Die jüdisch-christliche Religion würde sagen: Es gibt nur eines, das voraussetzungslos ist und das ist die Gottperson. Bedeutet ‘voraussetzungslos’ ‘ohne Zusammenhang’? Eine Person, die nur aus voraussetzungslosem Willen und voraussetzungsloser Macht besteht, ist absolut zusammenhangslos: Man kann sie für alles oder nichts verantwortlich machen.
Ist das Objekt des Willens oder der Macht, das heisst, die Materie, Teil der Gottperson oder ausserhalb? Wollen ist ein essentielles Merkmal von Person-sein – unendliche Macht und unendliches Bewusstsein heben allerdings das Wollen auf und es herrscht Identität von Person-sein und Wirklichkeit.
Wollen (Willen) bedeutet unrealisiertes Sein oder etwas, das anders sein soll – also kann Wollen für ein Wesen, das absolute Vollkommenheit beansprucht, kein essentielles Merkmal sein.
Macht heisst, das Sein von etwas anderem bestimmen. Im Fall der Erzeugung von etwas aus dem Nichts kann es sich allerdings nicht um diese Art Macht handeln, weil das, worauf Macht ausgeübt wird – die Materie – vom Machthaber erst geschaffen wird. Unter Erzeugen von Materie wird das Erzeugen von materiellen Einzeldingen verstanden, wie Sonne, Wasser, Universum, Kosmos – nicht unbedingt das Erzeugen von Atomen, Molekülen und Genen, weil in diesem Fall die Vorstellung ihrer Beherrschung schwieriger ist.
Handelt es sich beim Zusammenhang von Ursache und Wirkung um zwei voneinander getrennte Wirklichkeiten oder um eine Wirklichkeit? Es wird gesagt, «reiner» Geist sei die Ursache der Materie – bilden «reiner Geist» und Materie zwei Wirklichkeiten oder eine?
Ausserhalb der Gottperson kann es keine Ursachen geben, da sie sonst nicht mehr vollkommen wäre; das heisst, die Aussage, Gott sei die Ursache, ist etwa so sinnvoll wie die Aussage, die Wirklichkeit sei die Ursache.
Warum kann man zum Beispiel bei Wollen oder Macht von Subjekt und Objekt reden – aber nicht bei Sein oder Wirklichkeit, das heisst, warum kann man nicht sagen, durch das Sein oder die Wirklichkeit stehe einem Subjekt ein Objekt gegenüber? Die Voraussetzung, um von einem Verhältnis von einem Subjekt zu einem Objekt zu reden, ist erstens ein unterscheidendes Merkmal und zweitens etwas Vorgeordnetes und etwas Nachgeordnetes: etwas Handelndes und etwas, das diesem Handeln unterworfen ist oder durch es erzeugt wird. Wie soll sich das Sein vom Sein unterscheiden oder die Wirklichkeit von der Wirklichkeit? Und was soll dann Subjekt sein und was Objekt?
Durch das Wollen oder ein Machtverhältnis wird die Idee des Objekts zum Vorgeordneten, Vorhergehenden (Subjekt) und das Objekt selber zum Nachgeordneten, Nachfolgenden. Wenn hingegen Idee oder Bewusstsein nicht ein Wollens- oder Machtverhältnis bedeutet, ist klar, dass Idee und Objekt gleichzeitig sein müssen, das heisst, nicht die Idee des Objekts vor dem Objekt sein kann.
Bedenkenswert ist, dass durch Wollen oder ein Machtverhältnis die Idee des Objekts zwar zum Vorgeordneten, Vorhergehenden (Subjekt) wird und das Objekt selber zum Nachgeordneten, Nachfolgenden – dass aber Wollen oder Macht über etwas dieses Objekt klar voraussetzt! Weiter bedenkenswert ist, dass durch Wollen oder ein Machtverhältnis das Sein nicht erreicht werden kann – weil Wollen, nicht realisiertes Sein bedeutet oder Streben nach einem Realisierungsakt. Und dass ein Machtverhältnis keine Einheit mit dem Sein bedeuten kann, ist auch klar.
Für wen ist Wollen oder Macht das Höchste und Grösste? So erstrebenswert und wertvoll, dass sie daraus eine Religion mit einem entsprechenden Gott kreiert haben? Exemplarisch und grundlegend die Schöpfer des AT. Anfügen muss man, dass für einen unendlichen Geist – betreffe es einen Gott oder mutatis mutandis den Menschen – Wollen oder Macht nicht das Grösste und Wertvollste sein kann.
Die Wirklichkeit oder das Sein ist unendlicher Zusammenhang, unendliche Möglichkeit und unendliche Vielfalt. Wirklichkeit oder Sein bedeutet, dass es Verschiedenes oder Unterschiedenes gibt – sonst würde sich Wirklichkeit nicht von Nichts unterscheiden lassen. Wirklichkeit ist ein Zusammenhang von Verschiedenheit, die miteinander oder ineinander existiert: Vielfalt, die in einem unendlichen Zusammenhang aufeinander bezogen ist. Dass die Wirklichkeit oder das Sein unendlicher Zusammenhang ist, bedeutet zum Beispiel, dass unendlich viele Subjekt-Objekt oder Objekt-Subjekt-Beziehungen bestehen.
Ich verstehe unter unendlichem Zusammenhang nicht eine Abfolge von Ereignissen, die auf einer Zeitachse aufgereiht sind. Die Veränderungen der Wirklichkeit sind nicht Veränderungen auf einer Zeitachse, sondern ihre unendlichen Ausdrucksmöglichkeiten oder Zustände. Natürlich ist Wirklichkeit (Sein) unendliche Möglichkeit, aber nicht in dem Sinne, dass sie auch anders sein könnte, als sie ist, sondern in dem Sinne, dass die Wirklichkeit vor 5 Milliarden Jahren eine andere war, als sie jetzt ist – und doch ist sie die gleiche Wirklichkeit und es ist nichts von ihr weggenommen worden und nichts zu ihr hinzugefügt worden.