Dualismus

die Schöpferin

Existieren heisst, bezogen sein auf etwas anderes: Miteinandersein, Ineinandersein, Interagieren! Wie also soll es erstens etwas geben können, das völlig unabhängig von etwas anderem existiert, das heisst, völlig ohne Zusammenhang mit etwas anderem?! und zweitens etwas, das nur aus Wirkung auf das andere besteht, selber aber keinen Einwirkungen unterworfen ist?!

Jene, die an eine rein geistige, wollende, allmächtige Person glauben, sind im Allgemeinen der Meinung, sie sei völlig unabhängig von etwas anderem, insbesondere unabhängig von der Materie. Sie habe zwar durch ihren Willen die Materie hervorgebracht, aber, da ihr Wille frei sei, hätte sie es auch unterlassen können, dann gäbe es keine Materie.

Jedenfalls wird durch die Statuierung einer rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person das Sein (Wirklichkeit, Universum, Natur, Kosmos) zu etwas Distanziertem: es ist nicht mehr das Unendliche, nicht mehr das Göttliche. Eine Voraussetzung des Seins, der Wirklichkeit, zu statuieren, macht sie zu etwas Endlichem, Vorläufigem, Begrenztem.

Von der rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person wird gesagt, sie sei das Voraussetzungslose: sie sei von allem die Voraussetzung, genauer: ihr rein geistiger, freie Wille sei die Voraussetzung von allem, insbesondere der Materie. Der Wille aber bestehe unabhängig vom Gewollten: Als Macht, die entweder in Anwendung gebracht werde, oder nicht, und deren Anwendung vom freien Willen abhänge.

Immerhin muss bemerkt werden, dass Wille (Wollen) nicht Sein ist, oder wenigstens in einem gewissen Gegensatz zu ihm steht: das Streben nach einem Realisierungsakt ist nicht die Realisierung, oder das Realisierte selber. Wollen (Wille) heisst, auf etwas gerichtet sein, einen Ausschnitt – sonst würde es einen unzufriedenen, unausgefüllten Zustand bedeuten. Es ist auf die Zukunft gerichtet, und steht im Gegensatz zu Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, auf-sich-wirken-Lassen.

Der Lebensinhalt der rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person – wenn man von ihr sagen kann, sie habe einen Lebensinhalt – scheint der Wille (das Wollen), oder die Macht, zu sein, was merkwürdig anmutet, da sie die einzige Voraussetzung ihres Seins ist.

Wollen ist eine Empfindung, ein Gefühl, das aber nicht Übereinstimmung mit sich selber bedeutet,

ausser es handle sich um Unternehmungslust, Appetit, oder Lust auf etwas. Diese würden allerdings eine gewisse Bedingtheit bedeuten, wären mit Körperlichkeit verbunden, und nicht einem absolut freien Willen (sofern man sich darunter etwas vorstellen kann).

Kann es sich beim Wollen der rein geistigen, allmächtigen Person um zielgerichtetes Denken handeln? Die Voraussetzung von zielgerichtetem Denken wäre entweder, dass etwas anders sein solle als es ist, oder dass zu dem, was im Moment ist, noch etwas hinzukommen solle. Hier würden wir auf das Problem stossen, dass es widersprüchlich wäre, anzunehmen, dass das Denken (der unendliche Verstand) der allmächtigen Person etwas enthalten könnte, das anders sein sollte, oder noch hinzukommen könnte. Ihr Wollen aber kann zur Grundlage nur das Denken (den Verstand) haben, da bei der rein geistigen Person ein Körper nicht vorhanden ist.

Die politische Seite der semitischen dualistischen Ideologie

Das Voraussetzen einer Person, die rein geistig sei, einen Willen habe, und Macht über mich, ist politisch nicht bedeutungslos, denn es gehen von ihr eine Sinngebung aus, Gebote, und Verbote, Drohungen, und Versprechungen. Durch die Vorstellung einer rein geistigen Person kann – wenn sie kollektiv wird – ein Volk geeint werden. Hier muss bemerkt werden, dass das, was Moses, Mohammed, und Jesus von der rein geistigen Person aussagen, zu verschiedenen Gesetzen geführt hat. Das kann so erklärt werden, dass das, wovon sie ausgehen, nicht aus Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, auf-sich-wirken-Lassen stammt, sondern aus ihrem Willen.

