Am Anfang war der Wille – das ist das Credo der semitischen Religion

Der Gegensatz zu «am Anfang war der Wille» ist «am Anfang war der – unendliche – Zusammenhang». Wobei, wohlverstanden, ein Zusammenhang, der unendlich ist, gar keinen Anfang haben kann.

Wollen ist Sein – allerdings nicht realisiertes Sein. Natürlich kann das, was gewollt wird, nur Akzidens (etwas Zusätzliches) sein, nicht die Substanz. Wenn allerdings gesagt wird, Materie sei ein Produkt des Wollens, fragt man sich, was die Substanz sei? Die Theologen sind nicht verlegen und sagen: Die Substanz sei rein geistig, genauer eine rein geistige Person, deren Wollen ewig sei, denn wenn es aufhören würde, würde auch das Person-sein aufhören: Es handle sich also um einen ewigen Willen, der einem ewigen Machtobjekt gegenübersteht.

Rein geistig heisst, es bestehe ein Bewusstsein oder ein Ich, das nicht durch einen Körper zusammengehalten wird und dass die Objekte des Bewusstseins nur im Geiste bestehen, aber trotzdem ein Wille vorhanden sei. Die rein geistige Person kann nicht räumlich gegen Materie abgegrenzt sein, weil sie – im Gegensatz zum Menschen – keinen Körper hat. Das heisst, diese Person kann nur über ihre Macht oder ihren Willen vorgestellt werden. Mit dem Wollen sind Ideen verbunden: Etwas, das anders sein soll. Das, was anders sein soll, können aber nicht die Ideen der rein geistigen Person sein – was aber ist es dann, das anders sein soll, denn ausserhalb der Gottperson kann es keine Ursachen geben.

Beim Menschen wird man misstrauisch, wenn das Objekt der Idee nur im Geiste besteht, bei der Gottperson hingegen ist Idee und Realität identisch, da nichts ausserhalb ihres Geistes existiert; das heisst: es kann gar nicht zwischen Idee und Objekt der Idee unterschieden werden. Natürlich entsteht so die Frage, was dann Wollen (Wille) bedeuten soll?

Die Sonne selber und die Idee der Sonne sind zwei verschiedene Realitäten. Welches ist das Wirken der Idee der Sonne und welches das Wirken der Sonne selber? Materie wirkt streng kontinuierlich, in einem stringenten Fluss, ihre unabsehbaren Teile wirken perpetuell und unabsehbar aufeinander – die verschiedenartigen Ideen, Vorstellungen oder Gedanken hingegen bedeuten eine Abfolge, die gleichsam Sprünge oder Hüpfer sind. Zusammengehalten werden sie durch das Bewusstsein und den zugehörigen Körper.

Ist Wollen ein Empfinden oder ein Denken? Beim Tier ist es bloss Empfinden, beim Menschen Empfinden und Denken – aber was ist es bei der Gottperson? Wollen ist Streben nach einem Realisierungsakt. Kann Streben nach einem Realisierungsakt als blosses Denken ohne Empfinden betrachtet werden? Einer reingeistigen Gottperson Empfindung zuzuschreiben, ist problematisch, weil Empfinden eine Nähe zu Körperlichkeit aufweist.

Das Wollen und das Gewollte. Beim Menschen gehören Wollen und das Gewollte zur selben Wirklichkeit, weil bei ihm Geist und Körper (Materie) eine Einheit bilden. Bei der Gottperson hingegen können Wollen und das Gewollte, das heisst Materie, nicht zur selben Wirklichkeit gehören, weil die Gottperson rein geistig sei. Wille und Macht seien zwar die Hauptmerkmale der Gottperson, aber sie existiere auch ohne die Objekte ihres Willens und ihrer Macht.

Beim Menschen bedeutet die Idee des Gewollten nicht unbedingt die Möglichkeit, Fähigkeit oder Macht zur Realisierung. Bei der Gottperson hingegen kann das, was anders sein soll, unumschränkt realisiert werden. Es fragt sich allerdings, was anders sein soll, wenn das, was existiert vollumfänglich auf ihren Geist oder ihr unendliches Bewusstsein zurückgeht und es keine Ursachen ausserhalb von ihr geben kann.

Beim Menschen können wir unterscheiden zwischen dem Wollen und der Tätigkeit, die zur Realisierung des Wollens oder des Zieles führt. Bei der Gottperson hingegen kann eine solche Tätigkeit nicht vorhanden sein, weil sie rein geistig ist. Wodurch aber findet dann die Realisierung statt? Wenn Wollen und Realisierung in eins zusammenfallen, gibt es kein Wollen mehr. Wollen bedeutet eigentlich, Verfolgen eines Zieles – was bei einer allmächtigen Gottperson mit unendlichem Bewusstsein eine grosse Ungereimtheit darstellt.

Kann ein Wesen eine Person sein, ohne ein Ich zu sein – diese Frage stellt sich bezüglich einer Person, der Allmacht, unendliches Bewusstsein und Unveränderlichkeit zugeschrieben werden und bei der die Spannung zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit fehlt: Wo kein Werden ist, ist auch kein Ich – und damit keine Person im eigentlichen Sinn.

Wie ist es von reinem Geist zu Materie gekommen? Die Antwort der Theologen lautet: Durch den Willen der rein geistigen Gottperson. Bei Materie, Leben und Geist handle es sich nicht um einen unendlichen Zusammenhang, sondern den Zusammenhang eines persönlichen Willens und das, was durch ihn realisiert wird oder wurde. Auf der einen Seite der allmächtige Realisator und auf der anderen das, was durch seine Macht hervorgebracht wurde und seiner Macht unterliegt: Ein Weltbild eines durch Macht begründeten Dualismus. Unter Religion oder dem Höchsten und Wertvollsten wird die Macht und ihre Anbetung verstanden.

Wie unterscheidet sich Gott von der Wirklichkeit? Unter Wirklichkeit verstehe ich Universum, Kosmos inklusive Menschen, Geist, Bewusstsein, Leben, Materie.

Es wird gesagt, es gebe etwas, ohne das es die Wirklichkeit nicht gäbe – und das sei die Gottperson. Wobei wir beachten müssen, dass die Wirklichkeit nur dann eine Ursache haben kann, wenn sie nicht unendlicher Zusammenhang ist.

Ist der Zusammenhang des menschlichen Bewusstseins die unendliche Wirklichkeit oder eine allmächtige Gottperson? Wenn der Zusammenhang des menschlichen Bewusstseins als rein geistige Gottperson aufgefasst wird, dann wird das menschliche Bewusstsein als unabhängig von der materiellen, körperlichen Wirklichkeit aufgefasst: Der Zusammenhang des menschlichen Bewusstseins besteht in einem Verhältnis zu einer Person, die rein geistig ist.

Ist die Gottperson eine abgegrenzte Wirklichkeit? Ihr Verhältnis zum Sein besteht durch Wollen und Macht. Insofern etwas zu etwas anderem das Verhältnis des Wollens oder der Macht hat, kann es nicht zum eigenen Sein gehören. Ausser, diese Macht beziehe sich bei einem Geist-Körper-Wesen, wie dem Menschen, auf den eigenen Körper.

Das Bewusstsein der Gottperson sei reiner Geist. Da sich aber ihr Wollen und ihre Macht nicht auf den reinen Geist beziehen kann, würde zum Bewusstsein der Gottperson Materie gehören. Es stellt sich die Frage: Welches ist der Zusammenhang des Wollens bei der rein geistigen Gottperson?

Rein geistig heisst, die Gottperson besteht nur aus Bewusstsein – allerdings Bewusstsein ohne Empfinden, Fühlen oder Wollen, denn diese sind an Materie gebunden und das würde die Reingeistigkeit zunichte machen.

Kann es etwas geben, das das, was es ist, ohne etwas anderes ist? Wenn nein, wäre Zusammenhang das ursprüngliche Prinzip des Seins. Die Theologen würden sagen, es gebe etwas, das das, was es ist, ohne etwas anderes ist, nämlich die Gottperson. Person ist allerdings undenkbar ohne etwas, worauf sie sich bezieht, das heisst, eine andere Person oder etwas, das nicht Person ist.

