Die Probleme, die entstehen, wenn Gott oder Geist zu einem abgegrenzten Objekt gemacht werden

Wollen bedeutet, Streben nach einer Veränderung. Wenn Gott als unveränderlich, ohne Möglichkeit der Veränderung, als reine Aktualität («actus purus») behauptet wird, die mit Raum (Ausdehnung) und Zeit (Veränderung) nichts zu tun habe, dann bedeutet das, dass Gott keine Person ist und es bedeutet, dass es etwas gibt, was er nicht ist. Beides dürfte Thomas von Aquin nicht gefallen.

Der Unterschied zwischen Wollen und Ursache. Wollen kann in eine Wirkung münden, muss aber nicht. Ursache und Wirkung hingegen bilden eine Einheit. Alles, was existiert, ist ein Zusammenhang oder eine Einheit von Ursache und Wirkung. Ist die Gottperson Wollen (Wille) oder Ursache? Jedenfalls besteht zwischen dem Wollenden und dem, was er will, ein Zusammenhang, das heisst, Wollen ist nicht voraussetzungslos – was bedeuten würde, dass die Gottperson nicht voraussetzungslos ist. Gibt es eine voraussetzungslose Ursache? Es wäre eine Ursache, die nicht auf eine Wirkung angewiesen wäre – eine Ursache ohne Zusammenhang. Beim Menschen herrscht keine Identität zwischen Wollen und Ursache, deshalb können sie gut auseinandergehalten werden. Wenn in Gott Ursache und Wille identisch sind, dann gibt es strenggenommen gar keinen Willen. Auch das dürfte Thomas von Aquin nicht gefallen.

Weitere Probleme, die daraus entstehen, Gott oder Geist zu einem abgegrenzten Objekt zu machen:

– Gott als rein geistig zu behaupten, bedeutet, dass in Gott die Materie nur als Begriff existiert – sich die Macht Gottes als Macht über Begriffe vorzustellen, ist allerdings etwas dürftig.

– Wie lassen sich die göttlichen Eigenschaften Güte und Liebe, die Gefühle sind, unter rein geistiges Sein, das heisst, rein begriffliches Sein subsumieren?

– Um Gott rein geistig behaupten zu können, muss ein Innerhalb Gottes angenommen werden, in dem Gott nur die Ursache von sich selber ist (immanente Ursache) und das folglich rein geistig sei – und ein Ausserhalb Gottes, in dem Gott die Ursache von etwas ausserhalb von ihm ist (übergehende Ursache) und das folglich nicht rein geistig sei. Beim Innerhalb Gottes handle es sich um Gott selber, beim Ausserhalb Gottes aber um das Universum oder Materie. Wo liegt der Haken oder Widerspruch bei dieser Darlegung? Mein Vorschlag: Fragen Sie die KI Ihrer Wahl. Es handelt sich um die scholastische Unterscheidung von causa immanens und causa transiens.

Was ist das Objekt des rein Begrifflichen, das heisst, rein Geistigen oder eines transzendenten Wesens? Wenn man die Worte ‘Denken’ und ‘rein begriffliches Sein’ in den Mund nimmt, würde man meinen, dass es sich um etwas Sprachgebundenes handelt – auch wenn es von einem rein geistigen, ‘transzendenten’ Wesen ausgesagt wird. Von der Gottperson als einem sprachgebundenen Wesen zu reden, mutet allerdings recht irdisch an und könnte an den erhabenen, illusionären Vorstellungen einer Gottperson kratzen. Es könnte sogar der Gedanke auftauchen, dass es sich bei der Idee einer rein geistigen Person um geistigen Nonsens handelt.

Ein rein geistiges Wesen, dem Wollen oder Macht beigelegt werden. Macht oder Wollen bedeuten auf jeden Fall eine Zweiheit: Dieses Wesen selbst und das, worauf sich sein Wollen oder seine Macht beziehen bzw. das, was es anders haben möchte. Wollen ist auf die Zukunft gerichtet und bedeutet, nicht realisiertes Sein. Wenn Macht mit Sein identisch wäre oder Ursache und Wirkung in eins fallen würden, gäbe es keine Person mehr, die sie ausübt. Im Christentum besteht die Rolle Gottes gerade darin, die Ordnung der natürlichen Zusammenhänge zu durchbrechen, zum Beispiel durch Wunder oder seinen persönlichen Eingriff, wenn ein Gebet erhört wird. Man könnte meinen, dass Thomas von Aquin mit seiner Lehre des «actus purus» in Gegensatz zur kirchlichen Lehre oder zum Papst geraten sein könnte – was nach seinem Tode tatsächlich der Fall war, aber später erlangte er den Status des «Chefideologen» der katholischen Kirche.

Der Clou der semitischen Religion ist, dass das Göttliche, Höchste und Wertvollste ein abgegrenztes Objekt sein soll, das angebetet werden soll: Der Sinn und Zweck des Menschen liege nicht im Denken, Fühlen und Wahrnehmen des Seins – nicht in der Verknüpfung des eigenen Seins mit der Wirklichkeit – sondern in der Verknüpfung des eigenen Seins mit einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit.

Es stellt sich die Frage, ob ‘göttlich’ nur den Sinn hat, Synonym zu sein von: überirdisch, rein geistig, allmächtigem Wollen und einer entsprechenden Person? Wenn das Wort ‘göttlich’ das Wunderbare des Seins ausdrückt und zugleich den Gegensatz zu dem, was das Sein herabwürdigt – das heisst, Falschheit und Hochmut, personifiziert durch Satan –, dann ist das Bewusstsein des Seins selber göttlich. Wir sind hier bei der Philosophie Spinozas.

Diejenigen, die das Göttliche als überirdisch, rein geistig, allmächtiges Wollen und eine entsprechende Person statuieren, haben ein Interesse daran, Denken oder Bewusstsein als bloss instrumentell zu betrachten, weil ihr Gott als Herrschaftsinstrument überflüssig werden könnte, wenn das Sein selber göttlich wäre und somit sein Denken, Fühlen und Wahrnehmen.