Das Kollektiv der jüdischen Schriftgelehrten, hat mit ihrer Figur Moses die rein geistige, wollende, allmächtige Person geschaffen. Und durch sie die Einheit des jüdischen Volkes erreicht. Aber gäbe es das jüdische Volk jetzt noch, wenn es seinen Gott – der rein geistig, wollend, und allmächtig ist – allen Menschen zugänglich gemacht hätte?! Die Frage mutet direkt blöd an!! Wesentliche Eigenschaft des Gottes von Moses – der rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person – ist es, dass er eine besondere Beziehung zum jüdischen Volk hat, will sagen: nur wer jüdischer Abstammung ist, hat Zugang zu diesem Gott. Auf diese Weise wird dieses Volk durch seine Religion zu anderen Völkern abgegrenzt und über sie gestellt. Es handelt sich also um einen Gott, der ein Volk substantiell von den andern Völkern trennt! der Laie natürlich hätte gedacht, dass Gott – wenigstens wenn es sich nicht um einen regionalen Stammesgott handelt, sondern um eine allmächtige Person – gerade das sei, was alle Völker verbinde als auch die Natur und den Menschen.

Rein geistige Person?

Ich stehe über euch
Ich liebe euch
Ich bin das Gesetz

Die Realität der rein geistigen Person besteht in Denken, und Gedachtem – ohne Sprache und Worte ist das schwer vorstellbar. Denken heisst: erwägen, schlussfolgern, urteilen – das mutet bei einer allmächtigen Person mit unendlichem Verstand komisch an. Wir müssen uns auch bewusst sein, eine rein geistige Person besitzt keine Wahrnehmung (Sinne), und keine räumliche Ausdehnung – sie kann folglich auch nicht räumlich gegen Materie abgegrenzt sein. Gibt es ohne Aussenwelt ein Bewusstsein? Ohne Sinne, Körperlichkeit, oder räumliche Ausdehnung ist jedenfalls eine Aussenwelt nicht vorstellbar!

Wenn die rein geistige Person sich selber denkt, wie ist sie selber gegenüber dem, was sie denkt, abgegrenzt? Da sie keinen Körper hat, kann sie nicht durch ihren Körper vom Denken abgegrenzt sein. Da bei einer rein geistigen Person der Unterschied zwischen Gedachtem und Materiellem nicht vorhanden ist, kann der Inhalt des Gedachten nur im Gedachten selbst bestehen:  mit jedem anderen Gedankending würde das Ich ein anderes – es könnte kein Kontinuität habendes Ich existieren! und wodurch sollten die Gedanken, Ideen, „Vorstellungen“ voneinander abgegrenzt sein, und wodurch sollte ihre Abfolge, und ihr Inhalt bestimmt sein? Was für einen Sinn sollten Farben, Gerüche, Geschmäcke, Formen, Gegenstände, Lebewesen haben, die nur als Idee, Gedanke, „Vorstellung“, das heisst, rein geistig existieren? Worin sollte die Kommunikation bestehen? Und vor allem: worin sollte die Macht und der Wille (das Wollen) bestehen?

Wie kann ein Ich, das ohne Körper existiert, einen Willen haben?

Woraus sollte das Wollen kommen? und worauf könnte es sich richten, wenn es keine körperlichen Bedürfnisse gibt, keinen Schmerz, keine Angst, keine Wünsche nach Geltung, Besitz, Sinnenlust?

Damit es – beim Menschen – überhaupt zu Wollen kommen kann, muss ein Mangel (Unlust), oder Appetit (Lust, Unternehmenslust) vorhanden sein – und dann folgt die Umsetzung. Bei einer allmächtigen Person diese zwei Phasen anzunehmen, würde doch bedeuten, ihr Unvollkommenheit zuzuschreiben.

Wollen ist auf die Zukunft gerichtet, und bedeutet, etwas solle anders sein, als es ist. Was aber nicht heissen kann, dass es im Geist der rein geistigen, allmächtigen Person etwas geben könne, das nicht von jeher in ihrem unendlichen Geiste war – sonst wäre sie nicht unendlich, und allmächtig. Jedenfalls kann es ausserhalb der rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person nichts geben, das ihrem Willen entgegenstehen könnte – weil es gar kein Sein ausserhalb von ihr geben kann, und keine Gründe ausser ihr. Wo aber soll dann noch ihr Wille zu suchen sein?! ist doch das, was als Wirklichkeit abläuft das, was im Geiste der rein geistigen, allmächtigen Person abläuft – ein spirito-physischer Parallelismus sozusagen.