Wovon gehe ich aus? Von einem – rein geistigen, allmächtigen – Objekt oder meinem Bewusstsein? Vom Bewusstsein kann ich nicht abstrahieren, von einem rein geistigen, allmächtigen Objekt hingegen schon; dass ich von Bewusstsein nicht abstrahieren kann, bedeutet, dass es nicht Objekt sein kann (das ist der Sinn des Spruches von Descartes: Ich denke, also bin ich).

Geist – Sinn, Inhalt und Selbstverständnis des Menschen – kann dem Menschen quasi als Objekt gegenüberstehen, indem eine Gottperson als das Sein oder die Wirklichkeit gilt. Auf diese Weise steht dem Menschen das Ultimative und Massgebende oder das Höchste und Wertvollste – oder sein Sinn – als ein rein geistiges Objekt gegenüber, das Macht über ihn hat.

Zu einem Objekt – ob eingebildet oder real – kann das Verhältnis des Wollens, Macht, Unterwerfung, Glaubens usw. bestehen – wie steht das beim Bewusstsein? Zum Bewusstsein besteht nicht das Verhältnis des unbedingten Wollens oder der Befehlsgebung – sonst könnte man sich einfach befehlen, glücklich zu sein, und wäre es. Anhand des Bewusstseins können wir klar beobachten, wie sich Wollen und Macht von Wirken unterscheidet – denn das Bewusstsein kann zwar als gerichtetes zum Wollen werden, aber kaum als Dauerzustand; und wenn der gerichtete Zustand nicht mehr aufrechterhalten werden kann und der Mensch sich nicht mehr selber als Ursache fühlen kann, tritt das Bewusstsein als etwas Eigenes hervor, das man nicht kontrolliert. Natürlich ist zu etwas Bewusstem auch das Verhältnis von Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, Wahrnehmen, Auf-sich-wirken-lassen möglich.

Das Verhältnis von Bewusstsein und Wirklichkeit. Bei der Gottperson hat diese Unterscheidung keinen Sinn, weil sie rein geistig ist. Beim Menschen hingegen ist Bewusstsein das Bewusstsein des Körpers: Sein Denken, Empfinden, Fühlen, Wahrnehmen. Durch den Körper empfindet, fühlt und nimmt das Bewusstsein das materielle Sein ausserhalb von ihm wahr.

Bewusstsein ist nicht nur etwas quasi «Technisches» (mentaler Wachzustand), sondern es hat die Fähigkeit zu bejahen und zu verneinen. Und dadurch Inhalte und Zusammenhänge anzunehmen oder zu verwerfen. In diesem Zusammenhang ist folgende Feststellung zum Verhältnis von Bewusstsein und Materie interessant: Niemand redet von Wahrheit und Falschheit der Materie, aber von Wahrheit und Falschheit der Ideen und Vorstellungen.

Was hat beim Menschen Wollen und Macht mit Wahrheit zu tun? Sie können mit Widersprüchen, Illusionen, Wahnideen, Betrug und Lügen verbunden sein. Bei der Gottperson hingegen müssen Wollen, Macht und Wirklichkeit in eins gesetzt werden – wie das mit Wollen und Person-sein vereinbart werden kann, ist ein schwerwiegendes theologisches Problem.

Der Zusammenhang der Gottperson mit dem Menschen ist Wollen und Macht – welches ist der Zusammenhang der Wirklichkeit mit dem Menschen? Der Zusammenhang der rein geistigen Gottperson mit einem Atom, dem Menschen oder Tier, Pflanze, Wasser, Feuer besteht durch Wollen und Macht. Der Zusammenhang der Wirklichkeit mit einem Atom, dem Menschen oder Tier, Pflanze, Wasser, Feuer besteht durch unendlich zusammenhängendes Wirken, was an sich schon das grosse Geheimnis ist.

Abschlussfrage: Kann etwas als Wahrheit gelten, das den Geist oder das Bewusstsein einschränkt?

Die Rede von der ‘Subjekt-Objekt-Spaltung’

Der Ausdruck ‘Idee-Objekt-Spaltung’ würde wohl den meisten absurd vorkommen – weil Idee und Objekt eine Einheit bilden, handle es sich um die Idee eines Engels, Apfels oder Dornröschens. Der Ausdruck ‘Subjekt-Objekt-Spaltung’ hingegen wirkt nicht absurd, weil unter Subjekt der physische Mensch mitgedacht wird und so automatisch eine – räumliche, materielle, körperliche – Abgrenzung zum Objekt suggeriert wird.

Von Spaltung redet man dann, wenn ein Ding, Sache, Person gespalten ist oder gespalten wird. Was wird bei der ‘Subjekt-Objekt-Spaltung’ gespalten? Ist es der Mensch? Dann würde das Sprüchlein heissen: Der Mensch ist gespalten in Subjekt und Objekt – was eine sehr dubiose Aussage bedeutet.

Idee, Vorstellung, Wort, Empfindung, Gefühl oder Bewusstsein bestehen in der Einheit einer Subjekt- und Objekt-Seite. Die «Erkenntnistheoretiker» (Vertreter einer ‘Subjekt-Objekt-Spaltung’) können diesen Satz allerdings nicht gutheissen, weil für sie Bewusstsein – und somit Denken – schon vor einem Objekt existiert: Sie können auf diese Weise Bewusstsein und Denken ohne Körper, Empfindung und Gefühl existieren lassen – was ganz der religiösen Tradition entspricht, von der sie herkommen.

Die zentralen Begriffe der Erkenntnistheoretiker oder Vertreter einer ‘Subjekt-Objekt-Spaltung’: reines Subjekt, reine Vernunft, reines Bewusstsein, Ding-an-sich, Vermittlungsproblem, Innenraum vs. Außenwelt, epistemische Distanz. Für sie ist Bewusstsein primär „repräsentierendes Bewusstsein“, „innerer Raum“ oder „Container“, die die Aussenwelt, das heisst, die Objekte, repräsentieren, abbilden oder erkennen.

Was ist das Ich für die Erkenntnistheoretiker oder Vertreter einer ‘Subjekt-Objekt-Spaltung’? Bewusstsein kann als rein intelligibel, quasi emotionslos verstanden werden, während das beim Ich weniger gut möglich ist, da ein Ich ohne Wollen nur temporär vorstellbar ist. Ausserdem bedeutet Ich Individuum und Individualität, während Bewusstsein mehr ein Allgemeines ausdrückt. ‘Ich’ muss sich verhalten, ist in einer Situation – was bei Bewusstsein im allgemeinen Sinn nicht im Vordergrund steht.

Anstatt Subjekt-Objekt-Spaltung kann man auch Person-Objekt-Spaltung sagen – dann tritt der Umstand offen zutage, dass Person-sein (Bewusstsein) ohne Objekt behauptet wird bzw. nur mit einem rein geistigen Objekt. Es tritt offen zutage, was die Rede von Subjekt-Objekt-Spaltung eigentlich behauptet: Es bestehe ein Bewusstsein ohne Körper, ohne Empfindung und ohne reale Welt. Diese Behauptung ist ausserdem der Ursprung des «Universalienstreits» und des sogenannten «Leib-Seele-Problems».

Welchen Sinn hat die Rede, etwas sei von etwas anderem gespalten – das Subjekt vom Objekt – wenn das Subjekt durch das Objekt erst wird? Kann es für ein Lebewesen «Dinge» – Abgegrenztes, Unterschiedenes – geben, wenn sie nicht in seinem Geiste sind, das heisst, als Vorstellungen, Ideen, Worte, Begriffe existieren?

Vorstellungen, Ideen, Begriffe, Empfindungen, Gefühle sind geistig in dem Sinne, dass sie ohne Ausdehnung sind – aber sie sind an etwas Materielles – Ausgedehntes – gebunden, an den eigenen Körper, materiell existierende Objekte oder an Assoziationen von solchen: Bewusstsein ohne Materie, reinen Geist, reine Begriffe oder einen rein geistigen Gott anzunehmen, bedeutet eine Aufspaltung der Einheit der Wirklichkeit oder eine Aufspaltung der Einheit des Menschen.

Welches sind die Eigenschaften der Gottperson und welches die Eigenschaften des Seins (Wirklichkeit)?