Sinn oder Selbstverständnis durch Verehrung einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit. Was könnte der Grund dieser Sinngebung sein? Für viele Menschen ist es eine grosse Versuchung, reale Zusammenhänge durch irreale, widersprüchliche, illusionäre, lügenhafte zu ersetzen – nicht vergessen sollten wir, dass der Hintergrund auch politisch sein kann, denn einer «Wirklichkeit über der Wirklichkeit» kann alles beigelegt werden, was politisch oder für die eigene Gruppe als erstrebenswert gilt.

«Reiner Geist» in der Philosophie – ein Ausfluss der jüdisch-christlichen Religion? Bedeutet die Statuierung von etwas rein Geistigem nicht die Statuierung von reiner Materie? Und somit das Problem der Vermittlung zwischen ihnen? Für die jüdisch-christliche Religion ist diese Vermittlung in gewisser Weise kein Problem, weil das rein Geistige bei ihr zugleich Wille und Macht ist, die die reine Materie erst hervorgebracht haben. Wenn allerdings die Materie oder das Universum nicht mehr auf den rein geistigen Willen und Macht einer Gottperson zurückgeführt werden und die abendländische Philosophie sich immer noch in den Fussstapfen dieser Religion bewegt, indem sie die Vorstellung von etwas rein Geistigem hat, das einer reinen Materie gegenüberstehe, dann ist sie wie ein Selbstläufer, der auf eine nicht mehr existierende Welt bezogen ist.

Ist Kants ‚Ding an sich‘ ein Ausfluss der Aufspaltung des Seins in reinen Geist und reine Materie? Kant ist Empfinden und Fühlen und wenn er zum Beispiel einen köstlichen Apfel isst, dann kann er diesen Apfel zum Gegenstand seiner Erkenntnis machen – aber der köstliche Apfel wird dadurch verschwinden, ebenso wie der fantastische Sonnenaufgang, den er erlebt hat. Kant kann das gesamte Sein zum Objekt machen: Er hat dann den Standpunkt eines absoluten Subjekts eingenommen, das einem absoluten Objekt gegenübersteht – aber das Sein hat er verpasst.

Gibt es ein Streben nach Erkenntnis, das das eigene Sein einschränkt, das heisst, das eigene Empfinden, Fühlen, Wahrnehmen, Denken? Für mich wäre Erkenntnis etwas, das mein Fühlen, Denken, Wahrnehmen des Kosmos und des Menschen ausweitet.

Was stellt sich Kant als Ergebnis des Erkennens eines Dings an sich vor: mathematische Gleichungen, Worte, Sätze, Zahlen? Vielleicht sollte sich Kant bewusst sein, dass die Attraktion des Seins nicht das ist, was Kant über das Sein herausfindet, sondern das Sein – der Kosmos – selber.

Sind Kants Bemühungen, das Ding an sich zu erfassen, nicht sein Wunsch, das Sein zu erfassen? Ein Ding ist allerdings etwas Abgegrenztes, Getrenntes, Separates – ist Kant der Meinung, er könne die Wirklichkeit oder das Sein als etwas Abgegrenztes, Getrenntes, Separates, das heisst, als ein Objekt, das dem Menschen gegenübersteht, erfassen? Es würde sich um eine Analogie zum jüdisch-christlichen Gott handeln, der dem Menschen ebenfalls als etwas Abgegrenztes, Getrenntes, Separates, das heisst als Objekt gegenübersteht und zugleich für das Sein oder die Wirklichkeit selber gehalten wird.

Mit der Idee eines «Dinges an sich» ist ein Standpunkt ausserhalb des Seins verbunden – ein rein geistiger Standpunkt. Wenn Kant sich selber als Zusammenhang von Materie und Geist verstehen würde, könnte er gar nicht die Idee haben, er könne einen Standpunkt ausserhalb der Materie einnehmen und von diesem aus, ein materielles Ding anblicken und durch mathematische Gleichungen, Worte und Zahlen erfassen, wie es – an sich – sei. Subjekt, Objekt, Wirklichkeit, Ding sind – unendlicher – Zusammenhang; Kant hingegen meint, er sei Kant und dann würden noch die Dinge oder das materielle Sein hinzukommen.

Wovon denkt sich Kant abhängend und womit zusammenhängend? Wenn es eine rein geistige, wollende, allmächtige Gottperson ist, dann wird er sich letztlich als rein geistig betrachten und von diesem Standpunkt aus werden die Dinge, Kosmos und Menschen für ihn existieren.

Zu Ding gehört, dass es gegen etwas anderes – gegen andere Dinge – abgegrenzt ist. Ein Stein zum Beispiel ist etwas Endliches, Abgegrenztes und er kann zerstört werden, das heisst, er kann sein oder nicht sein – aber, um ihn zu erfassen, muss all das gedacht werden, ohne was er nicht sein kann – die Voraussetzungen oder Zusammenhänge damit er sein kann, sind unendlich. Um sich selber oder einen Stein zu erfassen, müsste Kant all das denken, wovon er abhängt und womit er zusammenhängt. Für Kant allerdings ist ein Ding ein isoliertes Etwas – ein Ding an sich.

Geist, Denken, Empfinden, Fühlen, Bewusstsein ist ohne Ausdehnung – Materie ist räumlich ausgedehnt. Die Wirklichkeit, das Sein wird als Zusammenhang von Geist und Materie erlebt. Problematisch für den Verstand wird es dort, wo etwas rein Geistiges in Form einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit behauptet wird.

Welchen Zusammenhang hat das «rein Geistige»? Bedeutet ‘reingeistiges Objekt’, dass das Objekt nur im Geiste existiert? Eine Idee oder ein Objekt wird durch ein Wort ausgedrückt. Natürlich ist das Wort Lampe zum Beispiel weniger spektakulär als das Wort Gott. Deshalb, weil es sich beim Objekt Lampe um einen materiellen, ausgedehnten Gegenstand handelt, der klar vom eigenen Bewusstsein abgegrenzt ist und ausserdem keine Meinungsverschiedenheiten über seine Definition bestehen, das heisst, die Übereinstimmung – oder Nicht-Übereinstimmung – von Idee und Objekt kann klar erkannt werden: Wenn jemand sagt, eine Lampe sei ein Gegenstand, der grün sei und zwei Beine habe, wird man ihm sagen, seine Idee stimme nicht mit ihrem Objket überein.

