Der Trick mit einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit

Eine Wirklichkeit über die Wirklichkeit zu stellen und ihr einen Willen beizulegen, hat grosse politische Vorteile: Dem eigenen Willen oder dem der eigenen Gruppe werden damit höhere Weihen verliehen.

Zeugt die Idee, über die Wirklichkeit eine andere zu setzen, von geistiger Tiefe oder handelt es sich eher um politische Durchtriebenheit? Wenn der Wille der übergeordneten (transzendenten) Wirklichkeit statuiert, dass die Abstammung der eigenen Gruppe über der der anderen Menschen steht, kann es sich kaum um etwas anderes, als politische Durchtriebenheit oder ins Masslose getriebene Stammespolitik handeln.

«Unser Volk steht über den anderen Völkern»: Der Trick mit einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit: Es wird ein höchster Wert geschaffen, der die Welt und die Menschen aufspaltet: Das Wertvolle, Erstrebenswerte oder der Sinn des Menschen ist etwas, das in Gegensatz zu Rechtsgleichheit steht oder ihn zur Herabwürdigung anderer Menschen führt. Für den unbefangenen Beobachter hat eine solche Ideologie mit Geistlosigkeit, Charakterlosigkeit und Satan zu tun, nicht aber mit Religion, Geist oder Gott. Kann der Geist und der Charakter wirksamer verdorben werden als durch eine solche Ideologie oder Religion?

Die Idee «Unser Volk steht über den anderen Völkern» ist Ausdruck eines bestimmten Charakters – kann sich jemand hineinfühlen? Er muss sich in eine Mentalität hineinfühlen können, die Menschsein als Gruppenbewusstsein versteht und zweitens als Gruppe, deren Zusammenhang die Abstammung ist und das alles bei hohen intellektuellen Fähigkeiten. Wenn jemand dazu imstande ist, ist er auf gutem Weg 2000 Jahre Weltgeschichte zu verstehen.

Wenn bei einer Ideologie oder Religion der Zugang zum Heil oder zum Höchsten nur einem auserwählten Kreis oder Volk vorbehalten ist, handelt es sich um eine Sekte. Wenn eine Sekte Weltgeschichte schreibt, sollte man sich um die Welt Sorgen machen.

Wenn die Idee von mir selber, der Natur und den anderen Menschen von einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit (Gottperson) stammt, dann kommt sie aus dem Willen – nicht aus dem Fühlen, Denken, Wahrnehmen, Auf-sich-wirken-lassen. Die Würdigung – oder der Genuss – des Seins ist allerdings nicht möglich, ohne sein Fühlen, Denken, Wahrnehmen, Auf-sich-wirken-lassen.

Natürlich könnte ein Wille, gemäss dem die Abstammung der eigenen Gruppe über der der anderen Menschen steht, als rassistisch, geistlos und charakterlos aufgefasst werden – wenn dieser Wille allerdings von einer Gottperson ausgesagt wird, das heisst, von einer Wirklichkeit über der Wirklichkeit, dann werden ihm damit höhere Weihen verliehen und die eigene Selbsterhöhung bekommt einen unhintergehbaren Rahmen. Gruppenegoismus, der sich als göttliche Auserwähltheit ausgibt, kann Jahrtausende Bestand haben und seine Bindungen sind fester als beim säkularen Rassismus.

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