Welche Mentalität steht hinter der Vorstellung einer rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person?

Die semitischen Religionen sind nicht an einer rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person interessiert, die quasi eine Nullnummer ist, das heisst, nicht an einer Gottperson deren Wille (Wollen) mit dem Sein übereinstimmt, oder mit ihm identisch ist.

Die Absicht der jüdischen Intelligenzija war es, eine Möglichkeit zu finden, die ihr Volk zusammenhält, und dazu war eine Religion deren Gott dieses Volk – das heisst, seine Abstammung – über die andern stellt, die geniale Idee; andererseits war diese geniale Idee nur die Fortführung der archaischen Idee der Stammesreligion, allerdings mit einer rein geistigen, wollenden Gottperson, die allmächtig ist, und für die das Volk der Juden eine besondere Stellung einnimmt. Es ging also gerade darum, die natürlichen Zusammenhänge der Wirklichkeit aufzuheben, sonst wäre das Volk der Juden – ein Volk ohne Land – ausgestorben.

Die rein geistige, wollende, allmächtige Person der jüdischen Intelligenzija ist eine Person, die es mit einem Widerstand in der Umsetzung ihres Willens zu tun hat: Das, was sie schafft, ist ausserhalb ihres Geistes, nicht Teil ihres Seins: die nicht göttliche Materie ist irgendwie schon da, aber ungeordnet, und es gibt Ungläubige, oder Ungehorsame, die sich der unendlichen Macht der rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person widersetzen! Das Konzept der semitischen Religion ist ein prinzipieller Dualismus! in dem eine abstrakte, unsinnliche Machtperson einer prinzipiell ungehorsamen, widerspenstigen, feindlichen Welt gegenübersteht. Der Hauptinhalt, den sie in die Welt gebracht hat, sind Gesetze.

Die rein geistige, wollende, allmächtige Person ist das Werk von jüdischen Schriftgelehrten, die sich selbst, und ihr Volk, erhöhten, indem sie die Natur und den Menschen erniedrigten: Wir haben etwas, das ihr nicht habt, und das, was wir haben, und ihr nicht habt, gibt uns Macht über euch, denn der Zugang zu diesem hängt von der Abstammung ab.

Die Kreation einer Macht, deren Geist nicht das unendliche Sein des Kosmos (Universum, Natur, Wirklichkeit) bedeutet, sondern nur über ihn zu herrschen, könnte man hinterhältigen, niederträchtigen geistigen Dreck nennen, der aber sehr ehrwürdig, und poetisch daherkommt, und seine Widersprüche – das heisst, den geistigen Nonsens – geschickt verdeckt.

Die semitische Gottperson und Schizophrenie

Materie ist zwar die Voraussetzung des Willens der rein geistigen, allmächtigen Person aber diese befindet sich ausserhalb ihres Seins, will sagen, gehört nicht zu ihrem Sein, weil sie sonst nicht mehr rein geistig wäre. Man könnte dem einfach Widerspruch sagen, ich würde dazufügen, es handle sich um Schizophrenie, da es ein tiefer Widerspruch ist, der die Persönlichkeit eines Menschen bestimmen kann.

Indem ich auf diesen Widerspruch hinweise, denke ich, nichts anderes zu sagen als das, was Spinoza im 18. Lehrsatz des ersten Teils seiner Ethik sagt:

,, Gott ist die inbleibende, aber nicht die übergehende [transeunte] Ursache aller Dinge.

