Hat das, was die Juden in Gaza tun, irgend etwas mit Religion zu tun?

Immerhin wird die Vertreibung der angestammten Bevölkerung Palästinas (seit 1923 bzw. 1948) mit der Religion begründet. Massenmord an Zivilisten wird im Allgemeinen nicht mit Religion in Verbindung gebracht – eher mit einer Sekte; wenn es sich allerdings um 35’000 Tote handelt, muss es sich um eine staatliche Sekte handeln. Einer Weltreligion jedenfalls würde man die Taten nicht zutrauen, die die Angehörigen dieser Religion aus religiösen Gründen in Gaza verüben. Religion, wenn es sich explizit und ausschliesslich um die Religion eines bestimmten Volkes handelt, kann gar nicht anders als der Ausdruck des geistigen und charakterlichen Zustandes dieses Volkes sein. Natürlich sind die meisten der Meinung, bei Religion handle es sich um eine Anschauung der Welt und des Menschen, die ihren Angehörigen dazu verhelfe, menschliche Gier und Egoismus zu überwinden und nicht dazu diene Gruppenegoismus zu fördern, die Menschheit aufzuspalten und die natürlichen Zusammenhänge des Seins auflösen.

Der Gottesdienst am Geld – wie verbinde ich Religion mit (Finanz-) Macht? Oder allgemeiner gefragt: Wie kann ich meinen toten Geist und schlechten Charakter mit Religion verbinden? Von welchen Gefühlsregungen (Affekten) werde ich beherrscht, wenn ich einen toten Geist und schlechten Charakter habe? Hier besteht vielleicht ein Unterschied, ob ich Probleme lieber intellektuell oder brachial löse. Jedenfalls ist nichts in mir an Aufnehmen, Empfangen, Einsehen, Wahrnehmen, Auf-mich-wirken-lassen eines eigenständig aufgefassten Seins (Menschen und Kosmos), sondern nur ein unbändiges auf äusserliche Objekte gerichtetes Wollen. Und meine Zauberformel heisst: Aufspaltung und Auflösen der natürlich gegebenen Zusammenhänge.

Religion sagt den Menschen nicht nur, was sie selber und der Kosmos sind, sondern auch, was gut und böse ist. Tragisch ist eine Religion, die als Weltreligion gilt und deren Ethik eine Clan-Ethik ist – von Clan würde ich reden, wenn diejenigen, die nicht zum «Stamm» gehören, vom Höchsten und Wertvollsten als auch Rechtsgleichheit ausgeschlossen sind. Ihre Religion sagt den Israeliten: die Palästinenser sind böse, weil sie sich nicht freiwillig von ihrem angestammten Land vertreiben lassen – und ich bin böse, weil ich die Erzählung der Juden nicht übernehme. Da die Juden eine Minderheit sind als auch ein Volk und dessen Religion explizites und ausschliessendes Merkmal dieses Volkes ist, bedeutet Kritik an diesem Volk seine Diskriminierung, das heisst, Rassismus gegen eine Religion und gegen eine Ethnie. Daraus folgt, dass die Juden (Israeliten) die Guten sind und im Recht (wo könnte der Haken dieser Darstellung liegen?).

Wie ist eine Religion zu beurteilen, wenn nur ein bestimmtes Volk Zugang zu ihr hat? Religion handelt von der Wahrheit, dem Höchsten und Wertvollsten, in dem der Lebenssinn liegt. Wenn nur ein bestimmtes Volk Zugang zu dieser Religion hat, werden die anderen von der Wahrheit, dem Höchsten und Wertvollsten, in dem der Lebenssinn liegt, ausgeschlossen. Was sollen Wahrheit, das Höchste und Wertvollste bedeuten, wenn sie einem bestimmten Volk (Ethnie, Stamm) vorbehalten sind und wie geht dieses Volk mit den anderen Völkern um?

Wie ist ein Volk zu beurteilen, das sich über eine Religion definiert, zu der nur es Zugang hat? Ohne den Status einer Weltreligion, wäre die Schlussfolgerung, dass es sich bei der jüdischen Religion um eine Sekte handelt.

Religion und Politik

Religion und Politik hängen insofern zusammen als die Ziele der Politik durch die Religion bestimmt werden und eine Religion die Mentalität des Volkes bestimmt. Wenn der Gott einem Volk sagt, es stehe über den anderen Völkern, dann wird sehr stark die Abgrenzung dieses Volkes von den anderen Völkern betont werden. Wenn eine solche Gruppe einen eigenen Staat hat, wird ihre Politik dementsprechend sein. Dass die Juden nur ihre Religion in die Neuzeit hinüberretten konnten, aber nicht ihren Staat, könnte damit zusammenhängen, dass die anderen Völker ein Volk, das über ihnen stehe als Feind betrachteten.

Was ist für die Juden der Staat und was für die Christen oder Muslime? Die jüdische Religion grenzt sich insofern gegen andere Menschen ab, als sie nicht die jüdische Abstammung vorweisen können – das betrifft auch einen jüdischen Staat, der mehrheitlich säkular ist. Einen eigenen Staat haben, kann für die Christen und Muslime kein Ziel sein – aber warum kann (konnte) es für Juden ein Ziel sein, dass es einen Staat gibt, der mehrheitlich aus Juden besteht: Das Selbstverständnis eines Juden ist in hohem Mass mit seiner Gruppe (Abstammungsgemeinschaft) verknüpft, im Gegensatz dazu, bezieht sich das Selbstverständnis eines Christen oder Muslim mehr auf seinen Gott und weniger auf einen Stamm.

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