Insofern ein Mensch nach Macht strebt

führt ihn das nicht zu einer Einheit mit dem Sein, Kosmos, Verstand, Geist und den anderen Menschen: Sein Lebensinhalt ist nicht, mit ihnen eine Einheit zu sein. Für ihn sind Sein, Kosmos, Verstand, Geist und die anderen Menschen eine eingegrenzte Realität mit der er durch sein Wollen verbunden ist. Was ist somit er selber? Da er keine Einheit mit dem Sein macht, schaut er nur auf es hin, mit seinem Wollen. Was also bildet sein Bewusstsein, wenn es nicht etwas gibt, wodurch er – in Ruhe – bei sich selber sein kann? Er kennt nur das gerichtete Bewusstsein, das heisst, er ist stets beim andern – in bestimmter Absicht.

Als was existiere ich für den anderen Menschen?

Als eigenständiges Sein oder Gegenstand der Macht? Wie hat er sein eigenes Sein mit dem meinen verknüpft? Wenn ich für ihn Gegenstand der Macht bin, das heisst, ich als eingeschränktes Sein existiere, was ist dann sein Selbstverständnis, sein geistiger Zusammenhang?

Interessant ist der Fall, wenn ich für den anderen Menschen Gegenstand der Macht bin und zugleich sein Lebensinhalt – sei es als Geliebter oder Feind – denn das heisst, dass er seinen Lebensinhalt aus etwas bezieht, das er herabwürdigt. Wenn er mein ganzes Sein zulassen würde und es als ein eigenständiges Sein anerkennen, würde er seinen Lebensinhalt verlieren.

Darüber sollten wir uns klar sein: Die eigene Bewusstwerdung geschieht durch die Bewusstwerdung des andern.

Die Trennung von Geist und Materie

Die Reduktion von Menschen oder der Natur zum Gegenstand der Macht – die eine Trennung von Geist und Materie bedeutet – geschieht durch den Willen, nicht durch Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, Wahrnehmen, Auf-mich-wirken-lassen, denn durch diese würden Geist und Materie eine Einheit bilden.

Sich selber als unabhängig von der Materie (Körper) zu betrachten – z.B. als ewige, bewusste, rein geistige Seele – bedeutet ebenfalls die Trennung von Geist und Materie.

Anschlussfrage: Habe ich meine Identität, mein Selbstwertgefühl und meinen Sinn aus einer Aufspaltung, Trennung, Abgrenzung oder aus der Einheit mit den Menschen und dem Kosmos? Der Wunsch nach Widerspruchsfreiheit, die Liebe zum Sein, das Streben den Menschen, den Kosmos und mich selber zu würdigen, führen mich zur Einheit. Der volle Genuss des Seins, das heisst, die Übereinstimmung und Identität mit ihm oder mir selber, kann nur dadurch stattfinden.

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