Beweis: Alles, was ist, ist in Gott und muss durch Gott begriffen werden; und folglich ist Gott die Ursache der Dinge, die in ihm sind, was das erste ist. Sodann kann es ausserhalb Gottes keine Substanz geben, das heisst kein Ding, das ausserhalb Gottes in sich ist, was das zweite war. Gott ist also die inbleibende Ursache aller Dinge, aber nicht die übergehende [causa transiens]. W.z.b.w. ,,

„Deus est omnium rerum causa immanens, non vero transiens.“

Bewusstsein (Geist, Denken) kann nicht räumlich gegen Körper abgegrenzt sein

Ist der Tisch, an dem ich sitze, räumlich von meinem Bewusstsein abgegrenzt, d.h. ist der Tisch neben meinem Bewusstsein? Er ist räumlich von meinem Körper abgegrenzt, bzw., insofern ich meines Körpers und des Tisches bewusst bin, kann ich sagen, sie seien räumlich voneinander abgegrenzt.

Die räumliche Abgrenzung – neben etwas sein – kann nur als Körper bestehen. „Reiner Geist“, etwas „rein Geistiges“ kann nicht neben etwas sein – sein Wesen besteht ja geradezu darin, keinen Raum einzunehmen: Raum nimmt es ein durch den Körper, durch die Verbindung mit ihm, durch das im-Körper-Sein.

Zwei sehr grundsätzliche naive Meinungen:

– es gebe das Bewusstsein (das Ich), und zu diesem würde noch der Körper hinzukommen.

– es gebe einen leeren Raum und die Dinge darin, seien die Materie.

Gibt es etwas, das das Bewusstsein – das Ich – nicht ist?

Da das Bewusstsein ohne räumliche Ausdehnung ist, der Körper hingegen ausgedehnt, könnte die Antwort heissen: das Bewusstsein sei nicht der Körper.

Da der Körper im Allgemeinen mit dem Bewusstsein automatisch immer mitgedacht ist, wäre es allerdings lächerlich von sich selber als einem rein geistigen Bewusstsein (Ich) ohne Körper zu sprechen.

Wollen und Empfinden

Bei einem Wesen, das einen Körper hat, ist Wollen offensichtlich Empfinden. Aber wie steht es bei einer rein geistigen, allmächtigen Person? Die Verbindung von Wollen und Empfindung leuchtet beim Streben nach Selbsterhaltung unmittelbar ein – aber das Wollen der rein geistigen, allmächtigen Person hat nichts mit Selbsterhaltung zu tun. Dieses Wollen bedeutet, dass, obwohl es nichts gibt, das ihrer Selbsterhaltung, und ihrer Befriedigung im Wege stehen könnte, es trotzdem etwas gibt, womit sie nicht übereinstimmt. Genuss und Freude würden nicht Wollen, sondern Übereinstimmung bedeuten. Lust ist sich erfüllendes Wollen – Appetit zum Beispiel, oder Unternehmungslust – aber die Freude der rein geistigen, allmächtigen Person scheint nicht die Freude am Sein selber zu sein, sondern Freude an der Macht über es, denn wir müssen bedenken: Das, worauf sich ihr Wille bezieht (die Materie), ist nicht Teil ihres Seins.

Gibt es etwas, das das Bewusstsein – das Ich – nicht ist?

Da das Bewusstsein ohne räumliche Ausdehnung ist, der Körper hingegen ausgedehnt, könnte die Antwort heissen: das Bewusstsein sei nicht der Körper.

Da der Körper im Allgemeinen mit dem Bewusstsein automatisch immer mitgedacht ist, wäre es allerdings lächerlich von sich selber als einem rein geistigen Bewusstsein (Ich) ohne Körper zu sprechen.

Kann die rein geistige, allmächtige Person sich selber als wollende bewusst sein?

Da man meinen würde, ihr unendliches Denken und Bewusstsein, vereint mit Allmacht, schliesse Wollen aus, ist man geneigt, das zu verneinen. Man wäre sonst gezwungen, anzunehmen, das, dessen sie sich als wollend bewusst sei, sei etwas Unfertiges, Endliches, „auf das sie wie auf ein Ziel hinblicke“ (Spinoza). Dieses Endliche, Unfertige wäre auf diese Weise quasi zum Körper der rein geistigen, allmächtigen Person geworden, der ihre Existenz bestimmt, indem er ihr Wollen generieren würde, aber er sei ausserhalb ihrer Existenz, oder gehöre nicht zu ihrem Sein: Das Wollen sei zwar zuerst gewesen, und es gehöre ursprünglich zu ihrer Existenz, aber das, was das wollen generiert habe, sei erst das gewesen, was sie erschaffen habe (die Materie). Ein Körper – Materie – der die Ursache des eigenen Wollens ist, aber nicht Teil des eigenen Seins, das mutet doch sehr schizophren, oder widersprüchlich an. Und schliesslich ist der Gläubige gezwungen, anzunehmen, dass der Teil grösser sei als das Ganze (wie Spinoza an einer Stelle bemerkt).