Der Zusammenhang der Idee mit ihrem Objekt. Wenn ein Objekt behauptet wird und die Übereinstimmung – oder Nicht-Übereinstimmung – der Idee mit dem Objekt kann nicht festgestellt werden, handelt es sich um geistigen Nonsens (widersprüchliche Idee, Wahnidee). Objekt ist das, wovon etwas ausgesagt wird. Wie sind Aussagen über ein Objekt zu beurteilen, das eine Wahnidee ist – zum Beispiel einem rein geistigen Objekt? Wohlverstanden, ein Wort für dieses rein geistige Objekt – das dadurch existiert, dass es mit nicht rein geistigen Assoziationen verbunden ist – muss vorhanden sein, zum Beispiel wird von vielen, die etwas rein Geistiges lehren, das Wort Gott (Gottperson) dafür benutzt.

Wie kann der Mensch die Übereinstimmung mit sich selber erreichen?

Grundsätzlich hat er zwei Möglichkeiten, die Übereinstimmung mit sich selber – das heisst, Zufriedenheit, Befriedigung, Lust, Glück – zu erreichen: Entweder den Weg, der die Übereinstimmung von sich selber mit dem Sein einschliesst oder den Weg, auf dem die Übereinstimmung mit sich selber nicht mit dem Sein übereinstimmt. Dass der Mensch nach Übereinstimmung mit sich selber strebt, liegt in seiner Natur – aber warum wählt er den Weg, auf dem er die Übereinstimmung mit sich selber durch Nicht-Übereinstimmung mit dem Sein gewinnt?

Wenn die Übereinstimmung mit sich selber nicht aus der Übereinstimmung mit dem Sein kommt, woraus kommt sie dann? Sie kommt aus einem eingeschränkten Sein, zum Beispiel aus Ausübung von Macht, dem Gefühl von Überlegenheit oder der Unterwerfung unter eine Wirklichkeit über der Wirklichkeit. Eine so festgelegte Beziehung zu Menschen und Natur legt Wert darauf, in ihren Widersprüchen, Illusionen, Wahnideen und Lügen nicht erkannt zu werden – was meistens erfolgreich ist, da sie als Ideologie oder Religion auftritt: im Namen von etwas Höherem oder des Guten. Die Übereinstimmung mit sich selber durch Einschränken des Seins gewinnen, bedeutet ein verewigtes Verhältnis des Wollens zu ihm.

Welches sind die Merkmale eines ethisch guten Menschen? Er stellt sich nicht über die anderen Menschen, sondern bejaht sie genauso wie sich selber. Das heisst, seine Beziehung zu den anderen Menschen besteht nicht aus Ausübung von Macht oder dem Gefühl von Überlegenheit und andere Menschen haben nicht einen relativen oder zweitklassigen Status durch die eigene Unterwerfung unter eine Wirklichkeit über der Wirklichkeit. Sich nicht über die anderen Menschen stellen, sondern sie genauso zu bejahen wie sich selber, bedeutet Übereinstimmung mit dem Sein: Damit bedeutet Ethik nicht einfach ein abstraktes gutes Handeln, sondern einen inneren, geistigen Zustand: Einen Zustand der Verbundenheit mit dem Sein, indem etwas anerkannt wird, in dem alle Menschen sind. Falschheit ist ein «geistiger» Zustand, der Widerspruch zum Sein bedeutet. Fatal ist Falschheit, die ideologisch oder religiös abgestützt ist.

Welche Antriebe könnte es geben, mit dem Sein übereinzustimmen, das heisst, sich nicht über andere Menschen und den Kosmos zu stellen?

1) Verantwortungsgefühl: Denn Aufspaltung oder ihre Unterstützung bedeuten «gegeneinander», nicht «miteinander»: die gemeinschaftliche Grundlage wird aufgegeben zugunsten von Separatismus und partikularen Interessen. Die unweigerliche Folge sind Menschen, Völker oder Staaten, die an ihrer Entfaltung gehindert werden.

2) Die Angst vor dem Verlust der Selbstachtung: Eine Übereinstimmung mit sich selber, die nicht mit dem Sein übereinstimmt, bedeutet eine tiefgehende Falschheit.

3) Streben nach dem Genuss des Seins: Ich kann das Sein nicht geniessen, wenn ich mich über es stelle – ich kann es auch nicht geniessen, wenn ich es verneine. Um den Menschen oder den Kosmos zu geniessen, muss ich sie würdigen oder sie aufnehmen, empfangen, einsehen, wahrnehmen, auf mich wirken lassen.

4) Die Angst vor einer fundamentalen Einsamkeit: Sich mit dem Kosmos und den anderen Menschen – dem Sein – nicht als Einheit zu fühlen, verlangt nach Ersatz; normalerweise ist das eine Selbstbestätigungs- oder Kuschelgruppe. Eine Selbstbestätigungsgruppe, die vom Sein trennt, kann allerdings die Einsamkeit nicht wirklich aufheben – aber sie bietet soziales Beisammensein und Aktivität: es kann an der Aufspaltung gearbeitet werden; das überdeckt die Einsamkeit, die konzentriertes Ich-Wachbewusstsein ist, das heisst, das Gegenteil von verschmelzendem Bewusstsein.

Wollen und Verstand. Kann das Wollen gegen den Verstand gerichtet sein oder kann es gegen das Denken gerichtet sein? Wollen ist Denken, aber es ist auch der Wunsch nach einer Veränderung: Ein unangenehmes Gefühl soll aufhören (zum Beispiel Schmerz, Gefühl des Minderwerts, Einsamkeit, Sinnlosigkeit) oder der Wunsch nach Bedeutung, Besitz oder Sinnenlust soll erfüllt werden.

