflacht, beim Mann schneller als bei der Frau.

Tatsächlich handelt es sich bei der sexuellen Lust am prägnantesten um ein Gelüste, das heisst, plötzlich sich regendes Verlangen und Gestimmtheit, die durch ihre Befriedigung – wenigstens beim Mann – unvermittelt in ein gegenteiliges Gefühl übergehen kann; und es ist nur bedingt möglich, sie zielgerichtet hervorzubringen.

In der Sexualität sind zwei Körper auf eine sehr enge und persönliche Art verbunden, was aber nicht heisst, dass Geist, Psyche, Stimmung und Lust dieser beiden Menschen übereinstimmen. Wenn zum Beispiel der Mann von A bis Z auf seine eigene Lust fixiert ist, dann ist das Gefühl des Vereint-seins eher ausgeschlossen.

Andererseits bietet die engste Verbindung der Körper die Möglichkeit des Erlebens einer Vereinigung mit einem anderen Menschen, und Aufgehobenheit in ihm, die lustvoll, beglückend und entspannend ist, und eine sehr tiefe Dimension haben kann, ich würde sagen – in den Phasen, in denen nicht heftig gestossen wird – eine religiöse.

Ein weiteres Moment ist, dass sexuelle Lust mit der Fortpflanzung zu tun hat.

Was ist Glück?

Glück ist der Zustand, in dem ich nicht wollte, ich selber, oder meine Situation wäre anders.

Anders ausgedrückt: Glück ist der Zustand, in dem in mir Freude und Lust sind, nicht aber unangenehme Gefühle, wie zum Beispiel Minder­wertigkeitsgefühle, Sinnlosigkeit, Angst, Schmerz, Langeweile, Neid, Einsamkeit.

Lust bedeutet Zustimmung zu mir selber, eine Einheit mit mir, Unlust und Unbefriedigtheit (Schmerz, Angst, Neid, Gefühle des Minderwerts und der Sinnlosigkeit, Einsamkeit) hingegen ergeben eine Disharmonie mit mir selber.

Wenn ich glücklich bin, möchte ich nicht, es wäre schon später, sondern ich gehe auf im Moment.

Freude und Lust bedeuten eine Vergrösserung des Strebens mit dem ich im Sein zu beharren strebe. Unlust, Unbefriedigtheit, Niedergeschlagenheit hingegen eine Verkleinerung des Strebens mit dem ich im Sein zu beharren strebe.

Sein – oder Wirklichkeit – mit dem Willen einer Person gleichsetzen

Das tun die semitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) indem sie das Universum – den Kosmos, das Sein, die Natur – nicht als unendlich auffassen (unendlichen Zusammenhang, unendliche Möglichkeit, unendliche Varietät), sondern Objekt, das die Wirkung eines personalen Willens sei (einer rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person).

Anschlussfragen:

– Kann es letztlich überhaupt ein Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, auf-sich-wirken-Lassen geben, wenn der Kosmos nicht unendlich ist, sondern nur Wille eines personalen Gottes?! denn, wohlverstanden: auf die rein geistige, wollende, allmächtige Person selber kann sich das Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, auf-sich-wirken-Lassen nicht beziehen, denn diese ist Gegenstand des Glaubens, und somit letztlich selbst nur eine Art Wollen (gerichtet sein auf die Zukunft).

– Worin besteht die rein geistige, allmächtige Person sonst noch ausser Wollen (Willen)? Oder anders gefragt: kann sie überhaupt bestehen, ohne Körperlichkeit?! Denn wir müssen uns bewusst sein: Wollen – das Streben nach einem Realisierungsakt – kann nicht sein, ohne etwas, auf das es sich bezieht, ausserdem kann die Realisierung nicht nur im Geiste bestehen.

Eingreifen in das Leben anderer Menschen, und Falschheit – die Hauptmerkmale Satans

Die Methode dazu ist, Inhalt durch Inhaltslosigkeit zu ersetzen, Klarheit durch raffinierten Schein, Tiefe durch Banalität, Wahrheit durch Falschheit, Ruhe durch Rastlosigkeit, das Leben in Zusammenhängen durch ein Leben im Zusammenhangslosen.

Immerhin müssen wir bedenken: Inhalt, Klarheit, Wahrheit, Tiefe, Ruhe, das Leben in Zusammenhängen bringen keine Macht! Also könnte die Schlussfolgerung sein, dass es oberstes Ziel Satans ist, den Menschen diese wegzunehmen, um seine Ziele zu erreichen.