Die Aufspaltung

Es gibt viele Möglichkeiten, etwas vom eigenen Sein abzuspalten, abzutrennen. Eine grundsätzliche ist, sich als reines Geistwesen zu verstehen, das heisst, die Materie von sich abzuspalten. Was für ein Verhältnis habe ich dann zum – eigenen – Körper, der Natur, dem Kosmos? Vielleicht ein ästhetisches oberflächliches, oder das der Macht, Überlegenheit, oder Geringschätzung.

Wenn ich etwas von mir abspalte, verkleinere ich das, womit ich eine Einheit mache – das heisst das, womit ich mich identifiziere, übereinstimme, woraus ich mein Selbstverständnis habe. Womit bin ich geistig und charakterlich fähig, eine Einheit zu machen? das ist es doch, was die Tiefe und Weite meines Geistes bestimmt!

Das Gegenteil von Aufspaltung wäre das Bewusstsein einer Einheit mit dem Sein, dem Kosmos, der Natur, dem Universum, nicht bloss das Fühlen einer Einheit mit einem abstrakten Ich, das sich einbildet absolut zu sein. Die Abspaltung geschieht durch den Willen (Wollen), nicht durch Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, Wahrnehmen, auf-mich-wirken-Lassen.

Insofern wir das Sein rein materiell, körperlich denken, steht es uns räumlich gegenüber – und insofern besteht eine Aufspaltung, oder Trennung. Allerdings bestehen der Kosmos, die Wirklichkeit, das Universum, die Natur, der Mensch nicht nur materiell, sondern zugleich als gedachte – und insofern kann eine Einheit bestehen. Das Sein (Natur, Kosmos, Universum, Wirklichkeit) zu erfassen, würde bedeuten, es nicht als aufgespalten wahrzunehmen, sondern es – bzw. sich selber – als Einheit zu erfahren, sei es im bewegungserfüllten Erleben, in der Kontemplation des Seins mit sich allein, oder in der seligen Andacht des Zusammenseins mit dem Geliebten.

In der Aufspaltung leben kann der Mensch nicht nur im psychischen, weltanschaulichen Sinn, sondern auch in einem sozial politischen. Die beiden Phänomene hängen zusammen, und es wäre schwer herauszufinden, welches den Anfang bildete: die psychisch, weltanschauliche Aufspaltung geht hervorragend mit der sozial politischen zusammen. Exemplarisch können wir das an einer Ideologie erkennen, die den Körper vom Geist abgespalten hat, in Form einer rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person, und die die Begründung lieferte für die sozial politische Aufspaltung. Können Sie sich vorstellen, von welcher Ideologie bzw. sozial politischen Gruppierung ich rede? Der Zugang zu ihrer Gottperson – das höchste Gut – ist denen vorbehalten die die richtige Abstammung haben. Und ihr Grundsatz ist, wir sind das Opfer die anderen die Feinde. Wir stehen qua Religion und Gott über den anderen.

Die Ablösung des Denkens vom Sein

Das Konzept der semitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) besteht darin, dass ursprünglich nur Geist – das Bewusstsein, oder das Ich, der rein geistigen Person – gewesen sei, aber keine Materie: das heisst, Geist sei das Unvermittelte, Unbedingte, Göttliche, die Materie hingegen nur Nachgeordnetes, Hinzugekommenes, Vorläufiges, Zweitrangiges, Willkürliches, Minderwertiges, Gegenstand der Macht.