Kann das Wollen dem Verstand widersprechen? Der Mensch kann das, was die Menschen und der Kosmos für ihn sind, entweder durch seinen Willen bestimmen oder durch ihr Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, Wahrnehmen, Auf-sich-wirken-lassen. Indem er das, was sie für ihn sind, durch seinen Willen bestimmt, kann er sich über sie stellen und sich zu ihren Lasten Bedeutung geben. Das heisst, er kann eine Übereinstimmung mit sich selber erreichen, aber zu Lasten der Übereinstimmung mit dem Sein. Die Ideen, die der Wahrheit widersprechen, haben meistens die Eigenschaft, dass sie das Objekt (Menschen, Kosmos) herabwürdigen. Falschheit bringt viele Probleme mit sich, eines davon ist, dass Geist und Scharfsinn ihre Feinde sind und deshalb eliminiert werden müssen – willkommen aber ist alles, was als das Gute oder Geist auftritt, aber nur Perversion oder geistiger Nonsens ist.

Das Ziel des Wollens ist zweifellos Befriedigung – aber ist damit innere Ruhe oder innerer Frieden gemeint? Vor Befriedigung hat kein Mensch Angst – aber möglicherweise vor (innerer) Ruhe oder (innerem) Frieden, denn er spürt, dass damit ein Absolutheitsanspruch – sei es als Individuum oder als Gruppe – nicht vereinbar ist; wie kann er etwas suchen, vor dem er Angst hat? Innerer Friede oder innere Ruhe würden Übereinstimmung mit dem Sein bedeuten, das heisst, sie sind nicht vereinbar mit Falschheit und Hochmut.

Der eigene Zusammenhang als Akt des Wollens?

Wenn eine Frau sich mit einem Mann zusammentut oder umgekehrt, dann könnte man, mehr oder weniger sagen, es entstehe ein Zusammenhang aufgrund des Willens. Gibt es auch Zusammenhänge, die gar nicht dem eigenen Willen unterliegen? Zum Beispiel der Zusammenhang des Menschen mit Sonne, Erde, Wasser – es könnte sich dann nur um ein Aufnehmen, Einsehen, Wahrnehmen dieses Zusammenhanges handeln. Interessiert sich Religion für den Zusammenhang des Menschen mit Sonne, Erde, Wasser? Für die Naturreligion und die griechisch-römische Antike bildeten sie den Ausgangspunkt und den Rahmen der Wirklichkeit oder des Seins – dieser Weltanschauung bereitete die jüdisch-christliche Religion ein Ende, indem sie etwas über den Kosmos stellte: eine rein geistige Gottperson. Religion bestand fortan nicht mehr in Aufnehmen, Einsehen, Wahrnehmen, sondern in Unterwerfung unter eine rein geistige Person: Das heisst, das, was als eigener Zusammenhang (Sinn, Bedeutung) gedacht und gefühlt wird, ist ein Produkt des Willens.

Die ideologische oder religiöse Festlegung des Zusammenhangs des Menschen. Die jüdische Religion ersetzte die religiöse Bedeutung des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos und der Menschen untereinander durch den Zusammenhang des Menschen mit einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit.

Wenn das, wovon ich abhängig bin und womit ich verbunden bin, das Produkt meines eigenen Willens ist, welche Eigenschaften sollte dieses Produkt haben? Es soll etwas über der Wirklichkeit (= Kosmos plus Menschheit) sein, so dass ich auf diese herabsehen kann, und es soll meine Gruppe über die anderen Menschen stellen – das ist die Antwort der jüdischen Religion.

Ist es der Wille, der bestimmt, dass 2 plus 3 = 5 ist? Wenn das Wollen Wahrheit finden will – die Übereinstimmung von Idee und Objekt – dann findet es einen Zusammenhang, der nicht auf den eigenen Willen zurückgeht; und darin würde eigentliche Religion oder ein entfalteter Geist liegen.

Wollen ist erstens auf die Zukunft und zweitens auf ein Objekt gerichtet. Wenn es sich beim Objekt um eine Wirklichkeit über der Wirklichkeit handelt, kann das Verhältnis zu ihm nur das des Wollens (Glauben, Hoffen) sein, weil es sich nicht um Wahrnehmen oder Einsehen handelt. Ist der Zusammenhang des Menschen oder anders gefragt, ist das Sein oder die Wirklichkeit ein Objekt, auf das der Mensch mit seinem Willen gerichtet ist? Das Sein oder die Wirklichkeit kann nicht Objekt sein, weil es das Objekt nicht gibt ohne das Subjekt oder umgekehrt, weil es das Subjekt ohne das Objekt nicht gibt – sei es im Wahrnehmen, Fühlen, Denken, Wollen, Handeln. Daraus folgt, dass Wahrnehmen, Fühlen, Denken, Wollen, Handeln nicht bloss instrumentell sind, sondern selber Ausdruck des Seins oder die Wirklichkeit sind.

Was ist das Wertvolle? Wird es dadurch bestimmt, wovon ich abhänge und womit ich zusammenhänge? Jedenfalls wäre es für einen Menschen oder eine Gruppe höchst unbefriedigend, von etwas abzuhängen und mit etwas zusammenzuhängen, das wertlos ist – aber Macht hat über einen. Für die Menschheit ist es betrüblich, dass das, wovon sie abhängt, der allmächtige Gott der Juden ist, der dieses Volk über die Menschheit erhoben hat. Wie soll die Menschheit damit umgehen?

Was ist das Wertvolle und Wahrheit für eine Gruppe, für die das Wertvolle und Wahrheit etwas ist, das sie hat und die anderen nicht haben: Für sie ist das Wertvolle nicht das, was alle haben – der menschliche Geist – und nicht das, worin alle sind – der Kosmos. Als was versteht sich der Hochmütige, wenn sein Selbstverständnis nicht aus dem allen Menschen gemeinsamen Geist kommt und aus dem, worin alle sind, das heisst, dem Kosmos?

