Die israelische und die US-amerikanische Rhetorik – eine Verwandtschaft, die tief geht

Wenn der israelische Ex-Präsident Netanjahu den Bau neuer Siedlungen im Westjordanland als „Erweiterung der israelischen Souveränität“ bezeichnete, dann können auch die USA ihr gewalttätiges Eingreifen in das Leben anderer Staaten als «Erweiterung ihrer Souveränität» bezeichnen! Und wenn die US-amerikanischen bzw. israelischen Militär- oder Polizeikräfte auf den Territorien, die sie widerrechtlich in Besitz genommen haben, angegriffen werden, dann handelt es sich um ihre Selbstverteidigung.

Diese Art von Rechtsverständnis – wenn man es so nennen will – bedeutet, dass Israel oder die USA, was immer sie auch tun, im Recht sind – denn ihr Wille bedeutet das Recht! das ist doch eine coole Sache, die aber nur funktioniert, wenn die westlichen Medien diesem Rechtsverständnis folgen, was wiederum bedeutet, dass Recht nicht etwas ist, das alle Menschen verbindet, weil nicht alle Staaten gleichberechtigt sind und somit Ausgangspunkt des Rechtsverständnisses eine Ausgrenzung ist, das heisst, eine Clan-Ethik. Das Raffinierte an ihr ist, dass der Clan Inhaber der ethischen Überlegenheit ist, was zugleich bedeutet, dass sich die Menschen nicht mehr an den Zusammenhängen des Verstandes und der Natur zu orientieren hätten, sondern an denen, die über den anderen Völkern und Staaten stehen.

Haben die USA und Israel die gleiche Ideologie oder Weltanschauung? Beide handeln aus der Idee des Exzeptionalismus! Im Falle Israels stützt sich diese Idee auf die Abstammung des Volkes – worauf aber im Fall der USA? Ich nehme an, auf eine Ideologie, die sich als göttlich ausgibt und die es erlaubt, den Menschen (die Aussenstehenden) und die Natur zum Gegenstand der Macht oder zur Ware zu reduzieren (Ausblick: vielleicht sind sie deshalb mit den Deutschen in zwei Weltkriegen aneinandergeraten oder anders gesagt: vielleicht war das der Grund der Organisation zweier Weltkriege …).

https://de.rt.com/der-nahe-osten/119841-palastinensische-regierung-fordert-staatengemeinschaft-zu/

https://de.rt.com/der-nahe-osten/119851-auf-weisung-von-biden-usa-greifen-ziele-in-syrien-an/

Hat das Wollen der USA mit ihrem Verstand zu tun?

Das Wollen der USA ist darauf gerichtet, die militärische, finanzielle, wirtschaftliche Vorherrschaft über die Welt zu erlangen, bzw. beizubehalten. Inwiefern kann diese Zielsetzung aus dem Verstand hergeleitet werden?

Die USA betrachten es als Eigenschaft anderer Staaten, dass sie ihnen unterworfen sind oder anders gesagt: sie betrachten als ihr Wesen, über den anderen zu stehen. Das bedeutet, die anderen Staaten

– sind nicht eigene, selbstbestimmte Wesen

– eingreifen in ihr Leben ist selbstverständlich

– die USA sind der Massstab für Gut und Böse, Recht und Unrecht (und seit neuem für ökologisch und unökologisch)

Hat diese Selbsteinschätzung der USA eine Grundlage im Verstand? Wie kann aus dem Verstand hergeleitet werden, über den anderen Staaten und ihren Bevölkerungen zu stehen? Der Grund, den die USA anführen, ist, ihre ethische Überlegenheit gegenüber den anderen Staaten und Bevölkerungen.

Überlegenheit in der Anwendung des Verstandes

Diesen Anspruch vertritt Chatham House, das heisst, den Anspruch auf Darlegungen von höchster geistiger Klarheit. Aus diesem Anliegen ergibt sich ganz offensichtlich der Feind, nämlich diejenigen, die gegen die Anwendung des Verstandes sind und darum ist Russland der Feind dieses einflussreichen britischen Thinktanks.

Wie steht die Anwendung des Verstandes zum Auswählen von Zielen? Mit viel Aufwand an Verstand widersprüchliche Ziele zu verfolgen, deutet meiner Meinung nach nicht auf Überlegenheit des Verstandes hin oder auf eine souveräne Persönlichkeit.

Was sind die Ziele von Chatham House? Dominanz von gewissen Staaten über andere Staaten oder Kooperation der Staaten auf gleichberechtigter Basis? Wenn das Ziel von Chatham House in der Vorherrschaft des Westens über den Nicht-Westen besteht, ergibt sich daraus, dass es alle Staaten, die sich nicht unterwerfen als Feinde betrachtet. Was könnte das Ergebnis sein, wenn Chatham House es unternimmt Staaten wie Russland, China oder den Iran zu beschreiben, um dem Westen Ratschläge für den Umgang mit ihnen zu erteilen?

