Der Gott des Exzeptionalismus

Exzeptionalismus ist eine Weltanschauung, deren Anhänger überzeugt sind, ihre Gruppe würde in der Welt eine Sonderstellung einnehmen, eine Ausnahmeerscheinung darstellen und sie sei aussergewöhnlich oder unvergleichlich.

Eine politische oder öffentlich wirksame Gruppe mit der Weltanschauung des Exzeptionalismus bedeutet grundsätzlich ein Problem: Worum geht es bei ihrer Politik oder ihrer öffentlichen Wirksamkeit? Im Zentrum kann nicht das stehen, was alle verbindet, sondern die Sonderstellung der Gruppe. Fühlt sich diese Gruppe mit den anderen Menschen durch Rechtsgleichheit oder die gleichen Gesetze verbunden?

Es gibt im Recht eine lange Tradition der Unterscheidung zwischen ‘ius divinum’ und ‘ius positivum’. Interessant wird die Unterscheidung zwischen ‘ius divinum’ (unveränderliches göttliches Recht) und ‘ius positivum’ (weltliches Recht) wenn es sich beim Gott um einen Gott des Exzeptionalismus handelt, denn dieser bedeutet, dass es eine bestimmte Gruppe gibt, die er bevorzugt und dass aus dieser Sonderstellung Rechts-Ansprüche abgeleitet werden können. Selbstverständnis und Selbstwertgefühl der Anhänger des Exzeptionalismus kommen aus einer grundsätzlichen Überlegenheit über die anderen Menschen, was zu Separatismus und Absonderung führt – wo sollten die gemeinsamen Ziele liegen?

Das Recht – Gesetz – und Kapital. Ergibt sich aus einem Gott des Exzeptionalismus ein bestimmtes Verhältnis zum Kapital oder Geld oder zu Macht? Was man sicher sagen kann, ist, dass ein Gott des Exzeptionalismus kein spiritueller Gott ist oder anders gesagt, dass für eine solche Religion Geist nicht Übereinstimmung mit dem Sein (Menschen und Kosmos) bedeutet. Aber muss sich daraus zwangsläufig ein Gott des Kapitals ergeben? Jedenfalls hat eine Religion, die sich mit Kapital verbindet, mehr mit Politik und Gruppenegoismus zu tun als mit der Entfaltung des Geistes.

Der Gott des Exzeptionalismus und die Einheit von Fühlen, Denken und Sein. Durch einen Gott des Exzeptionalismus wird ein Sinn kreiert, durch den der Mensch keine Einheit mit dem Sein bildet: Es wird ein Allerhöchstes oder Wertvollstes erschaffen, durch das der Mensch auf andere Menschen oder den Kosmos herabsehen kann. Der Sinn liegt so nicht im Sein selber oder in der Einheit des Seins, sondern in einer Differenz zu ihm, in einer Aufspaltung: Der Unterschied zu den anderen oder der Vergleich mit ihnen wird zum eigentlichen Sinn oder Grund der Freude und des Selbstwertgefühls.

Was passiert, wenn der Verstand nicht dazu gebraucht wird, den Geist auszuweiten, sondern ihn einzuschränken, zum Beispiel indem sich der Mensch einen Sinn gibt, der ihn von den anderen Menschen abgrenzt? Welche Folgen hat die Unfähigkeit oder der Unwillen, die eigene Einheit mit dem Sein anzuerkennen? Welche Richtung nimmt dadurch der Mensch und die Welt?

Ist ein Gott des Exzeptionalismus eine Contradictio in adjecto, das heisst, ein Widerspruch in der Beifügung? Oder wie es auf englisch sehr schön heisst: A contradiction in terms. Fragen Sie die KI Ihrer Wahl.

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