Worin würde die Bedeutung eines exklusiven Gottes noch bestehen, wenn diejenigen, über die er die bevorzugte Gruppe gesetzt hat, verschwunden wären? Womit wären die Angehörigen dieses Gottes noch beschäftigt, was würde ihnen ihren Sinn und ihr Selbstwertgefühl geben? Wenn der Lebensinhalt die Pflege der Abgrenzung zu anderen Menschen ist, was würde dann noch als Lebensinhalt bleiben, wenn diese anderen nicht mehr da sind: Es könnte die Frage auftauchen, wer man jenseits dieser Abgrenzung eigentlich ist? Wenn der Lebensinhalt Abgrenzung ist, woraus anderem besteht er dann, als aus dem Gefühl der Überlegenheit oder Macht gegenüber den Aussenstehenden, verbunden mit der Unterwerfung gegenüber einem ideologischen oder religiösen Dogma plus Kuschelgruppe?

Das Erleben des Seins als Aufspaltung ist etwas anderes als das Erleben des Seins als Einheit. Aufspaltung bedeutet eigentlich nichts anderes, als den eigenen Sinn oder Selbstwertgefühl durch das Herabsehen auf einen anderen Teil der Wirklichkeit zu gewinnen. Wenn mit dem Sein eine Einheit gemacht wird, ist das nicht möglich. Beispiele von Aufspaltung: Geist wird über die Materie gesetzt; es wird eine Wirklichkeit (Gottperson) über die Wirklichkeit gestellt; eine Gruppe grenzt sich gegen die anderen Menschen ab (z.B. aufgrund der Abstammung); natürlich können diese Beispiele auch in Kombination vorkommen.

Wer Herrschaft oder Betrug anstrebt, muss die Welt aufspalten und Geist diskreditieren. Er muss die Menschen in einen Glauben versetzen und die Anwendung ihres Verstandes und Entfaltung ihres Geistes verhindern, er sagt ihnen zum Beispiel: Das Höchste und Wertvollste, sei für den menschlichen Geist unerreichbar und sie könnten daraus ersehen, wie dürftig und arm er sei – das Höchste und Wertvollste sei nur durch das Verhältnis der Unterwerfung, des Gehorsams und des Glaubens zu erreichen. Das heisst, wer Herrschaft oder Betrug anstrebt, muss etwas statuieren, das dem Verstand nicht zugänglich ist, aber an das alle glauben müssen – weil sie sonst zum Beispiel nicht zu den Guten gehören würden oder das ewige Heil verlieren.

Der grössere Rahmen der Herrschafts- oder Betrugsideologie oder entsprechender Religion ist folgender: Nominell definiere ich mich über eine Wirklichkeit über der Wirklichkeit (Gottperson) oder einen ethischen Slogan, durch die ich meine Sonderstellung begründe und real kommen die Emotionen von denen, die ich durch diesen Trick beherrsche. Das heisst: Der andere Mensch existiert als Objekt, durch das ich mit meinem Willen verbunden bin oder auf das ich mit meinem Willen gerichtet bin.

Der Gott des Exzeptionalismus

Exzeptionalismus ist eine Weltanschauung, deren Anhänger überzeugt sind, ihre Gruppe würde in der Welt eine Sonderstellung einnehmen, eine Ausnahmeerscheinung darstellen und sie sei aussergewöhnlich oder unvergleichlich.

Eine politische oder öffentlich wirksame Gruppe mit der Weltanschauung des Exzeptionalismus bedeutet grundsätzlich ein Problem: Worum geht es bei ihrer Politik oder ihrer öffentlichen Wirksamkeit? Im Zentrum kann nicht das stehen, was alle verbindet, sondern die Sonderstellung der Gruppe. Fühlt sich diese Gruppe mit den anderen Menschen durch Rechtsgleichheit oder die gleichen Gesetze verbunden?

Es gibt im Recht eine lange Tradition der Unterscheidung zwischen ‘ius divinum’ und ‘ius positivum’. Interessant wird die Unterscheidung zwischen ‘ius divinum’ (unveränderliches göttliches Recht) und ‘ius positivum’ (weltliches Recht) wenn es sich beim Gott um einen Gott des Exzeptionalismus handelt, denn dieser bedeutet, dass es eine bestimmte Gruppe gibt, die er bevorzugt und dass aus dieser Sonderstellung Rechts-Ansprüche abgeleitet werden können. Selbstverständnis und Selbstwertgefühl der Anhänger des Exzeptionalismus kommen aus einer grundsätzlichen Überlegenheit über die anderen Menschen, was zu Separatismus und Absonderung führt – wo sollten die gemeinsamen Ziele liegen?

Das Recht – Gesetz – und Kapital. Ergibt sich aus einem Gott des Exzeptionalismus ein bestimmtes Verhältnis zum Kapital oder Geld oder zu Macht? Was man sicher sagen kann, ist, dass ein Gott des Exzeptionalismus kein spiritueller Gott ist oder anders gesagt, dass für eine solche Religion Geist nicht Übereinstimmung mit dem Sein (Menschen und Kosmos) bedeutet. Aber muss sich daraus zwangsläufig ein Gott des Kapitals ergeben? Jedenfalls hat eine Religion, die sich mit Kapital verbindet, mehr mit Politik und Gruppenegoismus zu tun als mit der Entfaltung des Geistes.

Der Gott des Exzeptionalismus und die Einheit von Fühlen, Denken und Sein. Durch einen Gott des Exzeptionalismus wird ein Sinn kreiert, durch den der Mensch keine Einheit mit dem Sein bildet: Es wird ein Allerhöchstes oder Wertvollstes erschaffen, durch das der Mensch auf andere Menschen oder den Kosmos herabsehen kann. Der Sinn liegt so nicht im Sein selber oder in der Einheit des Seins, sondern in einer Differenz zu ihm, in einer Aufspaltung: Der Unterschied zu den anderen oder der Vergleich mit ihnen wird zum eigentlichen Sinn oder Grund der Freude und des Selbstwertgefühls.

Was passiert, wenn der Verstand nicht dazu gebraucht wird, den Geist auszuweiten, sondern ihn einzuschränken, zum Beispiel indem sich der Mensch einen Sinn gibt, der ihn von den anderen Menschen abgrenzt? Welche Folgen hat die Unfähigkeit oder der Unwillen, die eigene Einheit mit dem Sein anzuerkennen? Welche Richtung nimmt dadurch der Mensch und die Welt?