Da die Wirklichkeit über der Wirklichkeit abgegrenzt ist gegen die Wirklichkeit unter der Wirklichkeit, indem sie über jene Macht hat, kann sie nicht die gleichen Eigenschaften haben wie die Wirklichkeit unter der Wirklichkeit – das heisst, es gibt zwei Wirklichkeiten, die nur durch die Macht der einen über die andere verbunden sind.

Etwas, das Macht über etwas anderes hat, ist ein dem menschlichen Verstand einleuchtendes Prinzip – schwerer ist es für ihn, sich eine rein geistige Macht vorzustellen.

Der Unterschied zwischen ‘rein geistig’ und ‘transzendent’: ‘Rein geistig’ drückt eine Eigenschaft eines Objektes aus, das Wort ‘transzendent’ hingegen, eher den Standpunkt eines Subjektes, das quasi in eine andere, dem Verstand und den Sinnen nicht zugängliche Sphäre, hinüberblickt. Der Gegenbegriff zu rein geistig ist rein materiell (rein körperlich) und der Gegenbegriff zu transzendent ist immanent (innerhalb der Erfahrungswelt).

Das Problematische der Wörter ‘transzendent’ und ‘rein geistig’. Welche Eigenschaften hat ein Objekt, dessen Existenz oder Nicht-Existenz nicht festgestellt werden kann? Die allgemeine Eigenschaft, die genannt wird, ist wohl ‘rein geistig’ oder es wird gesagt, es handle sich um ein transzendentes Objekt. Es taucht die Frage auf, ob es sich bei einer Idee, deren Objekt so beschaffen ist, dass seine Existenz oder Nicht-Existenz nicht festgestellt werden kann, nicht einfach um geistigen Nonsens oder Fantasie handle?

Dass eine Idee etwas Geistiges (Mentales) ist, darüber herrscht wohl allgemeine Einigkeit – aber kann eine Idee, die ein materielles Objekt hat, rein geistig genannt werden? Für diejenigen, die eine rein geistige Gottperson behaupten, entsteht ein substantielles Problem, wenn gesagt wird, eine Idee, die ein materielles Objekt habe, sei nicht rein geistig – könnte ich damit den Ursprung des Universalienstreits angesprochen haben (Fragen Sie die KI Ihrer Wahl)?

Der Anspruch an eine Idee ist, dass sie mit ihrem Objekt übereinstimmt. Kann eine Idee überhaupt mit einem Objekt übereinstimmen, das als rein geistig oder transzendent behauptet wird? Wenn das Objekt zum Beispiel ‘Engel’ oder ‘Gottperson’ ist, kann dann die Idee mit diesem Objekt übereinstimmen? Wenn ein Objekt widersprüchliche oder unmögliche Eigenschaften hat, dann existiert es nicht – was also soll die Idee eines unmöglichen Objekts sein?

Da ein rein geistiges oder transzendentes Objekt vom menschlichen Verstand und seinen Sinnen nicht entdeckt werden kann, stellt sich die Frage, wie der Mensch zu dieser Vorstellung gekommen ist? Eine Möglichkeit wäre, eine zwingende Schlussfolgerung, eine andere, dass es Menschen gegeben habe, die über mehr als den menschlichen Verstand und seine Sinne verfügt haben.

Die Probleme, die entstehen, wenn Gott oder Geist zu einem abgegrenzten Objekt gemacht werden

Wollen bedeutet, Streben nach einer Veränderung. Wenn Gott als unveränderlich, ohne Möglichkeit der Veränderung, als reine Aktualität («actus purus») behauptet wird, die mit Raum (Ausdehnung) und Zeit (Veränderung) nichts zu tun habe, dann bedeutet das, dass Gott keine Person ist und es bedeutet, dass es etwas gibt, was er nicht ist. Beides dürfte Thomas von Aquin nicht gefallen.

Der Unterschied zwischen Wollen und Ursache. Wollen kann in eine Wirkung münden, muss aber nicht. Ursache und Wirkung hingegen bilden eine Einheit. Alles, was existiert, ist ein Zusammenhang oder eine Einheit von Ursache und Wirkung. Ist die Gottperson Wollen (Wille) oder Ursache? Jedenfalls besteht zwischen dem Wollenden und dem, was er will, ein Zusammenhang, das heisst, Wollen ist nicht voraussetzungslos – was bedeuten würde, dass die Gottperson nicht voraussetzungslos ist. Gibt es eine voraussetzungslose Ursache? Es wäre eine Ursache, die nicht auf eine Wirkung angewiesen wäre – eine Ursache ohne Zusammenhang. Beim Menschen herrscht keine Identität zwischen Wollen und Ursache, deshalb können sie gut auseinandergehalten werden. Wenn in Gott Ursache und Wille identisch sind, dann gibt es strenggenommen gar keinen Willen. Auch das dürfte Thomas von Aquin nicht gefallen.

Weitere Probleme, die daraus entstehen, Gott oder Geist zu einem abgegrenzten Objekt zu machen:

– Gott als rein geistig zu behaupten, bedeutet, dass in Gott die Materie nur als Begriff existiert – sich die Macht Gottes als Macht über Begriffe vorzustellen, ist allerdings etwas dürftig.

– Wie lassen sich die göttlichen Eigenschaften Güte und Liebe, die Gefühle sind, unter rein geistiges Sein, das heisst, rein begriffliches Sein subsumieren?

– Um Gott rein geistig behaupten zu können, muss ein Innerhalb Gottes angenommen werden, in dem Gott nur die Ursache von sich selber ist (immanente Ursache) und das folglich rein geistig sei – und ein Ausserhalb Gottes, in dem Gott die Ursache von etwas ausserhalb von ihm ist (übergehende Ursache) und das folglich nicht rein geistig sei. Beim Innerhalb Gottes handle es sich um Gott selber, beim Ausserhalb Gottes aber um das Universum oder Materie. Wo liegt der Haken oder Widerspruch bei dieser Darlegung? Mein Vorschlag: Fragen Sie die KI Ihrer Wahl. Es handelt sich um die scholastische Unterscheidung von causa immanens und causa transiens.

Was ist das Objekt des rein Begrifflichen, das heisst, rein Geistigen oder eines transzendenten Wesens? Wenn man die Worte ‘Denken’ und ‘rein begriffliches Sein’ in den Mund nimmt, würde man meinen, dass es sich um etwas Sprachgebundenes handelt – auch wenn es von einem rein geistigen, ‘transzendenten’ Wesen ausgesagt wird. Von der Gottperson als einem sprachgebundenen Wesen zu reden, mutet allerdings recht irdisch an und könnte an den erhabenen, illusionären Vorstellungen einer Gottperson kratzen. Es könnte sogar der Gedanke auftauchen, dass es sich bei der Idee einer rein geistigen Person um geistigen Nonsens handelt.

Ein rein geistiges Wesen, dem Wollen oder Macht beigelegt werden. Macht oder Wollen bedeuten auf jeden Fall eine Zweiheit: Dieses Wesen selbst und das, worauf sich sein Wollen oder seine Macht beziehen bzw. das, was es anders haben möchte. Wollen ist auf die Zukunft gerichtet und bedeutet, nicht realisiertes Sein. Wenn Macht mit Sein identisch wäre oder Ursache und Wirkung in eins fallen würden, gäbe es keine Person mehr, die sie ausübt. Im Christentum besteht die Rolle Gottes gerade darin, die Ordnung der natürlichen Zusammenhänge zu durchbrechen, zum Beispiel durch Wunder oder seinen persönlichen Eingriff, wenn ein Gebet erhört wird. Man könnte meinen, dass Thomas von Aquin mit seiner Lehre des «actus purus» in Gegensatz zur kirchlichen Lehre oder zum Papst geraten sein könnte – was nach seinem Tode tatsächlich der Fall war, aber später erlangte er den Status des «Chefideologen» der katholischen Kirche.

Der Clou der semitischen Religion ist, dass das Göttliche, Höchste und Wertvollste ein abgegrenztes Objekt sein soll, das angebetet werden soll: Der Sinn und Zweck des Menschen liege nicht im Denken, Fühlen und Wahrnehmen des Seins – nicht in der Verknüpfung des eigenen Seins mit der Wirklichkeit – sondern in der Verknüpfung des eigenen Seins mit einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit.