„Creatio ex nihilo“ bedeutet aber nicht eigentlich Erschaffen aus dem Nichts, denn es wird gesagt, das, was erschaffen wurde – und fortwährend wird – sei zuerst in geistiger Form – als Idee – in der rein geistigen, allmächtigen Person vorhanden gewesen. Wie aber wurde aus der Idee eines Baumes ein tatsächlicher Baum, aus der Idee der Sonne eine physische Sonne, aus der Idee des Menschen ein konkreter Mensch? Das wird aus dem Wollen der rein geistigen Person erklärt, aus ihrem Streben nach einem Realisierungsakt. Allerdings ist Wollen eine Empfindung – und Empfindung kann wohl nicht als rein geistig bezeichnet werden. Ausserdem können in der rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person nicht Empfindungen (Gefühle) sein, die davon herrühren, dass etwas anders sein sollte als es ist! Kann es doch ausserhalb des unendlichen Geistes der allmächtigen Person nicht etwas geben, das ihren Festlegungen entgegengesetzt sein könnte.

Was sind die Gründe, dass in den semitischen Religionen Materie nicht göttlich sein darf? Wenn Materie als unendlich tätiges, in unendlichen Zusammenhängen wirkendes Prinzip angesehen würde, dann hätte sie Sinn und Zweck in sich selber! Der Sinn aber soll eine willkürliche, rein geistige, allmächtige Person sein, zu der das Verhältnis des Glaubens und der Unterwerfung besteht, und für die Materie Gegenstand der Macht ist.

Kann sich jemand eine rein geistige Person vorstellen? Ich jedenfalls nicht, weil „rein geistig“ keinen Raum einnimmt, Person aber nur fassbar wird, wenn sie einen Ort einnimmt, etwas sinnlich Wahrnehmbares hat, das heisst, gegen etwas anderes abgegrenzt ist; eine Stimme, die Worte spricht, wäre immerhin etwas sinnlich Wahrnehmbares.

Was Realität – oder Wahrheit ist – wird für den Gläubigen durch seinen Glauben bestimmt, nicht durch Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, Auf-sich-wirken-lassen, Wahrnehmen – dieses wäre nicht dem Glauben unterstellt, und somit auch nicht dem Willen.

War Moses – der Gründer der rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person – mehr Politiker, Philosoph, Theologe oder Jurist (Advokat, Gesetzgeber, Anwalt)? Er ist der Gewährsmann des semitischen Glaubens, denn er hat als erster mit der rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person gesprochen.

PS: Herr Thomas von Aquin, gibt es für die rein geistige, wollende, allmächtige Person ein „vorher“ und ein „nachher“? Oder läuft ihr Geist simultan zu dem, was vorgeht auf der Erde und im Universum?

Sind die Gesetze der jüdischen Gottperson im Dienste aller Menschen?

Das heisst, sind sie demokratisch, und antirassistisch? Da die jüdische Abstammungsgemeinschaft seit 1948 einen eigenen Staat besitzt – einen westlichen Staat in einem fremden Kulturkreis, dem arabischen Raum – ist die Relevanz dieser Frage grösser geworden als zu jener Zeit als sie noch ohne eigenen Staat war.

Die Grundlage des Staates Israel ist die Religion, das heisst, die rein geistige, wollende, allmächtige jüdische Gottperson. Ist es diese göttliche Person, die den Juden sagt, dass die eingeborenen Bewohner Palästinas kein Existenzrecht an ihrem angestammten Wohnort haben, und dass die Juden recht daran tun, sie zu vertreiben? In diesem Fall würden wir auf den Widerspruch von Demokratie und Antirassismus zu einem göttlichen Gesetz stossen.

Der Anspruch der Juden auf Palästina wird mit der Religion begründet, das heisst, durch einen Glauben, und die Zugehörigkeit zur Religion wird durch die Abstammung bestimmt: Das heisst, das Recht, in Palästina zu wohnen, hängt von der Abstammung ab, unabhängig davon wo auf der Welt man geboren wurde.

Der Sinn des jüdischen Staates Israel ist, dass Juden die Regierung bilden, und das überwiegende Staatsvolk Juden sind. Da die ursprünglichen Bewohner des beanspruchten Territoriums Araber sind, und diese sich schneller vermehren als die Juden, ist die Doktrin des Staates Israel klar: Vertreibung der einheimischen Bewohner, und Förderung des Importes von Juden aus aller Welt.

Man könnte sich fragen: Was hat Religion mit Politik zu tun? Religion hat mit der Lebensweise und der Weltanschauung zu tun; der Iran zum Beispiel möchte eine muslimische Regierung, und keine jüdische, oder christliche, aber auf seinem Territorium dürfen Christen und Juden leben.

