Die Aufspaltung der Welt in die Guten und die Bösen

Welche Eigenschaften haben die Guten und welche die Bösen? Als gute Eigenschaften würde ich Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft nennen. Als schlechte Eigenschaft Falschheit, im Speziellen dann, wenn sie mit Eingreifen in das Leben anderer Menschen verbunden ist. Wodurch sollte sich jemand, der ehrlich, freundlich, hilfsbereit ist, die Feindschaft anderer Menschen zuziehen? Vielleicht durch Neid, wegen seines eigenständigen Willens oder weil er ein Feind der Falschheit ist.

Die Guten können wir daran erkennen, dass sie mit dem Finger auf die Bösen zeigen und dann in ihr Leben eingreifen – was sagt man zu diesem Prinzip der Weltpolitik, das nur dann funktionieren kann, wenn diese Guten, die mit dem Finger auf die Bösen zeigen, die Medien beherrschen. Wenn es ein politischer Akteur ist, der die Welt in die Guten und die Bösen aufspaltet, wer wird dann zu den Guten gehören und wer zu den Bösen? Diejenige Gruppe oder Regierung, die Anschuldigungen gegen Staaten und Regierungen auf der ganzen Welt erhebt, wird für den Statthalter des Guten auf der Welt gehalten – wenn sie dem Publikum das Böse-sein anderer Staaten und Regierungen medial glaubhaft vermitteln kann bzw. sie finanziell und militärisch mächtig ist, ansonsten würde sie nur für einen lächerlichen Kläffer gehalten, der aus zweifelhaften Gründen Staaten und Regierungen verleumden will.

Um in das Leben anderer Menschen, Bevölkerungen oder Staaten eingreifen zu können, muss ein Grund angegeben werden – allerdings wird nicht geradezu gesagt werden können, die Bösen seien jene, die sich nicht der eigenen Herrschaft unterwerfen wollen. Wenn diejenigen, die mittels Lüge, Betrug, Gewalt und Zwang Herrschaft ausüben, sich in den Medien als die Guten darstellen können, dann ist das ein perfektes Verbrecher-System.

Die Realität als Einheit oder aufgespalten

Die Realität (das Sein, die Wirklichkeit) kann durch Macht aufgespalten werden oder dadurch, dass ein Teil für minderwertig erklärt wird. Die Realität als Einheit aufzufassen, ist den Machtambitionen des Exzeptionalismus entgegengesetzt. Wie vereinbar ist Religion mit Exzeptionalismus und seinen Machtambitionen? Man könnte geradesogut fragen: Wie vereinbar ist Religion mit dem Judentum? Die Botschaft seines Gottes ist: Eure Abstammung steht über der der anderen Völker: die jüdische Ideologie führt ihre Angehörigen nicht zum Wunsch, nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu werden, sondern Macht über die Aussenstehenden zu haben.

Ist Geist etwas, zu dem ein Machtverhältnis besteht?

Geist ist die Fähigkeit, eine Idee von sich selber, den anderen Menschen und des Kosmos zu haben. Dadurch, dass er eine Idee von sich selber, den anderen Menschen und des Kosmos hat, lebt der Mensch in einem Zusammenhang, in dem er sich selber bestimmen muss: die Frage nach seinem Zusammenhang ist die Frage nach seinem Sinn. Die Befriedigung oder das Glück des Menschen ist mit seiner Sinnfindung verknüpft.

Die Sinnfrage durch ein Machtverhältnis lösen

Die Wirklichkeit nicht aufgespalten zu denken, das heisst, als unendlichen Zusammenhang, ist etwas anderes als sie aufgespalten zu denken, zum Beispiel in eine rein geistige und eine rein materielle Wirklichkeit, die dadurch zusammenhängen, dass die eine über die andere herrsche. Die eigene Existenz identifiziert sich so nicht mit einem unendlichen Sein, an dem sie durch das Ausweiten ihres Geistes und Sinne Anteil haben könnte, sondern als sich Unterwerfende unter ein Machtobjekt: Man könnte sagen, die Sinnfrage sei durch ein Macht- bzw. Unterwerfungsverhältnis gelöst worden.

Durch die Idee, die ich von den anderen Menschen und dem Kosmos habe, kann ich mich entweder über sie stellen oder ihr Sein wahrnehmen und auf mich wirken lassen, das heisst, zulassen, was bedeuten würde, dass ihr Sein mein Sein in einem grösseren Umfange konstituiert, als wenn sie nur Objekte der Macht wären. Wenn ich mich über die anderen Menschen und den Kosmos stelle, ist der Wille aktiv, nicht das Aufnehmen, Wahrnehmen, Einsehen, Auf-mich-wirken-lassen – ein Wille, der seine Zustimmung gibt zu Widersprüchen, Wahnideen, Illusionen, Lügen und schliesslich Betrug und Gewalt ohne die es nicht möglich ist, sich über die anderen Menschen und den Kosmos zu stellen. Das Unterdrücken, Wegwischen oder Einschränken der Realität anderer Menschen, Bevölkerungen, Staaten oder Erdteilen ist ein Akt frevelhafter Selbstüberhebung. Als besonders clever mag angesehen werden, sich einer Wahnidee zu unterwerfen, die einen in den Glauben versetzt, über den anderen Völkern zu stehen und es als Religion auszugeben. Durch diesen raffinierten ideellen Schachzug können Hochmut, Ehrgeiz oder Hybris Urständ feiern und der Charakter schwach und der Geist tot sein. Mit der eigenen Sinngebung ist ein Antrieb installiert und sind quasi die Freuden vorprogrammiert.

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