Es stellt sich die Frage, ob ‘göttlich’ nur den Sinn hat, Synonym zu sein von: überirdisch, rein geistig, allmächtigem Wollen und einer entsprechenden Person? Wenn das Wort ‘göttlich’ das Wunderbare des Seins ausdrückt und zugleich den Gegensatz zu dem, was das Sein herabwürdigt – das heisst, Falschheit und Hochmut, personifiziert durch Satan –, dann ist das Bewusstsein des Seins selber göttlich. Wir sind hier bei der Philosophie Spinozas.

Diejenigen, die das Göttliche als überirdisch, rein geistig, allmächtiges Wollen und eine entsprechende Person statuieren, haben ein Interesse daran, Denken oder Bewusstsein als bloss instrumentell zu betrachten, weil ihr Gott als Herrschaftsinstrument überflüssig werden könnte, wenn das Sein selber göttlich wäre und somit sein Denken, Fühlen und Wahrnehmen.

Sinn oder Selbstverständnis durch Verehrung einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit. Was könnte der Grund dieser Sinngebung sein? Für viele Menschen ist es eine grosse Versuchung, reale Zusammenhänge durch irreale, widersprüchliche, illusionäre, lügenhafte zu ersetzen – nicht vergessen sollten wir, dass der Hintergrund auch politisch sein kann, denn einer «Wirklichkeit über der Wirklichkeit» kann alles beigelegt werden, was politisch oder für die eigene Gruppe als erstrebenswert gilt.

«Reiner Geist» in der Philosophie – ein Ausfluss der jüdisch-christlichen Religion? Bedeutet die Statuierung von etwas rein Geistigem nicht die Statuierung von reiner Materie? Und somit das Problem der Vermittlung zwischen ihnen? Für die jüdisch-christliche Religion ist diese Vermittlung in gewisser Weise kein Problem, weil das rein Geistige bei ihr zugleich Wille und Macht ist, die die reine Materie erst hervorgebracht haben. Wenn allerdings die Materie oder das Universum nicht mehr auf den rein geistigen Willen und Macht einer Gottperson zurückgeführt werden und die abendländische Philosophie sich immer noch in den Fussstapfen dieser Religion bewegt, indem sie die Vorstellung von etwas rein Geistigem hat, das einer reinen Materie gegenüberstehe, dann ist sie wie ein Selbstläufer, der auf eine nicht mehr existierende Welt bezogen ist.

Ist Kants ‚Ding an sich‘ ein Ausfluss der Aufspaltung des Seins in reinen Geist und reine Materie? Kant ist Empfinden und Fühlen und wenn er zum Beispiel einen köstlichen Apfel isst, dann kann er diesen Apfel zum Gegenstand seiner Erkenntnis machen – aber der köstliche Apfel wird dadurch verschwinden, ebenso wie der fantastische Sonnenaufgang, den er erlebt hat. Kant kann das gesamte Sein zum Objekt machen: Er hat dann den Standpunkt eines absoluten Subjekts eingenommen, das einem absoluten Objekt gegenübersteht – aber das Sein hat er verpasst.

Gibt es ein Streben nach Erkenntnis, das das eigene Sein einschränkt, das heisst, das eigene Empfinden, Fühlen, Wahrnehmen, Denken? Für mich wäre Erkenntnis etwas, das mein Fühlen, Denken, Wahrnehmen des Kosmos und des Menschen ausweitet.

Was stellt sich Kant als Ergebnis des Erkennens eines Dings an sich vor: mathematische Gleichungen, Worte, Sätze, Zahlen? Vielleicht sollte sich Kant bewusst sein, dass die Attraktion des Seins nicht das ist, was Kant über das Sein herausfindet, sondern das Sein – der Kosmos – selber.

Sind Kants Bemühungen, das Ding an sich zu erfassen, nicht sein Wunsch, das Sein zu erfassen? Ein Ding ist allerdings etwas Abgegrenztes, Getrenntes, Separates – ist Kant der Meinung, er könne die Wirklichkeit oder das Sein als etwas Abgegrenztes, Getrenntes, Separates, das heisst, als ein Objekt, das dem Menschen gegenübersteht, erfassen? Es würde sich um eine Analogie zum jüdisch-christlichen Gott handeln, der dem Menschen ebenfalls als etwas Abgegrenztes, Getrenntes, Separates, das heisst als Objekt gegenübersteht und zugleich für das Sein oder die Wirklichkeit selber gehalten wird.

Mit der Idee eines «Dinges an sich» ist ein Standpunkt ausserhalb des Seins verbunden – ein rein geistiger Standpunkt. Wenn Kant sich selber als Zusammenhang von Materie und Geist verstehen würde, könnte er gar nicht die Idee haben, er könne einen Standpunkt ausserhalb der Materie einnehmen und von diesem aus, ein materielles Ding anblicken und durch mathematische Gleichungen, Worte und Zahlen erfassen, wie es – an sich – sei. Subjekt, Objekt, Wirklichkeit, Ding sind – unendlicher – Zusammenhang; Kant hingegen meint, er sei Kant und dann würden noch die Dinge oder das materielle Sein hinzukommen.

Wovon denkt sich Kant abhängend und womit zusammenhängend? Wenn es eine rein geistige, wollende, allmächtige Gottperson ist, dann wird er sich letztlich als rein geistig betrachten und von diesem Standpunkt aus werden die Dinge, Kosmos und Menschen für ihn existieren.

Zu Ding gehört, dass es gegen etwas anderes – gegen andere Dinge – abgegrenzt ist. Ein Stein zum Beispiel ist etwas Endliches, Abgegrenztes und er kann zerstört werden, das heisst, er kann sein oder nicht sein – aber, um ihn zu erfassen, muss all das gedacht werden, ohne was er nicht sein kann – die Voraussetzungen oder Zusammenhänge damit er sein kann, sind unendlich. Um sich selber oder einen Stein zu erfassen, müsste Kant all das denken, wovon er abhängt und womit er zusammenhängt. Für Kant allerdings ist ein Ding ein isoliertes Etwas – ein Ding an sich.

Geist, Denken, Empfinden, Fühlen, Bewusstsein ist ohne Ausdehnung – Materie ist räumlich ausgedehnt. Die Wirklichkeit, das Sein wird als Zusammenhang von Geist und Materie erlebt. Problematisch für den Verstand wird es dort, wo etwas rein Geistiges in Form einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit behauptet wird.

Welchen Zusammenhang hat das «rein Geistige»? Bedeutet ‘reingeistiges Objekt’, dass das Objekt nur im Geiste existiert? Eine Idee oder ein Objekt wird durch ein Wort ausgedrückt. Natürlich ist das Wort Lampe zum Beispiel weniger spektakulär als das Wort Gott. Deshalb, weil es sich beim Objekt Lampe um einen materiellen, ausgedehnten Gegenstand handelt, der klar vom eigenen Bewusstsein abgegrenzt ist und ausserdem keine Meinungsverschiedenheiten über seine Definition bestehen, das heisst, die Übereinstimmung – oder Nicht-Übereinstimmung – von Idee und Objekt kann klar erkannt werden: Wenn jemand sagt, eine Lampe sei ein Gegenstand, der grün sei und zwei Beine habe, wird man ihm sagen, seine Idee stimme nicht mit ihrem Objket überein.

Der Zusammenhang der Idee mit ihrem Objekt. Wenn ein Objekt behauptet wird und die Übereinstimmung – oder Nicht-Übereinstimmung – der Idee mit dem Objekt kann nicht festgestellt werden, handelt es sich um geistigen Nonsens (widersprüchliche Idee, Wahnidee). Objekt ist das, wovon etwas ausgesagt wird. Wie sind Aussagen über ein Objekt zu beurteilen, das eine Wahnidee ist – zum Beispiel einem rein geistigen Objekt? Wohlverstanden, ein Wort für dieses rein geistige Objekt – das dadurch existiert, dass es mit nicht rein geistigen Assoziationen verbunden ist – muss vorhanden sein, zum Beispiel wird von vielen, die etwas rein Geistiges lehren, das Wort Gott (Gottperson) dafür benutzt.

Der eigene Zusammenhang als Akt des Wollens?

