Eine Wirklichkeit über die Wirklichkeit zu stellen und ihr einen Willen beizulegen, hat grosse politische Vorteile: Dem eigenen Willen oder dem der eigenen Gruppe werden damit höhere Weihen verliehen.
Zeugt die Idee, über die Wirklichkeit eine andere zu setzen, von geistiger Tiefe oder handelt es sich eher um politische Durchtriebenheit? Wenn der Wille der übergeordneten (transzendenten) Wirklichkeit statuiert, dass die Abstammung der eigenen Gruppe über der der anderen Menschen steht, kann es sich kaum um etwas anderes, als politische Durchtriebenheit oder ins Masslose getriebene Stammespolitik handeln.
Eine Wirklichkeit über der Wirklichkeit, die dem Menschen sagt, seine Abstammung stehe über der der anderen Menschen, ist gleichbedeutend damit, ihm zu sagen, etwas, das den Menschen in Gegensatz zu Rechtsgleichheit bringt oder ihn zur Herabwürdigung anderer Menschen führt, sei das Wertvolle, Erstrebenswerte oder das, worin sein Sinn liege. Für einen unbefangenen Beobachter hat eine solche Ideologie oder Religion nichts mit Geist oder Gott zu tun, sondern mit Geistlosigkeit, Charakterlosigkeit und Satan. Man kann sich die Frage stellen: Kann der Geist und der Charakter wirksamer verdorben werden als durch eine solche Ideologie oder Religion?
Wenn die Idee von mir selber, der Natur und den anderen Menschen von einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit (Gottperson) stammt, dann kommt sie aus dem Willen – nicht aus dem Fühlen, Denken, Wahrnehmen, Auf-sich-wirken-lassen. Die Würdigung – oder der Genuss – des Seins ist allerdings nicht möglich, ohne sein Fühlen, Denken, Wahrnehmen, Auf-sich-wirken-lassen.
Natürlich könnte ein Wille, gemäss dem die Abstammung der eigenen Gruppe über der der anderen Menschen steht, als rassistisch, geistlos und charakterlos aufgefasst werden – wenn dieser Wille allerdings von einer Gottperson ausgesagt wird, das heisst, von einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit, dann werden ihm damit höhere Weihen verliehen und die eigene Selbsterhöhung bekommt einen unhintergehbaren Rahmen. Gruppenegoismus, der sich als göttliche Auserwähltheit ausgibt, kann Jahrtausende Bestand haben und seine Bindungen sind fester als beim säkularen Rassismus.