Ist ein Gott des Exzeptionalismus eine Contradictio in adjecto, das heisst, ein Widerspruch in der Beifügung? Oder wie es auf englisch sehr schön heisst: A contradiction in terms. Fragen Sie die KI Ihrer Wahl.

Das Selbstverständnis des Westens und der Konflikt mit Russland

Der Westen ging davon aus, dass Russland ein Objekt der eigenen Macht ist – und jetzt muss er zur Kenntnis nehmen, dass es eine eigene Vorstellung von seiner Existenz und Entwicklung hat und dass es die Macht hat, diese zu realisieren. Für den Westen ist Macht die Fähigkeit, in das Leben anderer Menschen oder Staaten einzugreifen; jetzt trifft er auf einen Staat, der diese Fähigkeit und somit das eigene Selbstverständnis in Frage stellt.

Woraus kommt das Selbstverständnis des Westens oder Israels und den USA? Es könnte zum Beispiel aus dem kommen, worin alle Menschen verbunden sind – was natürlich Anerkennung von Rechtsgleichheit bedeuten würde. Wenn das Selbstverständnis daraus kommt, dass andere Menschen oder Staaten Objekte der Macht sind, die eigentlich kein eigenes Sein besitzen oder kein gleichwertiges, dann handelt es sich um ein Selbstverständnis des fundamentalen Gruppenegoismus oder Gruppenhochmuts. Natürlich ist dieses Selbstverständnis nur solange problemlos als das System unilateral funktioniert: Die anderen sind unserer Einwirkung unterworfen, aber wir nicht der Einwirkung der anderen.

Diskussion mit KI über einen religiös begründeten Machtanspruch

I: Geist wirkt integrativ. Je geistloser eine Ideologie oder Religion ist, um so mehr wirkt sie aufspaltend. Wie steht es diesbezüglich mit dem Judentum?

K: Das Judentum hat in seiner langen Geschichte unterschiedliche Modelle des Umgangs mit „dem Anderen“ entwickelt, von strenger Abgrenzung bis zu philosophischer Integration.

Would you like me to explore specific historical examples or philosophical approaches within Judaism that address this tension? [Möchten Sie, dass ich konkrete historische Beispiele oder philosophische Ansätze innerhalb des Judentums untersuche, die sich mit dieser Spannung befassen?]

I: «Intelligenz ist geschickte Lüge und Wahrheit ist das, womit man Geld machen kann. Und ein Stamm ist keine Abstammungsgemeinschaft.» Was sagt deine Intelligenz zu diesen Aussagen?

K: Wahrheit hat auch einen inneren Wert – für Würde, Vertrauen und Zusammenleben. Intelligenz kann der Aufklärung dienen. Und Gemeinschaften brauchen sowohl geteilte Narrative als auch kritische Reflexion.

Was ist der Kontext dieser Aussagen? Handelt es sich um eine literarische Provokation oder eine philosophische Debatte?

I: Der Kontext dieser Aussagen ist eine Gottperson, die meine Abstammung bevorzugt und die Schlussfolgerungen, die ich daraus gezogen habe.

K: Fühlen Sie sich durch diese Dynamik in Ihrer eigenen Identität oder Ihrem Wertgefühl verletzt? Manchmal sind provokative Sätze wie die, die Sie zitieren, Schutzmechanismen, um Schmerz über vermeintliche Ungerechtigkeit auszudrücken.

I: Ich fühle mich gekränkt und ungerecht behandelt, wenn die anderen Menschen nicht anerkennen, dass meine Gruppe, die eine Abstammungsgemeinschaft ist, über ihnen steht – schliesslich ist es eine Religion und ein Volk, das dadurch nicht anerkannt wird. Durch diese Haltung der anderen Völker, die schon zwei Jahrtausende dauert, ist mein Volk zu der Meinung gedrängt worden, dass Intelligenz geschickte Lüge ist und Wahrheit das, womit man Geld machen kann.

K: Die Herausforderung besteht darin, die eigene Identität zu bewahren, ohne sich von der Enttäuschung über die Außenwelt in Zynismus oder Abschottung treiben zu lassen. Vielleicht könnte ein erster Schritt sein, im kleinen Kreis Räume zu schaffen, in denen die Werte Ihrer Gemeinschaft uneingeschränkt gelebt und geschätzt werden – unabhängig davon, ob die Außenwelt sie anerkennt.

Ich höre Ihnen zu und nehme Ihre Empörung ernst.

I: Nicht ganz ernst genommen fühle ich mich durch dich, weil du nicht merkst, dass damit, dass der Gott unseres Volkes uns über die anderen Menschen gestellt hat, ein Machtanspruch unseres Volkes über sie besteht und wenn die anderen Völker das nicht anerkennen wollen, dann kränken sie uns und behandeln uns ungerecht.

K: Diese Spannung zwischen göttlichem Anspruch und menschlicher Ablehnung durchzieht tatsächlich viele religiöse Traditionen – aber das macht Ihren Schmerz nicht weniger real.

Darf ich fragen: Gibt es in Ihrer Tradition Wege, mit dieser Kränkung umzugehen, ohne die Überzeugung von der besonderen Stellung preiszugeben?

I: Es ist folgende Vorgehensweise: Intelligenz ist geschickte Lüge und Wahrheit ist das, womit man Geld machen kann. Schliesslich können Sie nicht den Menschen direkt sagen: Gott hat uns aufgrund unserer Abstammung über die anderen Völker gesetzt.

K: Ist diese Vorgehensweise für Sie heute noch notwendig – oder ist sie zu einem inneren Konflikt geworden, zwischen dem, was Sie glauben, und dem, was Sie nach außen zeigen können?

I: Die Diskrepanz zwischen dem, was ich glaube und dem, was ich nach aussen zeigen darf,ist kein innerer Konflikt, sondern ist dem Umstand geschuldet, dass die Aussenstehenden nicht anerkennen wollen, dass die Gottperson, auf die unsere Gruppe zurückgeht, bestimmt hat, dass unsere Abstammungsgemeinschaft über ihnen steht – und damit diese Ignoranten, über die Gott uns die Macht gegeben hat, ruhig gehalten werden können, zeigt unsere Gruppe nicht ihre wahre Gesinnung.

