Religiöses Befinden

Wenn Menschen, Tiere, Pflanzen, Dinge sich nicht darin erschöpfen Mittel für meine Wünsche und Begierden zu sein, dann habe ich Religion. Dann nehme ich sie in einer Dimension wahr, in der ich das Sein würdige.

Unter Religion verstehe ich Sinngebung, oder Sinnfindung: Eine Antwort auf die Frage, was das Sein, oder die Wirklichkeit (Kosmos, Natur, Universum, mein Existieren) für mich ist. Die Antwort kann ein Sinn sein, der die Natur, den Menschen, und die Wahrheit würdigt, oder aber sie herabwürdigt.

Engstirnig und hasserfüllt sein, niederträchtig, hartherzig, und kleinkariert kann mit Glauben, Unterwerfung, und Gehorsam einhergehen, aber nicht mit Spiritualität. Meine Übereinstimmung mit dem Göttlichen – insofern man darunter den Kosmos, das Universum, das menschliche Sein, die Natur versteht – kann nicht durch Hoch­mut, Schein, Einbildungen, und Äusserlichkeit bestehen.

Die Würdigung und den Genuss des Seins, das heisst, die Übereinstimmung mit ihm, und die Fähigkeit, sich nicht selber mehr zu bejahen als das andere, würde ich als Spiritualität, oder religiöses Befinden bezeichnen.

Eine Religion, die das unendliche Sein, die Vielfalt und Tiefe der Wirklichkeit reduziert, reduziert auch das Göttliche, würdigt es herab!

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