Liegt das Glück in der Herabwürdigung, oder in der Würdigung?

Der Herabwürdigende geht nicht von den Zusammenhängen des Seins aus, sondern von einem willkürlichen, absoluten Ich. Herabwürdigung hat nur eine beschränkte Übereinstimmung von Idee und Gegenstand – aber hat das irgendeine Relevanz für das Erreichen eines glücklichen Zustandes? Immerhin liegt das Glück – die Seelenruhe – schliesslich nicht im Wollen, was schon daraus ersehen werden kann, dass dieses auf die Zukunft gerichtet ist – Aufnehmen, Wahrnehmen, Einsehen, auf-sich-wirken-Lassen, aber Gegenwart ist.

Zum „Gläubigen“ müssen wir sagen, dass sein Sinn (seine Religion, sein Gott) selbstverständlich nicht ein Aufnehmen, Wahrnehmen, Einsehen, auf-sich-wirken-Lassen ist – denn sonst würde es sich nicht um glauben handeln! sein Sinn hängt also vollends an der Zukunft, und der damit verbundenen Hoffnung; insofern ist der Gläubige ein Wollender.

Dass Herabwürdigung – im Wert, in der Bedeutung herabsetzen, betrügen, schädigen – nicht eine Sache von Aufnehmen, Einsehen, Empfangen ist, sondern von zielgerichtetem Denken und Handeln, das heisst, einem Wollen, leuchtet ein. In Gegensatz dazu steht ein Ich, das danach strebt, das Sein des andern zu erfassen, um das eigene Sein zu bereichern, und den Genuss des eigenen Lebens zu vergrössern. Insofern ist das, was das eigene Leben bereichert, auch das, was das der andern bereichert.

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