Woher kommt die Freude des Menschen, wenn sie ihn von den anderen Menschen und dem Kosmos trennt?

Freude bedeutet Übereinstimmung des Menschen mit sich selber. Insofern die Freude des Menschen ihn von den anderen Menschen und dem Kosmos trennt, ist sie zwiespältig, weil dann Übereinstimmung mit sich selbst (= Freude) nicht Übereinstimmung mit dem Sein bedeutet.

Innerer Friede oder innere Ruhe sind dann erreicht, wenn die Freude, die im Menschen ist, nicht eine Freude ist, die ihn von den anderen Menschen und dem Kosmos trennt, das heisst, innerer Friede ist ein Zustand, in dem die Übereinstimmung mit sich selbst (= Freude), Übereinstimmung mit dem Sein bedeutet.

Wenn die Freude nicht aus der Übereinstimmung mit dem Sein kommt, kommt sie aus Macht, Unterwerfung unter eine Macht (sei diese eingebildet oder real), aus dem Gefühl der Überlegenheit oder Gruppenidentität. In allen diesen Fällen ist die Übereinstimmung mit sich selbst (= Freude) nicht an die Wahrheit der anderen Menschen und der Zusammenhänge des Kosmos gebunden, das heisst, der Mensch hat sich eine Bedeutung gegeben ohne die Verbundenheit mit dem Sein.

Freude, Befriedigung, Lust, Glück hängen mit dem Sinn des Menschen zusammen, denn sie sind das, wodurch der Mensch sich selber bejaht oder mit sich selber übereinstimmt. Wenn Sinn etwas über dem Kosmos oder dem Geist (Denken) des Menschen ist, dann gibt es etwas, das wertvoller ist als sie, was eine Zweiteilung des Seins bedeutet: Der Mensch kann via den einen Teil auf den anderen herabsehen. Eine Freude oder ein Sinn, die den Menschen vom Kosmos oder den anderen Menschen trennen, bedeuten ihre Herabwürdigung.

Ideologie und Religion haben den Anspruch, den Menschen Sinn zu geben. Wenn sie allerdings die Menschen durch ihren Sinn vom Kosmos und den anderen Menschen trennen, verderben sie ihren Charakter und Geist grundsätzlich und würdigen das Sein herab. Wenn eine Gruppe weltpolitische Macht gewinnt, deren Sinngebung (Ideologie, Religion) sie über die anderen Menschen und den Kosmos stellt, ist sie zu einer herrschenden Klasse aufgestiegen und die Weltgeschichte droht, ihre Richtung zu nehmen.

Für ein Bewusstsein, das nur aus Wollen (Wünschen, Begierden) besteht, ist der Kosmos nur Kulisse des Egos. Ist der zur Bühne für das eigene Ego reduzierte Kosmos der Höhepunkt der Moderne oder der Höhepunkt des Alten Testaments? Die Botschaft des Alten Testamentes war jedenfalls folgende: Der Kosmos ist ein Raum der Ausbeutung, er besteht aus Objekten, die kontrolliert, besessen und unterworfen werden können und darüber steht eine Gottperson, die eine bestimmte Abstammung bevorzugt: Der Kosmos wird zu einem Objekt reduziert, das nur im Verhältnis zum eigenen Willen Bedeutung hat.

Geist als Unterwerfung unter eine Macht, Ausübung von Macht, das Gefühl der Überlegenheit und Gruppenidentität, könnte als seine Verhunzung verstanden werden. Die andere Möglichkeit wäre Geist, der Fühlen und Denken des Seins – des Kosmos und des Menschen – ist. Wenn der Mensch etwas denkt, denkt er mehr oder weniger sich selber – wir können uns fragen: Welche Rolle spielt das Wollen im Denken des Menschen von sich selber? Es spielt sicher insofern eine Rolle, als er sich lieber als tollen Hecht anstatt als bedeutungsloses Würstchen denkt. Ideologie oder Religion kann dem Menschen Bedeutung bieten durch Unterwerfung unter eine Macht, Ausübung von Macht, das Gefühl der Überlegenheit und Gruppenidentität – indem sie ihm sagt, es gebe eine Wirklichkeit über der Wirklichkeit und durch diese Gottperson seien Kosmos und Mensch nur noch Objekte des Willens.

Geist und Wollen

Natürlich ist Geist insofern Wollen als der Mensch danach strebt, ihn auszuweiten, das heisst, sein Fühlen und Denken des Kosmos und des Menschen auszuweiten. Allerdings ist Geist insofern nicht Wollen, als das Fühlen und Denken des Seins nicht in der Zukunft stattfindet, sondern im Jetzt.

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