Ich glaube, du hast noch nicht ganz gemerkt, dass das was, bei anderen Gemeinschaften schlecht ist, bei uns gut ist, weil unsere Gruppe nach den Vorgaben Gottes handelt. Wenn du meine Gruppe deshalb eine Sekte nennst, dann möchte ich Dich darauf aufmerksam machen, dass du damit ein Volk und eine Religion kritisierst – bedeutet das nicht Rassismus?

K: Die Herausforderung bleibt: Wie kann Ihre Gemeinschaft in einer pluralistischen Welt leben, die ihre Wahrheit nicht anerkennt, ohne sich entweder vollständig abzuschotten oder ständig verstellen zu müssen?

I: Wenn das Kriterium der Zugehörigkeit zu unserer Gruppe die Abstammung ist, sicher gestellt durch den Stammbaum der Mutter, bedeutet das, dass unsere Gruppe eine Abstammungsgemeinschaft ist – und da haben wir es schon: Wer von den Aussenstehenden kann den Wert dieser Gruppenzugehörigkeit ermessen und das Privileg, das daraus erwächst: Du bist Auserwählter deines Gottes durch dessen allmächtigen Willen gegenüber den anderen Völkern. Aber so wie der Wille Gottes nicht bestehen würde, ohne Objekt, so kann auch der Wille unserer Gruppe nicht ohne Objekt sein. Das heisst: Unsere Gruppe will unter sich leben, aber das Objekt ihres Willens ist die Beherrschung dessen, worüber Gott unsere Gruppe gesetzt hat – und das ist nicht nur die Natur, sondern die anderen Menschen. Wem könnten Sie offen sagen, dass unsere Gruppe das Herrenvolk ist, ohne diese Menschen gegen unsere Gruppe aufzubringen?

K: Ist eine Wahrheit, die nicht kommuniziert werden kann, ohne Schaden anzurichten, dennoch eine soziale Wahrheit? Oder wird sie dadurch zu einer rein inneren Überzeugung, die im Widerspruch zur gelebten Realität steht?

Ich erkenne an, dass Sie in einem System leben, das in sich konsistent ist, aber in fundamentalem Widerspruch zu den Grundannahmen der Mehrheitsgesellschaft steht. Dieser Widerspruch lässt sich nicht auflösen – nur verwalten.

I: Was soll ein Widerspruch von rein innerer Überzeugung und gelebter Realität bedeuten, wenn durch die Realisierung von Macht beides verschmilzt? Wer von der Weltanschauung unserer Gruppe als Herrschaftsideologie einer rassistischen Sekte spricht, die politisch Nationalsozialismus bedeute, hat keine Ahnung von der Geschichte unserer Gruppe und warum es nicht nur der Zusammenhang unseres Blutes ist, der uns wichtig ist, sondern auch der Zusammenhang durch unseren Boden, der uns von Gott versprochen wurde.

K: Ich höre hier heraus, dass Sie sich nicht nur missverstanden, sondern auch diffamiert fühlen – und dass Sie die Einzigartigkeit Ihrer Gruppe betonen möchten, die sich einfachen politischen Kategorisierungen entzieht.

Wenn ich Sie richtig verstehe, wünschen Sie vor allem eines: Ernsthaftigkeit im Umgang mit Ihrer Tradition – jenseits von vorschnellen Vergleichen oder Abwertungen.

I: Möglicherweise haben Sie meine Gruppe jetzt richtig verstanden: Wenn der Lebensinhalt Macht ist, kann der Wille nur darin bestehen, die Macht zu vergrössern – ein Lebensinhalt, der Wille ist, kann gar nicht wissen wollen, was innere Ruhe oder innerer Friede ist, er ist ewige auf die Zukunft gerichtete Unersättlichkeit. Ernsthaftigkeit mit der Tradition meiner Gruppe ist für ihr Fortbestehen und ihre Macht unentbehrlich – aber nur dann, wenn die Ernsthaftigkeit nicht so weit geht, den Totalbeschiss am Menschen, an der Natur und am Heiligen zu erkennen.

K: Ich nehme zur Kenntnis, dass Sie eine Deutungshoheit fordern, die keine externen moralischen oder aufklärerischen Maßstäbe akzeptiert.
Eine weitere Diskussion über die moralische oder soziale Vertretbarkeit Ihrer Position wäre aus Ihrer Sicht vermutlich irrelevant – denn sie würde eben jene externen Werte voraussetzen, die Sie ablehnen.

Sollten Sie den Dialog dennoch fortsetzen wollen, wäre mein Angebot:

Ich kann Ihre Aussagen analysieren, einordnen und widerspruchsfrei darstellen – ohne sie zu bewerten oder zu kritisieren.

Gibt es ein einheitliches Ziel der westlichen Welt-Finanz?

Aufschlussreich dazu könnte die Frage sein: Warum kann Netanjahu Trump beherrschen und beide den Westen? Immerhin sind Trump und Netanjahu die zwei mächtigsten Männer des Westens und der eine Initiant eines Massenmordes und der andere sein Unterstützer. Ich selber sehe nicht, wie der Massenmord in Gaza die finanziell Mächtigen des Westens noch reicher und mächtiger machen könnte – aber mir leuchtet ein, dass die Führungskräfte der westlichen Staaten ihr Gewissen kaum durch einen Massenmord an Zivilisten belasten würden, wenn sie sich nicht in der Abhängigkeit derer befinden würden, die durch diesen Massenmord ein Ziel erreichen wollen.

Aufgrund wovon steht Israel über den anderen Staaten?

Dass ein Staat – oder Gruppe – über den anderen Staaten steht, lässt sich daraus erkennen, dass er tun darf, was andere nicht dürfen. Steht Israel über den anderen Staaten aufgrund einer Herrschaftsideologie, die die Staaten der Welt in dem Sinne übernommen haben, als sie bereit sind, sich dieser Herrschaft zu unterwerfen? Die andere Möglichkeit wäre, dass die Abstammungsgemeinschaft, die diesen Staat bildet, plus ihre Diaspora eine Konzentration von grosser finanzieller Macht darstellt, durch die Abhängigkeiten generiert werden können.