Wenn eine Frau sich mit einem Mann zusammentut oder umgekehrt, dann könnte man, mehr oder weniger sagen, es entstehe ein Zusammenhang aufgrund des Willens. Gibt es auch Zusammenhänge, die gar nicht dem eigenen Willen unterliegen? Zum Beispiel der Zusammenhang des Menschen mit Sonne, Erde, Wasser – es könnte sich dann nur um ein Aufnehmen, Einsehen, Wahrnehmen dieses Zusammenhanges handeln. Interessiert sich Religion für den Zusammenhang des Menschen mit Sonne, Erde, Wasser? Für die Naturreligion und die griechisch-römische Antike bildeten sie den Ausgangspunkt und den Rahmen der Wirklichkeit oder des Seins – dieser Weltanschauung bereitete die jüdisch-christliche Religion ein Ende, indem sie etwas über den Kosmos stellte: eine rein geistige Gottperson. Religion bestand fortan nicht mehr in Aufnehmen, Einsehen, Wahrnehmen, sondern in Unterwerfung unter eine rein geistige Person: Das heisst, das, was als eigener Zusammenhang (Sinn, Bedeutung) gedacht und gefühlt wird, ist ein Produkt des Willens.

Die ideologische oder religiöse Festlegung des Zusammenhangs des Menschen. Die jüdische Religion ersetzte die religiöse Bedeutung des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos und der Menschen untereinander durch den Zusammenhang des Menschen mit einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit.

Wenn das, wovon ich abhängig bin und womit ich verbunden bin, das Produkt meines eigenen Willens ist, welche Eigenschaften sollte dieses Produkt haben? Es soll etwas über der Wirklichkeit (= Kosmos plus Menschheit) sein, so dass ich auf diese herabsehen kann, und es soll meine Gruppe über die anderen Menschen stellen – das ist die Antwort der jüdischen Religion.

Ist es der Wille, der bestimmt, dass 2 plus 3 = 5 ist? Wenn das Wollen Wahrheit finden will – die Übereinstimmung von Idee und Objekt – dann findet es einen Zusammenhang, der nicht auf den eigenen Willen zurückgeht; und darin würde eigentliche Religion oder ein entfalteter Geist liegen.

Wollen ist erstens auf die Zukunft und zweitens auf ein Objekt gerichtet. Wenn es sich beim Objekt um eine Wirklichkeit über der Wirklichkeit handelt, kann das Verhältnis zu ihm nur das des Wollens (Glauben, Hoffen) sein, weil es sich nicht um Wahrnehmen oder Einsehen handelt. Ist der Zusammenhang des Menschen oder anders gefragt, ist das Sein oder die Wirklichkeit ein Objekt, auf das der Mensch mit seinem Willen gerichtet ist? Das Sein oder die Wirklichkeit kann nicht Objekt sein, weil es das Objekt nicht gibt ohne das Subjekt oder umgekehrt, weil es das Subjekt ohne das Objekt nicht gibt – sei es im Wahrnehmen, Fühlen, Denken, Wollen, Handeln. Daraus folgt, dass Wahrnehmen, Fühlen, Denken, Wollen, Handeln nicht bloss instrumentell sind, sondern selber Ausdruck des Seins oder die Wirklichkeit sind.

Was ist das Wertvolle? Wird es dadurch bestimmt, wovon ich abhänge und womit ich zusammenhänge? Jedenfalls wäre es für einen Menschen oder eine Gruppe höchst unbefriedigend, von etwas abzuhängen und mit etwas zusammenzuhängen, das wertlos ist – aber Macht hat über einen. Für die Menschheit ist es betrüblich, dass das, wovon sie abhängt, der allmächtige Gott der Juden ist, der dieses Volk über die Menschheit erhoben hat. Wie soll die Menschheit damit umgehen?

Was ist das Wertvolle und Wahrheit für eine Gruppe, für die das Wertvolle und Wahrheit etwas ist, das sie hat und die anderen nicht haben: Für sie ist das Wertvolle nicht das, was alle haben – der menschliche Geist – und nicht das, worin alle sind – der Kosmos. Als was versteht sich der Hochmütige, wenn sein Selbstverständnis nicht aus dem allen Menschen gemeinsamen Geist kommt und aus dem, worin alle sind, das heisst, dem Kosmos?

Worin würde die Bedeutung eines exklusiven Gottes noch bestehen, wenn diejenigen, über die er die bevorzugte Gruppe gesetzt hat, verschwunden wären? Womit wären die Angehörigen dieses Gottes noch beschäftigt, was würde ihnen ihren Sinn und ihr Selbstwertgefühl geben? Wenn der Lebensinhalt die Pflege der Abgrenzung zu anderen Menschen ist, was würde dann noch als Lebensinhalt bleiben, wenn diese anderen nicht mehr da sind: Es könnte die Frage auftauchen, wer man jenseits dieser Abgrenzung eigentlich ist? Wenn der Lebensinhalt Abgrenzung ist, woraus anderem besteht er dann, als aus dem Gefühl der Überlegenheit oder Macht gegenüber den Aussenstehenden, verbunden mit der Unterwerfung gegenüber einem ideologischen oder religiösen Dogma plus Kuschelgruppe?

Das Erleben des Seins als Aufspaltung ist etwas anderes als das Erleben des Seins als Einheit. Aufspaltung bedeutet eigentlich nichts anderes, als den eigenen Sinn oder Selbstwertgefühl durch das Herabsehen auf einen anderen Teil der Wirklichkeit zu gewinnen. Wenn mit dem Sein eine Einheit gemacht wird, ist das nicht möglich. Beispiele von Aufspaltung: Geist wird über die Materie gesetzt; es wird eine Wirklichkeit (Gottperson) über die Wirklichkeit gestellt; eine Gruppe grenzt sich gegen die anderen Menschen ab (z.B. aufgrund der Abstammung); natürlich können diese Beispiele auch in Kombination vorkommen.

Wer Herrschaft oder Betrug anstrebt, muss die Welt aufspalten und Geist diskreditieren. Er muss die Menschen in einen Glauben versetzen und die Anwendung ihres Verstandes und Entfaltung ihres Geistes verhindern, er sagt ihnen zum Beispiel: Das Höchste und Wertvollste, sei für den menschlichen Geist unerreichbar und sie könnten daraus ersehen, wie dürftig und arm er sei – das Höchste und Wertvollste sei nur durch das Verhältnis der Unterwerfung, des Gehorsams und des Glaubens zu erreichen. Das heisst, wer Herrschaft oder Betrug anstrebt, muss etwas statuieren, das dem Verstand nicht zugänglich ist, aber an das alle glauben müssen – weil sie sonst zum Beispiel nicht zu den Guten gehören würden oder das ewige Heil verlieren.

Der grössere Rahmen der Herrschafts- oder Betrugsideologie oder entsprechender Religion ist folgender: Nominell definiere ich mich über eine Wirklichkeit über der Wirklichkeit (Gottperson) oder einen ethischen Slogan, durch die ich meine Sonderstellung begründe und real kommen die Emotionen von denen, die ich durch diesen Trick beherrsche. Das heisst: Der andere Mensch existiert als Objekt, durch das ich mit meinem Willen verbunden bin oder auf das ich mit meinem Willen gerichtet bin.

Woher kommt die Freude des Menschen, wenn sie ihn von den anderen Menschen und dem Kosmos trennt?

Freude bedeutet Übereinstimmung des Menschen mit sich selber. Insofern die Freude des Menschen ihn von den anderen Menschen und dem Kosmos trennt, ist sie zwiespältig, weil dann Übereinstimmung mit sich selbst (= Freude) nicht Übereinstimmung mit dem Sein bedeutet.

Innerer Friede oder innere Ruhe sind dann erreicht, wenn die Freude, die im Menschen ist, nicht eine Freude ist, die ihn von den anderen Menschen und dem Kosmos trennt, das heisst, innerer Friede ist ein Zustand, in dem die Übereinstimmung mit sich selbst (= Freude), Übereinstimmung mit dem Sein bedeutet.