Man kann sich fragen, was einer Staatsgründung vorangeht: das Leben eines Volkes auf einem bestimmten Territorium, oder das Herholen eines bestimmten Volkes aus aller Welt auf ein bestimmtes Territorium, das allmählich durch Gewalt – und unter dem Schutz von Grossmächten – in den eigenen Besitz genommen wird?

Was hat Religion mit Politik zu tun? Hätte die Abstammungsverbundenheit – ohne Religion – schon genügt, um die west-alliierte Welt davon zu überzeugen, dass dieses Volk, das über die ganze Welt zerstreut ist, einen eigenen Staat braucht: einen westlichen Staat in einem fremden Kulturkreis unter Einsatz von Gewalt?! Wenn das Judentum einfach eine Religion wäre – ohne den Hintergrund einer Abstammungsgemeinschaft – dann hätte die Forderung nach einem eigenen Staat völlig komisch angemutet. Andererseits hat die Verbindung von Religion und Abstammung Sektencharakter – obwohl das Judentum als (Welt-) Religion gilt.

Der Hintergrund der Etablierung eines jüdischen Staates in Palästina bildete der Erste Weltkrieg mit der Balfour-Deklaration („Heimstätte für die Juden“), und der Zweite Weltkrieg mit der Holocaustdoktrin („Schutzraum für die Juden“). Wie sieht es nach 71 Jahren Heimstätte für die Juden, und Schutzraum für die Juden aus? Es sieht so aus als ob die ursprünglichen Bewohner dieses Landes eine Heimstätte und einen Schutzraum brauchen! An dieser Stelle sollte noch gesagt werden, dass die politisch-religiöse Abstammungsgemeinschaft, die sich durch Gewalt auf diesem Territorium etabliert hat weder eine Verfassung noch festgelegte Landesgrenzen besitzt! Dass so etwas von den offiziellen Institutionen (Staaten) dieser Welt als Staat behandelt wird, lässt tief blicken!

Wenn es jemandem nach dem Gesagten einfällt, mich „Antisemit“ zu nennen, möchte ich ihn fragen, ob er damit meine, ich sei ein Antidemokrat, oder Rassist? Wenn er mir mit „Antisemit“ bloss vorwirft, ich sei nicht bereit, die Juden über andere Völker zu stellen, möchte ich ihn fragen, ob er die Absicht habe, die Sprache zu benutzen, um Inhalte zu verwischen?!

Der Machtanspruch der rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person

Die jüdisch-christliche Religion betrachtet das Wollen (den Willen) der rein geistigen, allmächtigen Person nicht als mit dem Sein zusammenhängend, sondern als umfassenden Machtanspruch: sie setzt also das Wollen dem Sein gegenüber.

Die Vorstellung einer allmächtigen, wollenden, rein geistigen Person als Inhaberin eines umfassenden Machtanspruchs ist allerdings insofern verwirrend als es ausserhalb dieser Person nicht etwas geben kann, das seinen Grund nicht in ihr selber hätte. Dass also das Sein – die Wirklichkeit, der Kosmos, das Universum, die Natur – in eins gesetzt werden muss mit dem Sein dieser Person – obwohl von ihr behauptet wird, dass sie rein geistig und völlig frei von Materie sei.

Man kann aus der jüdischen Religion ersehen, dass ihre Gründer gewiefte Juristen waren, die, um an ihr Ziel zu gelangen, den raffinierten (Selbst-) Betrug nicht scheuten, aber keine Philosophen, die sich als letztes der Wahrheit, Logik und dem Verstand verpflichtet fühlen.

Für die jüdische Religion ist ihre allmächtige, wollende, rein geistige Person Inhaberin eines umfassenden Machtanspruchs, der sich von ihr auf das Volk der Juden übertragen hat. Auf diese Weise konnte mit Hilfe der Religion, und des Glaubens, die Legitimation erreicht werden, sich über die andern Menschen, und die Natur zu stellen.

Das Titelfoto zeigt den Moses von Michelangelo

Die Spiritualität einer Religion verhält sich umgekehrt proportional zu ihrer Finanzkraft

Gehen wir von diesem Satz aus ist der Islam in der Spiritualität Spitzenreiter, das Christentum war in früheren Jahrhunderten diesbezüglich leichter einzuschätzen, weit abgeschlagen am Schluss finden wir das Judentum.