Mit der Wahrheit kannst du keinen betrügen. Wenn also jemand eine Beziehung zu dir herstellt, durch die deine Einsicht nur vergrössert wird, was für eine Macht will er über dich ausüben?

Wenn jemand eine Beziehung zu dir herstellt, in der er Macht über dich haben will, dann wird er versuchen, dich hinters Licht zu führen, zu täuschen: dich um deine eigenständige Existenz betrügen, indem er dich in einen bestimmten Glauben versetzt.

Im Krieg ist Täuschung allerdings oberstes Gebot! Satan führt allerdings nicht wirklich Krieg gegen die andern Menschen – er will nur das höchste Gefühl das er kennt, erleben: eine irre Verschmitztheit, das Gefühl der Überlegenheit, und der Schadenfreude; und der Geldsack auf dem er hockt, wäre für ihn nur noch halb so viel wert, wenn er ihn nicht durch Betrug an den andern erworben hätte. Satan, ein Irrer und Herabwürdiger des Seins – als Abstammungsgemeinschaft, die als Religion auftritt, eine Geissel der Menschheit: Die Gegner sollen untereinander Krieg führen.

Was heisst Herabwürdigen?

schlecht machen, im Wert, in der Bedeutung herabsetzen, verleumden, schädigen, täuschen, belügen, betrügen, absprechen des Lebensrechts, vertreiben, unterdrücken, ausbeuten.

Anders ausgedrückt: mich über den andern stellen, ihn zum Mittel reduzieren: zum Beispiel als Objekt der Macht, Zeitvertreibs, Herablassung, Amüsements, oder Ausbeutung; sich selber bejahen, ohne den andern zu bejahen.

Das Böse kann sehr einfach als Herabwürdigen definiert werden, sei es des Menschen, der Natur, oder der Wahrheit.

Was heisst würdigen?

Würdigen im allgemeinen Sinn, heißt, etwas Aufmerksamkeit, Beachtung schenken. Es in seinem Wert, seiner Bedeutung, oder seinem Zusammenhang erfassen. In einem tieferen Sinn ist Würdigung die Bewusstwerdung dessen, womit ich zusammenhänge.

Würdigung drückt ein Verhältnis zum Menschen, und zur Natur aus, in dem ich sie bejahe und wertschätze.

Religiöses Befinden

Wenn Menschen, Tiere, Pflanzen, Dinge sich nicht darin erschöpfen Mittel für meine Wünsche und Begierden zu sein, dann habe ich Religion. Dann nehme ich sie in einer Dimension wahr, in der ich das Sein würdige.

Unter Religion verstehe ich Sinngebung, oder Sinnfindung: Eine Antwort auf die Frage, was das Sein, oder die Wirklichkeit (Kosmos, Natur, Universum, mein Existieren) für mich ist. Die Antwort kann ein Sinn sein, der die Natur, den Menschen, und die Wahrheit würdigt, oder aber sie herabwürdigt.

Engstirnig und hasserfüllt sein, niederträchtig, hartherzig, und kleinkariert kann mit Glauben, Unterwerfung, und Gehorsam einhergehen, aber nicht mit Spiritualität. Meine Übereinstimmung mit dem Göttlichen – insofern man darunter den Kosmos, das Universum, das menschliche Sein, die Natur versteht – kann nicht durch Hoch­mut, Schein, Einbildungen, und Äusserlichkeit bestehen.

Die Würdigung und den Genuss des Seins, das heisst, die Übereinstimmung mit ihm, und die Fähigkeit, sich nicht selber mehr zu bejahen als das andere, würde ich als Spiritualität, oder religiöses Befinden bezeichnen.

Eine Religion, die das unendliche Sein, die Vielfalt und Tiefe der Wirklichkeit reduziert, reduziert auch das Göttliche, würdigt es herab!

Die Freude, eine Einheit zu bilden

Geht es bei einer Party darum, besser zu sein, als der andere (die andern)? Jedenfalls würde die schöne Stimmung daraus kommen, dass man sich in der Einheit vergisst.

Es würde doch darum gehen, dass man sich im Staat – bei seinen Führern – aufgehoben fühlen darf; wie sich eine Liebende bei ihrem Geliebten aufgehoben fühlen möchte. Der Staat sollte das Gefäss der Liebenden sein. Wenn der Staat ein verlogenes Gebilde ist, kann der Körper nur neben dem Herzen sein.