Wenn die Freude nicht aus der Übereinstimmung mit dem Sein kommt, kommt sie aus Macht, Unterwerfung unter eine Macht (sei diese eingebildet oder real), aus dem Gefühl der Überlegenheit oder Gruppenidentität. In allen diesen Fällen ist die Übereinstimmung mit sich selbst (= Freude) nicht an die Wahrheit der anderen Menschen und der Zusammenhänge des Kosmos gebunden, das heisst, der Mensch hat sich eine Bedeutung gegeben ohne die Verbundenheit mit dem Sein.

Freude, Befriedigung, Lust, Glück hängen mit dem Sinn des Menschen zusammen, denn sie sind das, wodurch der Mensch sich selber bejaht oder mit sich selber übereinstimmt. Wenn Sinn etwas über dem Kosmos oder dem Geist (Denken) des Menschen ist, dann gibt es etwas, das wertvoller ist als sie, was eine Zweiteilung des Seins bedeutet: Der Mensch kann via den einen Teil auf den anderen herabsehen. Eine Freude oder ein Sinn, die den Menschen vom Kosmos oder den anderen Menschen trennen, bedeuten ihre Herabwürdigung.

Ideologie und Religion haben den Anspruch, den Menschen Sinn zu geben. Wenn sie allerdings die Menschen durch ihren Sinn vom Kosmos und den anderen Menschen trennen, verderben sie ihren Charakter und Geist grundsätzlich und würdigen das Sein herab. Wenn eine Gruppe weltpolitische Macht gewinnt, deren Sinngebung (Ideologie, Religion) sie über die anderen Menschen und den Kosmos stellt, ist sie zu einer herrschenden Klasse aufgestiegen und die Weltgeschichte droht, ihre Richtung zu nehmen.

Für ein Bewusstsein, das nur aus Wollen (Wünschen, Begierden) besteht, ist der Kosmos nur Kulisse des Egos. Ist der zur Bühne für das eigene Ego reduzierte Kosmos der Höhepunkt der Moderne oder der Höhepunkt des Alten Testaments? Die Botschaft des Alten Testamentes war jedenfalls folgende: Der Kosmos ist ein Raum der Ausbeutung, er besteht aus Objekten, die kontrolliert, besessen und unterworfen werden können und darüber steht eine Gottperson, die eine bestimmte Abstammung bevorzugt: Der Kosmos wird zu einem Objekt reduziert, das nur im Verhältnis zum eigenen Willen Bedeutung hat.

Geist als Unterwerfung unter eine Macht, Ausübung von Macht, das Gefühl der Überlegenheit und Gruppenidentität, könnte als seine Verhunzung verstanden werden. Die andere Möglichkeit wäre Geist, der Fühlen und Denken des Seins – des Kosmos und des Menschen – ist. Wenn der Mensch etwas denkt, denkt er mehr oder weniger sich selber – wir können uns fragen: Welche Rolle spielt das Wollen im Denken des Menschen von sich selber? Es spielt sicher insofern eine Rolle, als er sich lieber als tollen Hecht anstatt als bedeutungsloses Würstchen denkt. Ideologie oder Religion kann dem Menschen Bedeutung bieten durch Unterwerfung unter eine Macht, Ausübung von Macht, das Gefühl der Überlegenheit und Gruppenidentität – indem sie ihm sagt, es gebe eine Wirklichkeit über der Wirklichkeit und durch diese Gottperson seien Kosmos und Mensch nur noch Objekte des Willens.

Geist und Wollen

Natürlich ist Geist insofern Wollen als der Mensch danach strebt, ihn auszuweiten, das heisst, sein Fühlen und Denken des Kosmos und des Menschen auszuweiten. Allerdings ist Geist insofern nicht Wollen, als das Fühlen und Denken des Seins nicht in der Zukunft stattfindet, sondern im Jetzt.

Sinnfindung durch Unterwerfung und Macht?

Das Problem bei dieser Art Sinnfindung besteht darin, dass durch ein Unterwerfungs- oder Machtverhältnis keine Übereinstimmung mit dem Sein stattfindet: Übereinstimmung mit dem Objekt könnte durch Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, Wahrnehmen, Auf-sich-wirken-lassen bestehen – bei Unterwerfung und Macht hingegen besteht das Verhältnis zum Objekt durch Wollen. Dass ein Machtverhältnis ein Verhältnis des Wollens ist, ist klar – aber warum ist ein Unterwerfungsverhältnis ein Verhältnis des Wollens? Weil Gehorsam und Glauben als auch Hoffen nicht ein Wahrnehmen oder Einsehen sind, sondern Willensakte.

Wollen ist Streben nach einem Realisierungsakt. Worin besteht der Realisierungsakt beim Machtverhältnis und worin beim Unterwerfungsverhältnis? Beim Machtverhältnis in der Aufhebung der Eigenständigkeit der Betroffenen (Menschen oder Staaten) – ihr Existieren ist nur noch äusserlich. Beim Unterwerfungsverhältnis kann der Realisierungsakt in einer Erlösung (ewiges Leben), Erfüllung eines Wunsches oder der Gewährleistung eines erfolgreichen Machtverhältnisses gegenüber anderen Menschen bestehen. Ein Realisierungsakt, der im Wahrnehmen und Würdigen des Objekts bestände, würde nicht Getrennt-sein vom Objekt bedeuten, sondern Übereinstimmung mit ihm: Subjekt und Objekt würden einen Zustand bilden: Der menschliche Geist wäre nicht getrennt vom Objekt, sondern hätte es in sich aufgenommen: Der Geist könnte sich selber wahrnehmen, geniessen und würdigen.

Womit stimmt die illusionäre Selbstüberhöhung – Hochmut – überein? Zum Beispiel mit Unterwerfung und Macht: Zwei Haltungen, die erlauben, aus den unendlichen Zusammenhängen der Wirklichkeit zwei abgegrenzte Wirklichkeiten zu machen. Damit, eine Wirklichkeit über die Wirklichkeit zu stellen – einen Gott, sich selber oder die eigene Gruppe – wird eine gewisse Überlegenheit über die Wirklichkeit erreicht: Ein willkürlich abgegrenztes Sein oder Existieren: Der abgegrenzte Teil wird zum Instrument, sich selber zu überhöhen. Womit besteht auf diese Weise eine Wesenseinheit oder Identität? Mit Menschen der eigenen Gruppe, deren Identität es ist, von den Zusammenhängen des Kosmos und der Wahrheit der anderen Menschen abgegrenzt zu sein, wie man selber.

Illusionäre Selbstüberhebung – Hochmut – ist nicht autark, sondern auf das angewiesen, wovon sie sich abgrenzt: Das heisst, den Betroffenen (Menschen oder Staaten) wird durch diese Seinsweise eine Rolle zugewiesen, die für sie unerfreulich oder fatal ist.

Der Mensch stimmt mit seinen Vorstellungen oder Ideen überein – aber seine Vorstellungen oder Ideen stimmen nicht unbedingt mit der Wirklichkeit überein. Leider kann das Sein oder die Wirklichkeit – der Kosmos und der Mensch – durch Vorstellungen oder Ideen, die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen, nicht aufgewertet werden, sondern nur abgewertet oder entwürdigt. Womit bildet der Mensch eine Einheit, wenn er eine Einheit mit widersprüchlichen, illusionären oder lügenhaften Vorstellungen bildet? Mit Emotionen, die ihm gefallen.

Wenn für einen Menschen das Höchste und Wertvollste seine Gruppe oder eine Gottperson ist – was ist dann für ihn die Wirklichkeit? Er macht eine Aufspaltung, das heisst, eine Wesenseinheit oder Identität mit einem abgegrenzten Sein. Welches Verhältnis ergibt sich dadurch zum anderen Teil der Wirklichkeit – zum Sein ausserhalb seiner Gruppe oder ausserhalb der Gottperson? Anders gefragt: Was ist für die Gruppe oder die Gottperson das Sein, von dem sie sich abgrenzen? Es ist Gegenstand der Macht bzw. Objekt der Geringschätzung oder Feind.

