Wichtig ist nicht nur, selber ethisch gut zu sein, sondern dass es die anderen Leute auch wissen

Damit sind wir bei der Politik – aus zwei Gründen: Erstens streben Politik bzw. die Politiker nach dem Guten und zweitens müssen sie der Bevölkerung klar machen, dass sie nach dem Guten streben; denn sonst könnte das Volk sie für blosse Machtmenschen halten, die in beschränkte Interessen verwickelt sind, nicht aber für Führungspersonen.

Ein Politiker, der etwas auf sich hält und sich selber und der Bevölkerung die Welt erklären möchte, gebraucht den Begriff ‘Werte’. Das sind die Vorstellungen, die er darüber hat, wie die Welt aussehen soll – dass diese Vorstellungen sich auf etwas beziehen, das er schätzt, bejaht, gutheisst und wertvoll findet, ist klar; das Problem besteht darin, dass es Menschen und Staaten auf der Welt gibt, die seine Vorstellungen nicht teilen. Seit der Auflösung der UdSSR (1991) gelten jene, die die Vorstellungen der westlichen Politiker darüber, was wertvoll ist, nicht teilen, als böse; das war zu Zeiten der UdSSR noch anders, weil USA & NATO vor ihr einen gewissen Respekt hatten, jetzt aber glauben, sie könnten jedem Staat der Welt das Prädikat ‘böse’ anhängen und dann über ihn herfallen oder ihre Proxys in Anschlag bringen.

Wie unterscheiden sich die westlichen Werte von den nicht-westlichen? Ich nehme nicht an, die westliche Polit-Führung werde vorbringen: Wir sind anständig, höflich und ehrlich – der Nicht-Westen hingegen rüpelhaft, gewalttätig und verlogen. Der westliche Medien-Konsument weiss, worin seine Regierung dem Nicht-Westen überlegen ist und den Grund, warum sie fortwährend in dessen Leben eingreift – denn seine Regierung hat es ihm durch die Medien klar gemacht, zum Beispiel mit der Lehre: Gewalt ist ethisch gut, wenn sie vom Westen ausgeht, aber ethisch schlecht, wenn sie der Nicht-Westen anwendet; die Begründung dafür ist: Wenn der Westen Gewalt über andere Menschen und Staaten bringt, bringt er ihnen Demokratie, Freiheit und Menschenrecht – wenn hingegen der Nicht-Westen zu Gewalt greift, will er sein Territorium ausweiten oder andere Menschen oder Staaten seiner Macht unterwerfen.

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