Das Streben nach Befriedigung und das Recht

Was gibt einem Menschen, Gruppe oder Staat Befriedigung? Wenn ihr Sinn und Freude aus einer Ideologie (Religion) kommt, die ihnen sagt: Ihr steht über den anderen Menschen, ergibt sich daraus gegenüber Aussenstehenden zwangsläufig ein problematisches Rechtsverhältnis bzw. Missachtung der Rechtsgleichheit.

Haben Israel und USA eine Ideologie, die sie über die anderen Menschen stellt – ihr aussenpolitisches Handeln kann eigentlich nur so erklärt werden. Aus dem Anspruch der Auserwähltheit leiten sie einen Anspruch auf Ressourcen ab.

Der Erfolg einer Ideologie der Aufspaltung bzw. einer entsprechenden Gruppe kann eine Sogwirkung entfalten: Individuen, Gruppen oder Politiker können dazu animiert werden, sich mit dieser Gruppe in der gleichen Art der Befriedigung zusammenzuschliessen, um Macht, Überlegenheit und Zugehörigkeit zu erleben. Gibt es eine Komplizenschaft des Westens mit einer völkischen Gruppe, die einen Gott anbetet, der sie über die anderen Menschen gestellt hat – eine solche Komplizenschaft wäre dazu geeignet, die Kluft zwischen Westen und Nicht-Westen zu vergrössern bzw. aufrechtzuerhalten und mit ihr die Missachtung von Rechtsgleichheit.

Ideologie der Aufspaltung und finanzielle Macht. Mich würde der Zusammenhang einer Religion (Ideologie) der Abgrenzung, Auserwähltheit und Macht mit Geld (Finanzmacht) interessieren. An sich sollte Religion – Sinngebung – erstens nicht ausschliessend sein und zweitens diese Gruppe nicht zu einem finanziellen Exponenten machen; sonst wird der Vorwurf einer Finanzsekte nicht lange auf sich warten lassen.

Ethik und das Streben nach Befriedigung. Unter Ethik könnte man die Fähigkeit verstehen, das andere genauso zu bejahen, wie sich selber. Diese Fähigkeit geht sehr gut zusammen mit Recht und Rechtsgleichheit als auch mit der Übereinstimmung des Menschen mit dem Sein oder der Würdigung des Menschen und des Kosmos – aber sie reibt sich mit dem Wunsch, über den anderen zu stehen.

Für das Zusammenleben der Menschen und ihre innere Ruhe wäre eine Weltanschauung (Religion, Ideologie) anzustreben, durch die der Mensch Freude und Befriedigung daraus schöpft, das andere genauso zu bejahen wie sich selber und nicht daraus, über anderen Menschen und dem Kosmos zu stehen. Für eine Weltanschauung in der das Streben nach Befriedigung und Ethik zusammenstimmen, ist Geist im Sinne von ‘vertieftes Fühlen und Denken des Seins’ der zentrale Begriff, da er einhergeht mit dem Genuss des Seins, das heisst, Freude und Übereinstimmung mit ihm.

Welche Befriedigung gewährt es, das andere genauso zu bejahen wie sich selber? Es gewährt die Befriedigung der Übereinstimmung und Einheit mit dem eigenen Geist – dazu ist es allerdings nötig, einen Begriff von Geist zu haben: Geist ist das Fühlen und Denken des Ganzen: Das Höchste und Wertvollste zu etwas Eingeschränktem, Abgegrenzten machen, ist verführerisch – aber es ist Geist entgegengesetzt.

Das Fühlen und Denken des Ganzen ist nicht das Fühlen und Denken eines Objekts, zum Beispiel eines Gottobjekts zu dem das Verhältnis der Unterwerfung, Anbetung, Gehorsams und Glaubens besteht – sondern es ist eigentlich ein geistiger Zustand, in dem der Kosmos und die Menschen vom Kleinen bis zum Grössten als unendliches Geheimnis erlebt werden. Wobei mir natürlich klar ist, dass der Alltag für dieses Bewusstsein nicht immer Raum lässt.

Welche Befriedigung gewährt es, sich über andere Menschen und den Kosmos zu stellen? Was der Mensch als seinen Nutzen betrachtet, ergibt sich aus seiner Ideologie oder Religion. Welche Vorstellung von Nutzen ergibt sich aus einer lebensfeindlichen oder menschenfeindlichen Ideologie – zum Beispiel einer Ideologie der Auserwähltheit der eigenen Abstammung durch ein Gottobjekt? Es ergibt sich eine Befriedigung, die nicht auf der Übereinstimmung mit der Wahrheit der anderen Menschen und den Zusammenhängen des Kosmos beruht, sondern auf einer Wahnidee mit politisch-psychologischem Hintergrund. Als psychologischen Hintergrund einer lebensfeindlichen oder menschenfeindlichen Ideologie (Religion) kann man sich Neid oder Unfähigkeit zur eigenen Befriedigung vorstellen und als ihr höchstes Gefühl Häme (Spott und Schadenfreude). Neid und die Unfähigkeit zur eigenen Befriedigung können dazu führen, dass der Wunsch, dem anderen zu schaden, grösser ist, als der Wunsch, sich selber zu nützen.

Bedeutet die Befriedigung, anderen zu schaden, sich selber förderlich sein? Bedeutet sie, der Entfaltung des eigenen Geistes förderlich sein? Anders gefragt: Bedeutet ein Einschränken des Seins der anderen Menschen, das Ausweiten des eigenen Seins? Es würde heissen, dass etwas, das der Entfaltung des Geistes entgegengesetzt ist, dem Menschen förderlich ist. Die Befriedigung daraus, sich selber zu schaden, ist eigentlich pathologisch.

Woher kommt der Wunsch, Befriedigung darin zu finden, andere Menschen nicht zu ihrer Entfaltung kommen zu lassen, das heisst, ihnen zu schaden? Offensichtlich ist, dass die Unfähigkeit zur eigenen Befriedigung und Neid den Wunsch anstachelt, anderen zu schaden.

Das Fühlen einer Einheit oder Übereinstimmung mit anderen Menschen ist sehr befriedigend – wenn allerdings das Fühlen einer Einheit sich auf eine abgegrenzte Gruppe bezieht, dann wird die Befriedigung nicht aus der Einheit des Seins geschöpft, sondern aus einer Abgrenzung zu ihm, das heisst, aus den anderen Menschen mit der Verknüpfung, dass sie unter der eigenen Gruppe stehen: Unter Geist kann so nicht die Einheit des Seins verstanden werden oder die Harmonie des Ganzen.

Hinterlasse einen Kommentar