Clan-Ethik

Einschränken des Seins

Der Antisemit ist Anhänger einer Clan-Ethik, denn er stellt die Juden unter sein eigenes Volk, oder unter die anderen Völker, oder unter die eigene Gruppierung, oder Interessengemeinschaft.

Allerdings ist nicht jeder Anhänger einer Clan-Ethik ein Antisemit: wenn es zum Beispiel Juden gibt, die andere Völker unter ihr eigenes Volk stellen, dann sind sie zwar Anhänger einer Clan-Ethik, aber keine Antisemiten.

– Clan-Ethik heisst: Böse ist, was sich den Zielen des eigenen Clans widersetzt.

– Universal-Ethik heisst: Böse ist, Ziele zu verfolgen, die zu Lasten des andern gehen bzw. ihn schädigen oder in seiner Entfaltung behindern.

Clan-Ethik spaltet die Welt auf in den eigenen Clan, und die Aussenstehenden. Ihr Verhältnis zu den andern ist nicht das der Gleichberechtigung: die Aussenstehenden sind Gegenstand der Macht, oder Ausbeutung.

Natürlich kann heutzutage kein staatlicher Akteur mehr auftreten, der die Gleichberechtigung der Völker und Staaten verbal in Frage stellen würde. Was aber nicht heisst, dass es keine Staaten, oder Gruppierungen mehr gäbe, die sich über andere stellen, das heisst, eine Clan-Ethik vertreten. Sich über andere Staaten und Bevölkerungen stellen, heisst grundsätzlich, in ihr Leben eingreifen: Anspruch auf ihr Land erheben, ihnen vorschreiben, mit wem sie Handel treiben, und Geschäfte abschliessen dürfen, in welcher Währung sie zu zahlen haben, welche Ansichten sie über gewisse geschichtliche Ereignisse haben sollen, welche Staaten sie als Freunde haben dürfen, … .

Das Recht des Bürgers eines Staates wird dann verletzt, wenn willkürlich, und ohne Rechtsgrundlage in sein Leben eingegriffen wird. Dieser Fall liegt auch dann vor, wenn ein anderer Staat durch Unterwanderung, Regimechange, Sanktionen und Krieg in sein Leben eingreift. Aber natürlich wird der Staat, der in das Leben eines andern eingreift, der übrigen Staatenwelt erklären, er wolle in jenem Staat den Menschen etwas Gutes tun. Und ich muss zugeben, dass auch ich den USA – die weltweit führend sind in Sachen Regimechange, Krieg, und Sanktionen – sehr lange auf den Leim gekrochen bin; was darauf zurückzuführen ist, dass ich damals noch zu jenen gehört habe, die die Darbietungen der Feierabendmedien (Mainstreammedien) für bare Münze genommen haben, und noch nicht gemerkt habe, dass diese das Sprachrohr der USA sind.

Zu einer Clan-Ethik gehört ein Feind. Grundsätzlich gilt die Gleichung: wir sind gut, die andern böse, das heisst, diese Ideologie, oder Doktrin, enthält erstens die moralische Oberhoheit über den Rest der Welt, und zweitens die Legitimation, die Souveränität und Integrität anderer Staaten zu verletzen.

Wenn eine Gruppierung – oder ein Staat – mit einer Clan-Ethik internationale Bedeutung gewinnt, gewinnen auch ihre Ansprüche an Bedeutung, und das Verhältnis zu den Aussenstehenden spitzt sich zu. Da Clan-Ethik bedeutet, dass das, was man selber vertritt, und als Ziel verfolgt, das Recht ist – und gar nicht böse sein kann – ist die Folge davon, dass der Begriff Wahrheit mit Füssen getreten werden muss: denn diejenigen, über die man herfallen will – das heisst, diejenigen, die nicht willens sind, sich dem Clan zu unterwerfen – müssen zuerst schlecht gemacht, und verleumdet werden, erst dann stimmt die – ausländische – Bevölkerung zu, dass man den bösen Diktator beseitigen muss, durch Unterwanderung, gewaltsamen Regimechange, Krieg.

Das – zwischenstaatliche – Recht regelt die Ansprüche der Staaten untereinander. Wenn die Prämisse eines Staates – oder einer Gruppierung – ist: wir stehen über euch, was soll dann Recht sein?! Jedenfalls kann es dann nicht mehr auf der Gleichberechtigung der Völker und Staaten basieren. Bewusst sollten wir uns sein, dass ‚über den andern stehen‘, leider meistens nicht eine passive, isolierte, einsame Sache ist, sondern bedeutet, aktiv in das Leben anderer Staaten und ihrer Bevölkerungen einzugreifen. Ferner sollten wir uns bewusst sein, dass dieser Staat, oder diese Gruppierung sich für wertvoller halten als andere! Das Verhältnis zu andern Staaten und Menschen auf eine Machtfrage zu reduzieren, bedeutet nicht die Anwendung von Recht: Recht ist der Willkür entgegengesetzt!

Bedeutet ‚Recht‘, gesetzliche Festlegungen, die den Bürger vor den Mitbürgern, dem Staat, oder Gruppierungen, und Organisationen schützen, oder gesetzliche Bestimmungen mit denen der Staat in das Leben des Bürgers eingreift? Diese Frage stellt sich insbesondere auf zwischenstaatlicher Ebene: Wir sollten uns bewusst sein, dass die Institution, die eigentlich dazu da wäre, einen Staat vor Übergriffen eines anderen Staates zu schützen, die Uno wäre! In der Praxis ist sie allerdings damit beschäftigt, Übergriffe auf andere Staaten zu legitimieren, oder sogar zu organisieren!

Ein Staat, eine Gruppierung, oder eine Organisation, die dem Bürger etwas wegnehmen will, wäre sein Feind! Wie steht es diesbezüglich mit dem Staat dessen Bürger Sie sind, oder mit der Uno, oder der Nato? Geben sie dem Bürger etwas, oder nehmen sie ihm etwas weg?

Wenn zum Beispiel die USA – ihr Parlament – Sanktionen gegen Northstream2 beschliessen, dann besteht bei ihnen das Recht daraus, Eingriffe in das Leben anderer Staaten gesetzlich abzusichern. Und vergessen wir nicht, in der Clan-Ethik sind diejenigen böse, die sich nicht dem Clan unterwerfen. Denn ihr Ziel und Zweck ist nicht ein Zusammenleben der Staaten und Völker zum gegenseitigen Vorteil, sondern die Herrschaft des Clans über die Aussenstehenden.

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