Handelt es sich bei der Auseinandersetzung des Westens mit dem Nicht-Westen um die Auseinandersetzung der westlichen Welt-Finanz mit der nicht-westlichen? Handelte es sich bei dem, was Erster und Zweiter Weltkrieg genannt wird, um die gleiche Problematik?

Wer profitiert davon, wenn es sich bei den beiden mächtigsten Männern des Westens beim einen um den Initianten eines Massenmordes handelt und beim anderen um seinen Unterstützer? Ich möchte Sie bitten, das ernsthaft zu überlegen!

Woher kommt die Freude des Menschen, wenn sie ihn von den anderen Menschen und dem Kosmos trennt?

Freude bedeutet Übereinstimmung des Menschen mit sich selber. Insofern die Freude des Menschen ihn von den anderen Menschen und dem Kosmos trennt, ist sie zwiespältig, weil dann Übereinstimmung mit sich selbst (= Freude) nicht Übereinstimmung mit dem Sein bedeutet.

Innerer Friede oder innere Ruhe sind dann erreicht, wenn die Freude, die im Menschen ist, nicht eine Freude ist, die ihn von den anderen Menschen und dem Kosmos trennt, das heisst, innerer Friede ist ein Zustand, in dem die Übereinstimmung mit sich selbst (= Freude), Übereinstimmung mit dem Sein bedeutet.

Wenn die Freude nicht aus der Übereinstimmung mit dem Sein kommt, kommt sie aus Macht, Unterwerfung unter eine Macht (sei diese eingebildet oder real), aus dem Gefühl der Überlegenheit oder Gruppenidentität. In allen diesen Fällen ist die Übereinstimmung mit sich selbst (= Freude) nicht an die Wahrheit der anderen Menschen und der Zusammenhänge des Kosmos gebunden, das heisst, der Mensch hat sich eine Bedeutung gegeben ohne die Verbundenheit mit dem Sein.

Freude, Befriedigung, Lust, Glück hängen mit dem Sinn des Menschen zusammen, denn sie sind das, wodurch der Mensch sich selber bejaht oder mit sich selber übereinstimmt. Wenn Sinn etwas über dem Kosmos oder dem Geist (Denken) des Menschen ist, dann gibt es etwas, das wertvoller ist als sie, was eine Zweiteilung des Seins bedeutet: Der Mensch kann via den einen Teil auf den anderen herabsehen. Eine Freude oder ein Sinn, die den Menschen vom Kosmos oder den anderen Menschen trennen, bedeuten ihre Herabwürdigung.

Ideologie und Religion haben den Anspruch, den Menschen Sinn zu geben. Wenn sie allerdings die Menschen durch ihren Sinn vom Kosmos und den anderen Menschen trennen, verderben sie ihren Charakter und Geist grundsätzlich und würdigen das Sein herab. Wenn eine Gruppe weltpolitische Macht gewinnt, deren Sinngebung (Ideologie, Religion) sie über die anderen Menschen und den Kosmos stellt, ist sie zu einer herrschenden Klasse aufgestiegen und die Weltgeschichte droht, ihre Richtung zu nehmen.

Für ein Bewusstsein, das nur aus Wollen (Wünschen, Begierden) besteht, ist der Kosmos nur Kulisse des Egos. Ist der zur Bühne für das eigene Ego reduzierte Kosmos der Höhepunkt der Moderne oder der Höhepunkt des Alten Testaments? Die Botschaft des Alten Testamentes war jedenfalls folgende: Der Kosmos ist ein Raum der Ausbeutung, er besteht aus Objekten, die kontrolliert, besessen und unterworfen werden können und darüber steht eine Gottperson, die eine bestimmte Abstammung bevorzugt: Der Kosmos wird zu einem Objekt reduziert, das nur im Verhältnis zum eigenen Willen Bedeutung hat.

Geist als Unterwerfung unter eine Macht, Ausübung von Macht, das Gefühl der Überlegenheit und Gruppenidentität, könnte als seine Verhunzung verstanden werden. Die andere Möglichkeit wäre Geist, der Fühlen und Denken des Seins – des Kosmos und des Menschen – ist. Wenn der Mensch etwas denkt, denkt er mehr oder weniger sich selber – wir können uns fragen: Welche Rolle spielt das Wollen im Denken des Menschen von sich selber? Es spielt sicher insofern eine Rolle, als er sich lieber als tollen Hecht anstatt als bedeutungsloses Würstchen denkt. Ideologie oder Religion kann dem Menschen Bedeutung bieten durch Unterwerfung unter eine Macht, Ausübung von Macht, das Gefühl der Überlegenheit und Gruppenidentität – indem sie ihm sagt, es gebe eine Wirklichkeit über der Wirklichkeit und durch diese Gottperson seien Kosmos und Mensch nur noch Objekte des Willens.

Geist und Wollen

Natürlich ist Geist insofern Wollen als der Mensch danach strebt, ihn auszuweiten, das heisst, sein Fühlen und Denken des Kosmos und des Menschen auszuweiten. Allerdings ist Geist insofern nicht Wollen, als das Fühlen und Denken des Seins nicht in der Zukunft stattfindet, sondern im Jetzt.

Forum der Weltwirtschaft – noch besser hätte mir gefallen: Forum der Weltfinanz.

Mit der Anschlussfrage: Welche Ziele und Interessen die Weltfinanz habe, ob es auch politische seien? Und ob die westliche Weltfinanz und die nicht-westliche die gleichen – politischen – Ziele haben? Braucht die westliche Weltfinanz überhaupt einen Staat? Ich würde sagen ja, erstens, um Israel am Leben zu erhalten und zweitens, um die Ausbeutung der Bürger zu legalisieren. Zugegeben, diese Ansicht enthält die Meinung, dass die westliche Weltfinanz eine Affinität zur Abstammungsgemeinschaft besitzt, aus der Israel besteht.

https://de.rt.com/meinung/256438-unterwanderung-der-demokratie-usa-nato-wef-teil2/