Das geistige Sein und das materielle Sein

Wodurch sind sie voneinander abgegrenzt? Wir können Geist von Materie unterscheiden oder abgrenzen, indem wir sagen, Geist sei ohne – räumliche, materielle, körperliche – Ausdehnung, Materie hingegen sei – räumlich, materiell, körperlich – ausgedehnt. Natürlich sind wir durch diese Unterscheidung noch nicht gezwungen, zu sagen, das eine oder das andere (Geist oder Materie) sei vorher bzw. existiere unabhängig vom anderen. Zu diesem Schluss würde uns erst die Annahme einer rein geistigen Gottperson zwingen, die die Ursache der Materie sei.

Handelt es sich bei Empfinden, Fühlen, Wahrnehmen, Denken, Bewusstsein um Materie oder Geist? Die Frage ist relevant, weil das Objekt von Empfinden, Fühlen, Wahrnehmen, Denken, Bewusstsein nicht rein geistig sein kann – sonst würde Empfinden, Fühlen, Wahrnehmen, Denken, Bewusstsein nur im Geiste existieren. Geist reflektiert oder transzendiert Materie – allerdings nicht als Abbildung oder Hinübersteigen in eine andere Wirklichkeit, sondern als das Vermögen, in dem der Mensch sich selber wird. Körperlichkeit, Materialität ist nicht Abstraktion, auch Geist – im Sinne von Denken, Bewusstsein – ist nicht Abstraktion – sie machen zusammen die Aktualität des Menschen aus.

Warum sollten Materie (Körperlichkeit) und Geist Gegensätze sein? Weil das eine ausgedehnt ist und das andere nicht? Es gibt doch keine Eigenschaft, die absolut singulär vorkommt; Eigenschaften treten immer als Bündel auf.

Das Sein – die Wirklichkeit – ist unendlicher Zusammenhang, von daher ist klar, dass es nicht ein Sein innerhalb des Seins geben kann, das ohne Zusammenhang existiert, das heisst, nicht eine absolute Materie oder einen absoluten Geist. Ein Sein ausserhalb des Seins aber kann es nicht geben, weil zwei absolute Wirklichkeiten, das heisst, zwei Wirklichkeiten, die nichts miteinander zu tun haben, nicht möglich sind.

Daraus, dass Geist nicht räumlich ausgedehnt ist, folgt, dass ein Tisch nicht neben dem Geist sein kann – aber er kann insofern neben dem Geist sein, als zum Geist ein Körper gehört: Ein Mensch kann sagen, er befinde sich neben dem Tisch, insofern als sich sein Körper neben dem Tisch befindet.

Materie ist nicht ein Ding (Objekt) und auch Geist ist kein Ding (Objekt). Die Annahme, Materie sei quasi ein Ding, beruht darauf, bei der Welt – der «Schöpfung» – handle es sich um eine Ansammlung von Dingen, die von einem anderen Ding – der Gottperson – erzeugt worden sei. Dass Sein – Realität, Wirklichkeit, Aktualität – kein Ding (Objekt) sei, dem würden wohl die meisten zustimmen – auf die gleiche Weise können aber auch Körperlichkeit und Geist verstanden werden.

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