Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, um zu Befriedigung zu kommen: Ideen und Gefühle, die den Kosmos und den Menschen herabwürdigen oder solche, die sie würdigen. Befriedigung aus der Herabwürdigung des Kosmos und des Menschen bedeutet, dass nicht der Kosmos und der Mensch das Wertvolle sind. Natürlich strebt der Mensch nach dem Wertvollen und nicht nach dem Wertlosen: Es würde niemand von sich sagen, er strebe nach etwas Wertlosem – auch nicht der Heroinsüchtige.
Wodurch bestimmt sich, was wertvoll ist? Welches sind die Kriterien dafür, ob etwas wertvoll ist oder wertlos? Was ist die Definition von wertvoll? Man könnte sagen, das Wertvolle sei das, wonach man strebt. Jeder wird dieser Definition zustimmen, solange das Streben sich darauf richtet, den Kosmos und den Menschen zu würdigen – ist der Fall denkbar, dass etwas als das Wertvolle gilt – das heisst, als das Erstrebenswerte – durch das der Kosmos und der Mensch herabgewürdigt werden? Etwas zu statuieren, das über dem Kosmos und dem Menschen und seinem Verstand stehe und es als das Wertvolle zu verehren, würdigt den Kosmos und den Menschen und seinen Verstand herab. Es stellt sich die Frage, was gewürdigt wird durch etwas, das über dem Kosmos, dem Menschen und seinem Verstand stehe? Wir müssen uns bewusst sein: Etwas über den Kosmos zu stellen, bedeutet die Auflösung der Einheit des Seins.
Was könnte wertvoller sein als die Einheit von Geist und Materie und ihre unendlichen Zusammenhänge? Beschränkte Gemüter haben gefunden, die Macht über sie, zu diesem Zweck sind sie auf eine Person ohne Körper gekommen, aber mit einem unendlichen Willen, der auch enthalte, die Abstammung eines bestimmten Volkes über die der anderen Völker zu stellen. Wenn das Wertvolle – oder höchste Gut – durch Glauben, Unterwerfung und Gehorsam besteht, ist eine Übereinstimmung mit dem menschlichen Geist an einem sehr kleinen Ort, die politische Absicht dahinter aber sehr gut versteckt, wenn man es Religion nennt.
Welche Mentalität steckt hinter der Aufspaltung des Seins? Skrupellose Geistlosigkeit auf intellektuell hohem Niveau oder anders gefragt, der Wunsch nach Macht, Überlegenheit und Abgrenzung? Handelt es sich beim Statuieren von etwas, das über dem Kosmos, den Menschen und ihrem Verstand stehe, um Politik oder Religion? Jedenfalls ist dadurch der Ausgangspunkt des menschlichen Geistes nicht mehr der Kosmos und der Verstand, sondern die gruppenspezifische Festsetzung eines Allerhöchsten. Geist und Kosmos sind allerdings – im Gegensatz zu etwas, das über sie gestellt wird – nicht etwas Gruppenspezifisches und sie haben grundsätzlich kein Interesse daran herabgewürdigt zu werden. Was soll Religion sein, wenn sie dazu dient, sich von den anderen Menschen abzugrenzen?
Womit macht eine Gruppe, die das Sein aufspaltet, eine Einheit oder Übereinstimmung? Mit dem einen Teil oder dem anderen Teil des aufgespaltenen Seins? Das heisst, mit dem Kosmos als Machtobjekt einer Gottperson oder mit der Gottperson selber? Kann mit dem Kosmos eine Übereinstimmung oder Einheit gemacht werden, wenn er Machtobjekt einer Gottperson ist? Oder kann mit der Gottperson selber eine Einheit oder Übereinstimmung gemacht werden? Mein Geist erwartet von einer Sinngebung, dass er mit sich selber übereinstimmen kann – mit sich selber übereinstimmen oder eine Einheit bilden, kann der Geist durch die Würdigung, die Wahrnehmung und den Genuss des Seins. Es stellt sich die Frage, ob durch ein Unterwerfungs-, Glaubens- und Gehorsamsverhältnis die Würdigung, Wahrnehmung und der Genuss des Seins realisiert werden kann?
Unter Ethik kann das Werte-System einer Gruppe verstanden werden oder aber ein Handeln und Denken, das nach Wahrheit und dem Guten strebt. Es wird zum Beispiel niemand sagen können, die Juden (Israel) würden nicht nach dem Guten, sondern nach Macht, Abgrenzung und Überlegenheit streben oder nicht nach der Wahrheit – aber ihr Gutes und ihre Wahrheit ist ein Gruppen-Gutes und eine Gruppen-Wahrheit und dadurch bestimmt sich für sie, was das Wertvolle ist.
Strebt der Mensch nach dem Wertvollen? Das Wertvolle ist das, was der Allgemeinheit zu ihrer geistigen und materiellen Entfaltung förderlich ist. Der Mensch strebt nach Befriedigung – wenn das, was dem Menschen Befriedigung gibt, der geistigen und materiellen Entfaltung der Allgemeinheit entgegengesetzt ist, spaltet er erstens die Gesellschaft und ist zweitens, in sich selber gespalten.
Allerdings wird ein Mensch oder realer gesagt, eine Gruppe von Menschen, deren Befriedigung der geistigen und materiellen Entfaltung der Allgemeinheit entgegengesetzt ist, das, wonach sie streben, nicht schädlich oder wertlos nennen – weil es einem Menschen zuwider ist, das, was ihm Befriedigung gibt, wonach er strebt und was sein Lebensinhalt ist, schädlich oder wertlos zu nennen, denn er würde sich selber wertlos vorkommen. In dieser Situation kann die Berufung auf einen höheren Willen helfen (im psychologischen Sinne handelt es sich um eine Rationalisierung) – es kann argumentiert werden: Unser Wille ist übereinstimmend mit dem Willen vom Allerhöchsten. Natürlich kann diese Berufung oder Argumentation nicht auf dem Verstand beruhen, sondern auf Glauben, Gehorsam und Unterwerfung – auf dem Prinzip: Gegenüber etwas demütig sein, das erlaubt, gegenüber allem anderen hochmütig zu sein. Natürlich kann die Erfüllung eines Wunsches, anders ausgedrückt, des Willens, nicht als wertlos bezeichnet werden – aber eventuell als schädlich.
Wenn Sie sich durch widerspruchsfreies Denken bedroht fühlen, sollten Sie Ihre Meinung oder Sinngebung überprüfen. Was einiges an Charakter erfordern wird, denn Widersprüchen die Zustimmung zu geben, gründet nicht darauf, die Wahrheit oder das Sein der anderen Menschen und des Kosmos zu würdigen, sondern auf der Loslösung von ihrem Sein und ihrer Wahrheit.