Als was existiert ein anderer Staat für Chatham House? Es ist anzunehmen als dasselbe wie für die USA, nämlich als ein zu unterwerfendes Objekt. Können den Staaten Russland, China, Iran irgendwelche positive Eigenschaften beigelegt werden, wenn es das Ziel von Chatham House & den USA ist, ihnen ihre Vorherrschaft aufzuzwingen? Die USA können nicht auftreten und zu Russland, China und Iran vor aller Welt sagen: Entweder unterwerft ihr euch und hört auf eine eigenständige Finanz-, Wirtschafts- und Außenpolitik zu betreiben oder wir bringen Regime-change, Sanktionen und Krieg über euch – denn dadurch würden sich die USA als diktatorischer Verbrecherstaat zu erkennen geben. Das heisst, diese Staaten müssen zuerst schlecht gemacht werden – was zu den Aufgaben von Chatham House gehört – und dann kann gegen diese von Chatham House und den Medien zu Bösen erklärten Staaten mit gewaltsamer Unterwanderung, Sanktionen, Regime-change und eventuell Krieg vorgegangen werden.

Menschen und Dinge werden als zu beherrschende Objekte betrachtet: das heisst, der andere Mensch, Staat oder die Natur sind nicht Teil meines Seins durch Wahrnehmung (Aufnehmen, Einsehen, Auf-mich-wirken-lassen), sondern durch meinen Willen. Und die Befriedigung besteht darin, dass der andere Mensch oder Staat das ist und das tut, was ich will. Für den Triumph über einen anderen Menschen oder Staat ist Betrug ein geeignetes Mittel, aber der Betrug an ihnen besteht schon darin, sie nicht als eigene, selbstbestimmte Wesen aufzufassen. Kann derjenige, dessen Wollen nicht auf das gerichtet ist, in dem alle verbunden sind, ein eigenständiges, souveränes Wesen sein? Was sollte er unter Verstand und Geist verstehen?

Die Lüge, die als gescheit erscheinen möchte, ist gekennzeichnet durch einen gewissen Stil, eine gewisse Rhetorik – ihr Problem besteht darin, dass Klugheit nicht eine Affinität zur Lüge, sondern zur Wahrheit hat und dass Wahrheit nicht eine Frage der Parteizugehörigkeit ist.

https://www.chathamhouse.org/2021/05/myths-and-misconceptions-debate-russia/summary

Ich denke, Chatham House ist ganz in der Ideologie des Alten Testaments befangen, will sagen, den Mitmenschen – und überhaupt alles – als Gegenstand des Wollens zu betrachten (der Gegensatz davon wäre: wahrnehmen, aufnehmen, einsehen, auf-sich-wirken-lassen). Die Ideologie, der Mensch lebe nur vom Brot, nicht aber auch vom Geist, reduziert den Mitmenschen zum Konkurrenten, denn Geist würde gerade darin bestehen, mit den Mitmenschen eine Einheit zu bilden. Natürlich kann auch der Spruch «der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein» (5. Buch Mose, Kap. 8, Vers 3) zu einer Aufspaltung führen: indem unter Geist ein Gott verstanden wird, der nur das eigene Volk speist, das über den anderen steht. In diesem Fall wäre die Fragestellung nicht: wie kann ich vom anderen geistig profitieren, sondern, wie kann ich den anderen geistig besiegen? Vielleicht schlussendlich, fast ganz am Ende durch Gender- und Woken-Ideologie plus Political Correctness?

Chatham House: «Das 1920 gegründete Chatham House, bis 2004 auch als Royal Institute of International Affairs bekannt, ist eine private weltweit führende britische Denkfabrik mit Sitz in London.» «Einzelne Schlüsselprojekte werden von der Rockefeller-Stiftung, der Bill & Melinda Gates Foundation, der Konrad-Adenauer-Stiftung, der NATO oder der EU finanziert und gesponsert.»

«Neben den Corporate Members, bestehend aus 75 Großkonzernen, Investmentbanken, Energiekonzernen und 263 weiteren Firmen, zählt das Chatham House derzeit 2.770 international tätige Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Diplomatie, Wissenschaft, Politik und Medien aus 75 Ländern zu seinen Mitgliedern und verfügte im Jahre 2012 über ein aus Wirtschaft, Stiftungen und Mitgliederbeiträgen generiertes Budget von 12 Mio. Euro.»

https://de.rt.com/international/117902-geist-ist-schlachtfeld-nato-bereitet-nato-bereitet-sich-kognitive-kriege/