Weltreligion und Finanzimperium das verträgt sich einfach sehr schlecht – und was wir einer Sekte (zum Beispiel Scientology) zugestehen, dürfen wir sicher etwas nicht zugestehen, das sich Weltreligion nennt.

In diesem Zusammenhang ist es interessant darauf hinzuweisen, welchen Vorteil die politisch-religiöse-jüdische Glaubensgemeinschaft gegenüber anderen Parteien hat: sie wird zusätzlich als Weltreligion, und diskriminierte Minderheit (2500 Jahre Opferrolle plus Holocaust®) wahrgenommen – was dieser Interessengemeinschaft (Partei, Volk, Stamm) unheimliche Vorteile beschert hat, einsamer Gipfelpunkt: die Errichtung eines eigenen Staates auf fremdem Territorium.

Von Weltreligion dürfen wir beim Judentum sicher in dem Sinne sprechen, dass das Finanzimperium international ist.

Ein aufgeweckter Zeitgenosse hat geschrieben, das Judentum werde als Ghetto wahrgenommen und betreibe selber gleichzeitig das wohl größte Ghetto der Welt“ das ist doch sehr pointiert ausgedrückt.

Glaubensreligionen und Pantheismus

In den Glaubensreligionen steht ein der Materie entkleidetes, abstraktes, absolutes Ich – eine Seele – im Zentrum; im Pantheismus ein Ich, das substantiell und inhaltlich mit der Materie (der Natur) verbunden ist. Die Gedanken kreisen nicht um die ewige Erhaltung eines entsinnlichten Bewusstseins, sondern die Erfüllung besteht im Aufgehen des Ichs in der sinnlichen Welt. In den Glaubensreligionen kann die Verbindung mit dem Besten, Schönsten, Wertvollsten (der Gottperson) durch Herabwürdigung und Geringschätzung der Natur bestehen, beim Pantheismus hingegen nicht.  

Zwar kann das Ich durch Herabwürdigung und Geringschätzung auch Ziele finden, im Allgemeinen ist es die Befriedigung, über Dinge und Menschen zu bestimmen, mit dem Höhepunkt des Erfolgserlebnisses, aber es kehrt dann zurück in eine Leere.

Ich denke nicht, dass die Erde befriedet werden kann mit einer Glaubensreligion, denn diese ist eine Herrschaftslehre, nicht aber eine Weisheitslehre. Eine gute Religion sollte eine Weisheitslehre sein, und nicht der Weisheit entgegengesetzt. Die Geschichte der jüdisch-christlichen Religion ist die der Entfernung des Menschen von der Natur.

Ziel des Pantheisten ist die Übereinstimmung des eigenen Seins mit dem Sein überhaupt.

Spinoza und Goethe – und vermutlich auch Schiller und Descartes – sind berühmte Vertreter des Pantheismus.

Sein – oder Wirklichkeit – mit dem Willen einer Person gleichsetzen

Das tun die semitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) indem sie das Universum – den Kosmos, das Sein, die Natur – nicht als unendlich auffassen (unendlichen Zusammenhang, unendliche Möglichkeit, unendliche Varietät), sondern Objekt, das die Wirkung eines personalen Willens sei (einer rein geistigen, wollenden, allmächtigen Person).

Anschlussfragen:

– Kann es letztlich überhaupt ein Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, auf-sich-wirken-Lassen geben, wenn der Kosmos nicht unendlich ist, sondern nur Wille eines personalen Gottes?! denn, wohlverstanden: auf die rein geistige, wollende, allmächtige Person selber kann sich das Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, auf-sich-wirken-Lassen nicht beziehen, denn diese ist Gegenstand des Glaubens, und somit letztlich selbst nur eine Art Wollen (gerichtet sein auf die Zukunft).

– Worin besteht die rein geistige, allmächtige Person sonst noch ausser Wollen (Willen)? Oder anders gefragt: kann sie überhaupt bestehen, ohne Körperlichkeit?! Denn wir müssen uns bewusst sein: Wollen – das Streben nach einem Realisierungsakt – kann nicht sein, ohne etwas, auf das es sich bezieht, ausserdem kann die Realisierung nicht nur im Geiste bestehen.