Die Wirklichkeit kann als Fluss (Zustand) oder als Objekt aufgefasst werden. Wenn das Sein als Zusammenhängen von Objekten – Dingen, Wesen, Menschen – aufgefasst wird, bedeutet es einen Zustand (Fluss). Diese Art, die Wirklichkeit oder sich selber aufzufassen, bedeutet eine Aktivität des Geistes, nicht eine des Willens. Aktivität des Geistes bedeutet, Realisieren seines Zusammenhangs – dadurch kann sich der Mensch nicht als das Absolute erfahren. Als das Absolute erfahren, kann er sich durch seinen Willen, den Willen einer Gruppe oder den Willen einer Gottperson, die sie über die anderen Menschen stellt. Um zur Wirklichkeit – dem Kosmos und den Menschen – das Verhältnis der Überlegenheit haben zu können, muss sie aufgespalten werden: Durch den Willen einer Gottperson oder den eigenen.

Kann der innere Friede gefunden werden, wenn das Höchste und Wertvollste ein Objekt ist, zu dem ein Verhältnis des Wollens oder Unterwerfung besteht? Kann der eigene Geist in sich selber ruhen, wenn der Mensch mit seinem Wollen – mit Angst, Hoffnung, Machtgelüsten oder Gehorsam – auf ein Objekt gerichtet ist? Worin kann der eigene Geist auf diese Weise ruhen, was geniesst er oder nimmt er wahr?

Geist als Macht und Wille – die Religion des Alten Testamentes

Wenn Befriedigung, Freude und Genuss nicht aus der Wahrnehmung des Kosmos und des Menschen kommen, woher sollen sie dann kommen? Aus ihrer Umformung und Macht über sie? Wenn Geist nicht Einsicht in die gegebenen Zusammenhänge des Kosmos bedeutet, sondern nur der Wille zu ihrer Umformung und Macht über sie, befinden wir uns in der Gedankenwelt des Gottes des Alten Testamentes: Es gibt uns folgende Idee des Seins: Ein Subjekt (Gott) steht durch seine Macht einem Objekt (Welt, Mensch, Kosmos) gegenüber. Macht für das höchste religiöse oder geistige Prinzip zu halten, mag für viele Menschen selbstverständlich sein, aber es ist nur die Analogie zu einem beschränkten menschlichen Prinzip und erfasst nicht das Sein, die Wirklichkeit oder die Realität in einem grundlegenden Sinn. Beziehungsweise: Der Mensch erfasst dadurch nicht die unendliche Dimension seiner eigenen Existenz.

Ist das Sein oder die Wirklichkeit etwas, zu dem das Verhältnis des Wollens oder der Macht bestehen kann? Ist das Sein (Wirklichkeit, Realität) etwas, dessen Eigenschaft Wollen und Macht ist? Das Alte Testament vermittelt uns diese Auffassung des Seins – allerdings gehört zu der Auffassung der Wirklichkeit als Wollen und Macht, etwas, auf das sich dieses Wollen und diese Macht bezieht. Es ergibt sich die Frage: Wie kann etwas als das Nonplusultra, das heisst, als nicht verursachtes Sein statuiert werden, das eine Differenz zwischen einem Ist-Zustand und einem Soll-Zustand bedeutet?

Wollen und Macht sind nicht das Sein selber. Durch die Idee, das Sein (Wirklichkeit, Realität) sei erschaffen worden, wird allerdings dieser Eindruck erweckt. Gemäss jüdisch-christlichem Glauben gibt es einerseits die Gottperson, dann noch ihren Willen und ihre Macht und drittens als ihr Produkt – genannt Schöpfung – das, was wir als Wirklichkeit kennen: Materie, Leben, Kosmos, Mensch, Galaxien, Universum. Der Mensch kann keine adäquate Idee des Seins (Wirklichkeit, Realität) haben, wenn er es als Produkt eines Wollens oder von Macht auffasst: Wollen heisst, Wollen von etwas. Macht heisst, Macht über etwas: Wollen oder Macht als die Voraussetzung von Sein (Wirklichkeit, Realität) zu behaupten, macht sich schlecht, da ihre Voraussetzung etwas ist, worauf sie sich richten.

Drei Fragen:

– Wie kann die rein geistige Gottperson identisch sein mit dem Sein, da sie doch Materie entgegengesetzt ist?

– Wie kann etwas Person sein, das heisst, ein wollendes Wesen, wenn es unendliches Bewusstsein und Allmacht ist?

– Wo liegt die personale Freiheit oder anders ausgedrückt, die Fähigkeit zu bejahen und zu verneinen, bei einem Wesen, das unendliches Bewusstsein und Allmacht ist?

Person ist durch Denken, das heisst, Idee, Vorstellung, Bewusstsein. Gibt es die reine Idee, reine Vorstellung oder das reine Bewusstsein? Das heisst, ein Denken, eine Person oder ein Ich, die nur im Geiste bestehen? Die weitere Frage ist: Kann Wollen nur im Geiste bestehen? Die Frage ist deshalb von Bedeutung, weil Person sein oder Ich sein ohne Wollen als kontemplativer Zustand durchaus möglich ist, aber für ein Wesen, das körperlich ist, kein Dauerzustand sein kann – und es kann auch kein Dauerzustand sein für ein Wesen, von dem gesagt wird, es greife durch Willen und Macht in das Leben der Menschen ein (damit ist die Gottperson gemeint).

Zwei mögliche Weltanschauungen:

1) Das Sein (die Wirklichkeit oder Realität) ist aufgespalten in ein geschaffenes und ein nicht geschaffenes: Als das nicht Geschaffene gilt eine Person, die das Unbedingte, nicht Verursachte sei und als das Göttliche verehrt wird.

2) Das Sein, die Wirklichkeit oder die Realität ist unendlicher Zusammenhang, unendliche Möglichkeit und unendliche Vielfalt und der Mensch Teil davon. «Geist», «Materie», «Leben» bilden eine Einheit.

Vergleich der beiden Weltanschauungen:

Vom Unbedingten, nicht Verursachten, nicht Erschaffenen könnte man sagen, es sei das Zusammenhangslose – denn was soll sein Zusammenhang sein? Wie hat man sich die Verbindung zwischen dem Unbedingten, nicht Verursachten, nicht Erschaffenen und dem Bedingten, Verursachten, Erschaffenen vorzustellen? Als uneingeschränktes persönliches Wollen und Macht? Klar müssen wir uns darüber sein, dass Wollen und Macht nicht das Sein selber sind, sondern davon abgegrenzt. Das Sein (die Wirklichkeit oder die Realität) verstanden als unendlicher Zusammenhang, unendliche Möglichkeit und unendliche Vielfalt ist nicht gegen etwas abgegrenzt. Etwas Unbedingtes, nicht Verursachtes, nicht Erschaffenes zu statuieren – das heisst, etwas, das keinen Zusammenhang hat – bedeutet, eine Abgrenzung gegen das Bedingte, Verursachte, nicht Erschaffene. Natürlich ist es möglich, die unendliche Wirklichkeit – unendlicher Zusammenhang, unendliche Möglichkeit und unendliche Vielfalt – als das Unbedingte, nicht Verursachte, nicht Erschaffene zu betrachten, aber dann ist die Welt nicht mehr aufgespalten in das Göttliche und Nicht-Göttliche.

Ein Hinweis zu Spinoza, dem vorgeworfen wird, seine Philosophie sei deterministisch und statisch: Unendliche Wirklichkeit im Sinne von unendlichem Zusammenhang bedeutet, dass es nicht etwas geben kann, das sie nicht ist und dass es nicht etwas geben kann, das von ihr weggenommen werden kann oder das zu ihr hinzukommen kann oder gegen das sie abgegrenzt ist – insofern ist die unendliche Wirklichkeit («Deus sive Natura» bei Spinoza) determiniert und statisch, wenn man so will. Natürlich könnte man sagen, bei jedem Werden oder Vergehen, werde der Wirklichkeit etwas hinzugefügt bzw. weggenommen, betreffe das nun eine Galaxie oder die Menschheit – aber verändert sich dadurch der unendliche Zusammenhang, die unendliche Möglichkeit oder die unendliche Vielfalt?

Gott als Person bezogenes Machtprinzip. Das Setzen einer Person als das Unbedingte, nicht Verursachte, bedeutet eigentlich die Installation einer Machtideologie, ihr Hintergrund dürfte weniger das Streben nach Geist und Wahrheit gewesen sein als das Erreichen politischer Zwecke. Durch das Setzen von Wollen und Macht als Ausgangspunkt und als das Höchste wird eine Person zum Absoluten – durch Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, Wahrnehmen, Auf-sich-wirken-lassen hingegen selber zu einem quasi unendlichen Teil des Seins. Der Mensch, der sich als Teil eines unendlichen Zusammenhanges fühlt (Kosmos, Mensch), bildet mit ihm eine Einheit – aber womit bildet der Mensch, der als Zusammenhang eine Person mit unendlichem Willen und unendlicher Macht betrachtet (Gottperson), eine Einheit? Seine Einheit ist zwiespältig: Einerseits wird er, indem er einer absoluten Person gegenübersteht, selber zur absoluten Person, andererseits macht er eine Einheit mit dem Willen der anderen Person, vereinigt sich mit ihr, indem er sich ihrem Willen unterordnet und sieht darin den eigenen Sinn: Das Fühlen und Denken des Seins (Kosmos, Mensch und von sich selber) und die Übereinstimmung mit ihm werden zweitrangig. Mit der Unterordnung unter den Willen einer Machtperson ist zugleich der Grundstein von Gruppenbildung gelegt, die in der Folge politisches Handeln bedeutet (politisches Handeln, das nicht in der Sache gründet, sondern im Willen einer Gottperson, der möglicherweise vorher in sie hineingelegt wurde) – hier wäre ein Blick auf das Judentum als Ursprung dieser Art Religion höchst interessant; gerade, weil es der Wille seines Gottes war, die jüdische Abstammung über die der anderen Menschen zu erheben.

Die Aufspaltung des Seins geschah im Namen von etwas, das wertvoller sei als der Kosmos und der Mensch

Religion bestimmt, wonach der Mensch streben soll – denn sie legt fest, was das Höchste und Wertvollste sei. Ein Sonderfall einer Religion liegt vor, wenn sie das Höchste und Wertvollste auf eine Gruppe von Menschen einschränkt, was das Merkmal einer Sekte ist.

Kann der Mensch in den Genuss des Höchsten und Wertvollsten durch ein Macht- oder Unterwerfungsverhältnis gelangen? Jedenfalls kann die Entfaltung des Geistes und die Würdigung des Kosmos und des Menschen weder durch ein Macht- noch durch ein Unterwerfungsverhältnis erreicht werden.

Welches ist das Hauptmerkmal des Göttlichen? Macht als Hauptmerkmal des Göttlichen zu postulieren, bedeutet erstens eine Aufspaltung des Seins, das heisst, einen Dualismus und zweitens ist es widersprüchlich, da es keine Gründe ausserhalb der göttlichen Macht geben kann. Wenn es ausserhalb des Göttlichen keine Gründe oder Ursachen geben kann, wogegen soll es abgegrenzt sein?

Wie kam eine Gruppe von Menschen dazu, in Frage zu stellen, dass das Göttliche als unendlicher Zusammenhang, unendliche Möglichkeit und unendliche Unterschiedenheit (Vielfalt) besteht? Der Hintergrund konnte nicht der Drang nach Entfaltung des Geistes und der Würdigung des Kosmos und des Menschen sein – aber der Drang, mehr zu sein als ein Teil des unendlichen Seins.

Welches ist der geistige Inhalt Gottes und welches der geistige Inhalt Satans?

Geld ist ein abstrakter, universaler Wert – so wie quasi Gott; Satan hingegen könnte man als abstrakten, universalen Nicht-Wert bezeichnen. Was bedeutet Geld in den Händen Gottes und was bedeutet es in den Händen Satans? Welches ist der geistige Inhalt Gottes und welches der geistige Inhalt Satans? Die Realität Gottes ist Übereinstimmung mit dem Sein, die Existenz Satans Ablehnung des Seins bzw. die Bejahung eines eingeschränkten Seins.

Welche Art von Sein hat eine Gruppe, die die Welt aufspaltet in sich und die Aussenstehenden? Aufspalten heisst: Der Zusammenhang zwischen der Gruppe und den Aussenstehenden wird nicht durch das Wahrnehmen ihres Seins oder Rechtsgleichheit bestimmt, sondern durch ihren Willen – was im Allgemeinen heisst, durch Macht. Vielleicht sollte man sich in den geistigen Zustand von Menschen hineinfühlen, für die andere Menschen potentiell dressierte Affen, Sklaven oder Haustiere sind und diese Menschen fragen, was für sie Geist sei und woher sie ihr Selbstbewusstsein haben? Jedenfalls wird für sie Geist nicht etwas sein können, das die Menschen verbindet – aber es passt zu einer religiösen Ideologie, die Geist mit Willen oder Macht gleichsetzt.

Als Lebensinhalt das herabgewürdigte Sein von anderen Menschen haben

Natürlich wird niemand, der anderen Menschen, Bevölkerungen oder Staaten ihr eigenständiges Sein wegnimmt, indem er ihnen vorschreibt, was sie zu tun, zu lassen und zu denken haben, das heisst, sie in seinen Machtbereich bringen will, zugeben, dass das sein Lebensinhalt sei – sondern er macht es wie der Westen (USA & Israel & NATO & EU) und proklamiert, sein Eingreifen in das Leben anderer Menschen, Bevölkerungen oder Staaten bringe ihnen Demokratie, Freiheit oder Menschenrecht oder sogar Liebe.

Seine politische Karriere daraus haben, Unter-Hund eines Ober-Hundes zu sein, ist erstens ruinös, wenn es sich beim Unter-Hund um die Regierung eines Staates handelt und zweitens der Ober-Hund sein Selbstverständnis oder seinen Lebensinhalt aus Widersprüchen, Lügen und Wahnideen hat. Es bedeutet eine Aufspaltung der Gesellschaft und der Welt auf breitester Ebene.

Wie echt kann ein Mensch sein, der sein Fühlen und Denken der anderen Menschen und des Kosmos einschränkt, indem er ihr Sein oder ihre Wahrheit nicht zulässt? Wie echt kann jemand sein, der sich verstellen muss, damit nicht offenbar wird, dass er das eigenständige Sein von Menschen, Bevölkerungen oder Staaten missachtet? Wie echt ist ein Automat: Das Erleben des Automaten ist mechanisch, nicht dynamisch: das, was ihm die Gefühle gibt, sind starre Ideen oder Vorstellungen, nicht das Erleben der Aktualität eines geistig-sinnlichen Austausches: ein geistiger Austausch oder Kommunikation wird nicht oder nur scheinhaft oder nur kontrolliert oder selektiv zugelassen. Im Automaten läuft ein Programm ab, das alles ausblendet und abwehrt, das seine eingeschränkte Welt in Frage stellen könnte. Der Automat kann die anderen Menschen und den Kosmos nicht aufnehmen, empfangen, einsehen, wahrnehmen, auf-sich-wirken-lassen, weil dieser Austausch und diese Kommunikation es unmöglich machen würden, in einer eingegrenzten Welt zu leben. Es stellt sich die Frage: Was ist die Realität für ihn? Macht bzw. Unterwerfung und Gruppenorientierung.

Sie wollen keine Einheit mit dem Sein bilden – also spalten sie es auf bzw. schränken es ein; was im Allgemeinen darauf hinausläuft, über es Macht haben zu wollen: Es ergibt sich ein Lebensinhalt aus etwas, das über der Wirklichkeit (Sein, Realität) steht oder aus einer abgespaltenen Wirklichkeit: Ein Lebensinhalt, der es erlaubt, auf die anderen Menschen und den Kosmos herabzusehen oder ein Lebensinhalt, der in Demut gegenüber etwas besteht, das erlaubt gegenüber allem anderen hochmütig zu sein und als höchstes Gefühl die Häme gegenüber Aussenstehenden. Das Aufspalten des Seins verträgt sich sehr schlecht mit Charakter und Geist, aber sehr gut mit abstrakten intellektuellen Fähigkeiten. Wenn jemand sein Selbstverständnis aus dem Ignorieren hat, das heisst aus dem Verneinen des Wahrnehmens, Fühlens und Denkens des Seins oder anderer Völker, was ist dann der Verstand? Beim eigenen Existieren als relationalem Abtasten und abgestimmter Reaktion kann es sich in gewisser Weise um einen Computer handeln – Wahrnehmen, Fühlen und Denken des Seins ist allerdings etwas anderes.